Bei einem Webinar im Zuge der Lungenunions-Kampagne „Achte auf Deine Lunge“ gab die Lungenexpertin Dr. Beti Hochsteger ihre Erfahrungen zum Rauchstopp weiter und informierte, wie der Weg zum Nichtraucher erfolgreich beschritten werden kann.

„Österreich ist in Europa im Rauchverhalten führend“, erklärte die niedergelassene Lungenfachärztin Dr. Beti Hochsteger bei einem Webinar der Österreichischen Lungenunion. So greifen 21 Prozent der Personen ab 15 Jahren zum Glimmstängel, der in der Regel mehr als 4.800 chemische und teilweise giftige Substanzen enthält. Mehr als 90 dieser Stoffe gelten als krebserregend. Darüber hinaus ist jede zweite Person im Alter von 15 bis 29 Jahren Passivrauch ausgesetzt. Grund genug, sich mit dem Rauchstopp zu beschäftigen.

Acht von 10 Rauchern entwickeln im Lauf ihres Lebens eine COPD

Nikotinkonsum verursacht Hochsteger zufolge im Zusammenspiel mit anderen Faktoren eine Reihe von Krankheitsbildern, allen voran Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie verschiedene Atemwegserkrankungen. Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) nimmt dabei eine bedeutende Rolle ein: Etwa 15 bis 20 Prozent der Raucher entwickeln nach 20 Jahren diese Erkrankung, wobei auch Nichtraucher eine COPD entwickeln können. Raucher sind auch häufig von chronischer Bronchitis und Asthma betroffen.  

Neben diesen Erkrankungen sind auch verschiedene bösartige Neubildungen (Tumore) mit dem Rauchen verbunden, wobei an erster Stelle der Lungenkrebs zu nennen ist. Weiters kann die Entwicklung von Kehlkopf-, Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsen-, Harnblasen-, Nieren- und Gebärmutterhalskrebs sowie weiteren Krebsarten durch Rauchen getriggert werden.

Mit Rauchen verbundene Todesfälle

Rauchen verursacht 25 bis 30 aller Krebstodesfälle, wobei rauchende Männer im Vergleich zu Nichtrauchern ein 20 bis 30 Mal höheres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken. Bei rauchenden Frauen ist das Risiko neun Mal höher als bei Nichtraucherinnen. Im Jahr 2019 verstarben 2.343 Männer und 1.648 Frauen an Lungenkrebs, 27 Prozent der Verstorbenen waren jünger als 65 Jahre alt.

Quit Smoking lohnt sich

„Es ist nachgewiesen, dass Rauchstopp zu jedem Zeitpunkt wichtig ist und sich auszahlt“, betonte Dr. Hochsteger. So verbessern sich bereits nach einer Woche Nichtrauchen die Durchblutung sowie der Geruchs- und Geschmacksinn. Nach zwei bis drei Wochen wirkt sich das Nichtrauchen auf die Kreislaufsituation, die Lungenfunktion, den Husten und das Atmen aus. Nach einigen Monaten macht sich der Rauchstopp auch hinsichtlich der Fruchtbarkeit und Potenz bemerkbar. Ein Jahr nach der letzten Zigarette ist das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bereits um die Hälfte minimiert. Zwei bis fünf Jahre nach dem Rauchstopp ist auch das Herzinfarktrisiko deutlich geringer. Das Risiko für Mund-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs ist fünf Jahre nach der letzten Zigarette ebenso enorm minimiert. Das Risiko, Kehlkopf- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs zu entwickeln, ist nach zehn Jahren wesentlich reduziert, jenes für Lungenkrebs sogar um die Hälfte. Nach 15 rauchfreien Jahren ist schließlich auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen gleich wie bei Niemalsrauchern.

Methoden zur Rauchentwöhnung

Dass der Weg zum Nichtraucher ein schwieriger ist, zeigt sich daran, dass lediglich drei bis sieben Prozent der aufhörbereiten Raucher nach einem Jahr nach wie vor abstinent sind, wobei Menschen, die sich Unterstützung holen, meist erfolgreicher sind. 70 Prozent der Raucher starten den Versuch zum Rauchstopp alleine, der Rest setzt auf Verhaltenstherapie, Akupunktur, Hypnose, Nikotinersatzpräparate, eine Laserbehandlung oder andere Methoden.

„Der Wunsch nach dem Aufhören ist bei vielen Rauchern vorhanden. Doch die Bereitschaft, den Wunsch in die Tat umzusetzen, muss man aktivieren“, weiß die Lungenfachärztin.

Unterstützungsangebote

Es gibt zahlreiche Unterstützungsangebote für Menschen, die das Rauchen beenden möchten. Hochsteger empfiehlt, Kontakt zum Rauchfrei-Telefon aufzunehmen (Tel. 0800 810 013 bzw. www.rauchfrei.at) oder sich die Rauchfrei App downzuloaden. Darüber hinaus gibt es ambulante und stationäre Angebote zur Raucherentwöhnung sowie Hilfe bei niedergelassenen Ärzten, spezialisierten Psychologen und Selbsthilfegruppen, die beim Versuch, die Nikotinsucht loszuwerden, unterstützen. „Auch die Lungenunion stellt viele Ressourcen zur Verfügung, die beim Rauchstopp unterstützen“, betonte Hochsteger.

Rauchstopp ist lebenverlängernd

Die Verlängerung der Lebenserwartung durch einen Rauchstopp zeigt folgende Tabelle.

Lebensverlängerung bei Rauchstopp

Unterstützt wird das Projekt „Achte auf deine Lunge“ von Astra Zeneca, Bencard, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Chiesi, A. Menarini Pharma, Novartis, Pfizer und Roche.

Quelle: Online Jour-fixe der Österreichischen Lungenunion, 18.11.2021