Klinische Studien brauchen Patienten als Partner

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Klinische Studien sind wichtig, um neue Medikamente zu erforschen. Durch die Teilnahme arbeiten Patienten aktiv an neuen Therapiemöglichkeiten mit – als Partner der Medizin und Forschung! Dafür haben sie Zugang zu den neuesten, noch nicht am Markt befindlichen Medikamenten. Österreichs führende Mediziner bitten Patienten im Video um ihre Hilfe und erklären, warum es Sinn macht, an klinischen Studien teilzunehmen.

OA Dr. Klaus Hackner, Lungenfacharzt Krems
OÄ Dr. Christine Bangert, Hautärztin, Wien
OA Dr. Maximilian Hochmair, Lungenfacharzt, Wien
OA Dr. Georg Pall, Onkologe, Innsbruck
Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Lungenfacharzt, Wien
Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Lungenfacharzt, Wien

Der Gedanke an klinische Studien kann verwirrend oder sogar abschreckend sein. Viele Patienten haben Angst, dass mit ihnen experimentiert wird oder die Sicherheit der Therapie nicht gegeben ist. Leider besteht eine große Unkenntnis darüber, was bei klinischen Studien wirklich passiert und wozu diese notwendig sind. Deshalb hat die Österreichische Lungenunion dieses Information-Video über klinische Studien zusammengestellt.

Letztlich sind klinische Studien ein sicheres Mittel für Mediziner, um neue Medikamente zu erforschen. Alle verfügbaren Medikamente haben klinische Studien durchlaufen, um zu beweisen, dass sie sicher und wirksam sind. „Klinische Studien sind in der Medizin notwendig, um zu beweisen, dass eine neue Substanz besser ist als Placebo oder die bisherigen Medikamente“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Lungenfacharzt, Wien. „Viele Menschen fürchten sich vor klinischen Studien, aber heutzutage sind diese wirklich sicher“, erklärt auch OÄ Dr. Christine Bangert, Hautärztin, Wien: „Die Patienten werden engmaschig betreut.“

Jede klinische Studie hat vier Hauptphasen:

In Phase 1 testen Forscher die Sicherheit der neuen Therapie bei gesunden Menschen. Dabei werden regelmäßig medizinische Untersuchungen durchgeführt und alle Nebenwirkungen notiert. In der 2. Phase werden verschiedene wirksame Dosierungen untersucht und wiederum etwaige Nebenwirkungen abgefragt und beobachtet. Phase 3 umfasst eine größere Gruppe von Patienten, um ein klareres Bild davon zu erhalten, wie wirksam das neue Medikament im Vergleich zu den derzeit verfügbaren ist. Phase 4 erfolgt schließlich nach der Zulassung eines Medikaments und hilft, den Nutzen und die möglichen Risiken über einen längeren Zeitraum zu untersuchen.

Welcher Nutzen besteht für Teilnehmer?

 „Für mich als Person bringt die Teilnahme an einer Studie den Vorteil, Zugang zu neuen Medikamenten zu erhalten, bevor diese öffentlich verfügbar sind“, so Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Lungenfacharzt, Wien. Zudem erhalten Patienten durch die erforderliche regelmäßige Kontrolle und die laufenden medizinische Tests genaueste Informationen über den eigenen Gesundheitszustand.

OA Dr. Georg Pall, Onkologe, Innsbruck: „Klinische Studien sind eine große Chance für die Medizin und den Fortschritt, aber auch eine große Chance für den Patienten. Denn man erhält neue Medikamente zu einem Zeitpunkt, zu dem diese Therapien regulär noch gar nicht verfügbar sind.“ Ohne die Teilnahme von Patienten kann die Sicherheit und Wirksamkeit von neuen Medikamenten nicht geprüft werden. Die neuesten Medikamente können nur zu Verfügung gestellt werden, wenn Patienten an Studien teilnehmen. Das Feedback der Patienten ist wichtig und hat auch einen großen Einfluss auf das Ergebnis der Studie.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Lungenfacharzt, Wien: „Die moderne Medizin wäre ohne die klinische Forschung gar nicht vorstellbar. Die Teilnahme an klinischen Studien ermöglicht Patienten den Zugang zu innovativen Behandlungskonzepten – noch lange bevor diese allgemein verfügbar sind. Darüber hinaus gewährleistet eine Partizipation an Studien eine hochqualitative medizinische Betreuung an Expertenzentren.“

Bitte um Mithilfe

„Bei vielen Erkrankungen gibt es leider nach wie vor für Patienten und Ärzte keine ausreichend wirksamen oder sicheren Behandlungsmöglichkeiten“, so OA Dr. Gregor Holzer, Dermatologe, Wien: „In klinischen Studien werden oft im Vergleich zu bestehenden Therapien wirksamere Therapien geprüft. Hier hat man als Patient nicht nur die Möglichkeit, eine modernere und bessere Therapie zu bekommen. Man ist auch durch die Kontrollen und die enge Anbindung an ein Studienzentrum mit seiner Erkrankung oft besser betreut als reguläre Patienten. Ohne Teilnahme an einer klinischen Studie ist medizinischer Fortschritt nicht möglich.“

OA Dr. Klaus Hackner, Lungenfacharzt, Krems, bittet im Videostatement Patienten um Hilfe: „Machen Sie mit bei klinischen Studien und helfen Sie uns, Therapie und Behandlungsmöglichkeiten weiter zu verbessern! Sie sind dabei keine Versuchskaninchen, sondern haben die Möglichkeit, an der Wirksamkeit und Verträglichkeit von neuen Medikamenten mitzuwirken.“

OA Dr. Maximilian Hochmair, Lungenfacharzt, Wien: „Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, ob die Möglichkeit einer klinischen Studie besteht. An unserem Lungenkrebszentrum haben wir rund 20 Studien laufen. Ein neues Medikament davon könnte vielleicht Ihnen perfekt helfen.“

Download Folder „Klinische Studien“ (3,1 MB)

Wir danken folgenden Sponsoren für die Unterstützung der Aktion „Klinische Studien und die Rolle der Patienten und Patientinnen“:

AbbVie, ALK, AstraZeneca, Bencard, BMS, Janssen, Novartis, Roche, Takeda