Beinahe jeder fünfte Mensch ist in Österreich von einer Allergie betroffen. Das Spektrum der allergischen Erkrankung reicht dabei von allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) über das Ekzem bis zum allergischen Asthma. „Besonders bedauerlich ist, dass Allergien bei Kindern am Vormarsch sind“, erklärte MR Dr. Rudolf Schmitzberger bei einem Online Jour-fixe der Österreichischen Lungenunion.

25 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Österreich sind von einer Allergie betroffen. Die Allergie-Immuntherapie wird als einzige kausale Therapieform anerkannt, doch im Schnitt vergehen sechs bis neun Jahre, bis diese Therapie eingeleitet wird. Europaweit bekommen ein bis fünf Prozent der Kinder mit allergischer Bindehautentzündung eine Allergie-Immuntherapie, wobei die Zahl der entsprechend behandelten Kinder zunehmend steigt. In Österreich erhält ein Prozent der fünf- bis 18-Jährigen eine solche Therapie.

Der allergische Marsch

Etwa 40 Prozent der Heuschnupfen-Patienten entwickeln Asthmasymptome, und mehr als 75 Prozent der Patienten mit allergischem Asthma sind von Heuschnupfen betroffen. Zu Beginn überwiegen bei Kindern die Probleme des Atopischen Ekzems (Neurodermitis). „Diese Kinder sind unter besondere Beobachtung zu stellen, vor allem dann, wenn ein Heuschnupfen hinzukommt“, weiß Schmitzberger. Denn diese Kinder würden häufig allergisches Asthma entwickeln. Es gelte, diesen allergischen Marsch vom atopischen Ekzem über Heuschnupfen zu allergischem Asthma mit einer frühzeitigen Therapie zu unterbrechen.

Allergie-Risikofaktoren

Es gibt gewisse Risikofaktoren, die eine Allergie begünstigen. Je jünger ein Kind ist, desto größer ist die Rolle viraler Infektionen, wobei sechs bis acht Infekte pro Saison normal sind. Verschwinden diese zumeist viral bedingten Infekte nicht, sondern kehren immer wieder, besteht ein Risikofaktor für die Entwicklung von Allergien. Bestimmte Virus-Infektionen wie etwa RSV oder bakterielle Infektionen wie Keuchhusten führen dazu, dass die Atemwege hypersensibel sind und mit Symptomen von Atemwegsobstruktion (Verengung) und unter Umständen von Asthma reagieren. Besteht ein vererbtes Risiko, steigt das Allergierisiko auf 60 Prozent.

Zu den weiteren Risikofaktoren für die Entwicklung allergischer Atemwegserkrankungen und Asthma zählen die Umweltbelastung wie beispielsweise Ozon, Diesel und Ruß, ein zu hoher Hygienestandard, falsche Ernährung des Säuglings, Exposition gegenüber Zigarettenrauch und Rauchen. Zu den schützenden Faktoren zählen Stillen und das Vermeiden von Passivrauch zu den Faktoren, die eine Allergieentwicklung hintanhalten können.

Zu den wichtigsten Allergieauslösern zählen in Österreich Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben und Schimmelpilze.

Auswirkungen von Allergien

Allergien gehen mit lästigen und krankmachenden Symptomen einher, weshalb Symptom-lindernde Medikamente benötigt werden. Zudem wirken sich Allergien auf die Lebensqualität aus, insbesondere auf die Bereiche Alltag, Freizeit, Sport, Schule und Beruf. Darüber hinaus spielen Begleiterkrankungen eine Rolle, häufig kommt es zu Kreuzallergien. In der Folge können sich neue Allergien oder allergisches Asthma entwickeln.

Allergiesymptome

Zu den Symptomen einer Allergie zählen gerötete, geschwollene, juckende oder tränende Augen, eine juckende, blockierte Nase, Niesen und klarer Nasenausfluss, Atemnot, Husten und Atemgeräusche, Juckreiz, Rötung der Haut, Nesselausschlag und Ekzem sowie Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung bzw. Blähung.

Asthma bei Milbenallergie

„Hausstaubmilbenallergiker haben ein deutlich erhöhtes Asthmarisiko“, warnte Schmitzberger. So zeigen Asthmatiker mit einer Milbenallergie schlechtere Lungenfunktionswerte, eher eine schwerere Asthmaerkrankung und ein erhöhtes Risiko für einen Asthmaanfall.

Häufigste Anaphylaxieauslöser

Am häufigsten lösen Erdnüsse, Haselnüsse, Cashewnüsse, Walnüsse, Pistazien, Erbsen, Kichererbsen, Soja, Lupinen, Kuhmilch, Hühnerei, Fisch und Schalentiere eine akute, lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktion (Anaphylaxie) aus.

Asthma als gefürchtete Folge einer Allergie

Beim Etagenwechsel geht eine allergische Rhinitis in ein allergisches Asthma über. Gewissermaßen wandert die Allergie von den oberen Atemwegen, den Schleimhäuten und dem Augenbereich in die unteren Atemwege. So sind 60 bis 80 Prozent der Patienten mit Asthma auch von allergischer Rhinitis betroffen. Umgekehrt haben 15 Prozent der Patienten mit allergischer Rhinitis ein Asthma. Weltweit sind rund 300 Millionen Menschen von Asthma betroffen, 250.000 von ihnen sterben pro Jahr an den Folgen der Asthmaerkrankung.

Spezifische Immuntherapie

Aus diesem Grund sind eine rechtzeitige und rationale Allergiediagnostik mittels Pricktest und Bluttest sowie eine rechtzeitige und rationale, spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung bzw. Allergieimpfung) von besonderer Bedeutung. Denn eine reine Symptom-bekämpfende Therapie reicht meist nicht aus, während eine spezifische Immuntherapie sowohl die Symptome als auch die Ursache einer Allergie behandelt. Bei dieser Behandlung wird der „gereinigte“ Allergieauslöser über einen Zeitraum von drei Jahren in Form von Tabletten, Spritzen oder Tropfen verabreicht und eine Toleranz bei erneutem Allergenkontakt aufgebaut.

Behandlungsziele der Asthmatherapie

Mit einer Asthmatherapie wird versucht, eine komplette Symptomkontrolle zu erreichen und erhalten, eine altersentsprechende Aktivität und Belastbarkeit zu erreichen, die Häufigkeit und Schwere akuter Exazerbationen zu reduzieren, die normale Lungenfunktion zu erhalten, bleibende Schäden zu verhindern, aber auch Asthma-Todesfälle und die Nebenwirkungen der Asthmatherapie zu verhindern.

COVID-19-Impfung

Schmitzberger empfiehlt die COVID-19-Impfung auch für Kinder, insbesondere für jene mit Asthma. Schwere allergische Reaktionen treten dabei extrem selten auf – und wenn, dann innerhalb der ersten 30 Minuten. Somit ist eine solche Situation gut beherrschbar, solange die geimpften Personen für diese Zeit am Ort der Impfung bleiben. Bei klassischen Allergien ist keine Sorge angebracht. Nicht geimpft werden dürfen Personen mit einer bekannten früheren schweren allergischen Reaktion auf Inhaltsstoffe des Impfstoffs oder auf die erste COVID-19-Impfung. U.a. können Inhaltsstoffe wie Polyethylenglykol (Macrogol) und Tromethamin/Trometamol eine Rolle spielen.

Mit dem behandelnden Arzt sollte jedenfalls das Thema Impfung besprochen werden, wenn eine schwere allergische Reaktion bei einer früheren Nicht-COVID-19-Impfung, nach Medikamenteneinnahme (insbesondere Abführlösungen) oder -injektionen, nach Mastozytose oder bei unbekannter Ursache auftraten. Patienten, die aufgrund allergischer Erkrankungen eine Behandlung erhalten (einschließlich Antikörpertherapien wie Xolair ®, Dupixent ®, Nucala ® oder Fasenra ®) können geimpft werden. Derzeit wird ein Abstand von einer Woche zwischen der Behandlung und der Impfung empfohlen. Bei einer Therapie mit Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin) sollte das Gespräch mit dem Arzt gesucht werden, es besteht jedoch keine besondere Gefährdung durch diese Therapie. Gegebenenfalls könnte die Impfung weniger wirksam sein.

Jour fixe der Österreichischen Lungenunion, 19. Mai 2022