Rund 700.000 Österreicherinnen und Österreicher sind hochgradig tabak­abhängig und laut einer Schätzung des Gesundheitsministeriums sterben jährlich 14.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Die gute Nachricht: Jeder hat es buchstäblich selbst in der Hand, denn Tabak­rauchen ist der größte vermeidbare Einzelfaktor für vorzeitigen Tod.

Zum Rauchen aufzuhören ist immer ein Gewinn, denn ein Rauchstopp hat einen sofortigen, positiven Effekt! Es ist klinisch erwiesen, dass Morbidität und Mortalität aller tabakassoziierten Erkrankungen durch den Rauchstopp vermindert werden. COPD-Patienten z.B. können den weiteren Verlust ihrer Lungenfunktion aufhalten, besser atmen und die Sauerstofftherapie verhindern. Demnach ist es nie zu spät und absolut zweckmäßig, die Finger vom Glimmstengel zu lassen. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist der Wille aufzuhören.

Guter Wille + Unterstützung

Jedoch so leicht das auch klingt, zum Rauchen aufzuhören scheint vor allem langjährigen und starken Rauchern meist sehr schwierig. „Nikotin ist eines der potentesten Suchtgifte, in seiner abhängig machenden Wirkung so stark wie Heroin und Kokain. Dazu kommen noch suchtverstärkende Zusatzstoffe in den Zigaretten – ein sehr mächtiger Gegner, dem oft nur auf Raten beizukommen ist“, erläutert Dr. Irmgard Homeier, Oberärztin der 2. Internen Lungenabteilung des Otto Wagner Spitals, Wien. „Die Tabakabhängigkeit ist für viele abhängige Raucher keine schlechte Gewohnheit, sondern eine chronische Erkrankung, die unter Umständen auch viele Anläufe zum Rauchstopp erfordert!“, untermauert Prim. Dr. Alfred Lichtenschopf, Ärztlicher Leiter der Pensionsversicherungsanstalt SKA-RZ Weyer.

Medikamente gegen Rauchen

Bei sehr starker Abhängigkeit empfehlen Ärzte eine medikamentöse Therapie, da sie in diesen Situationen die größte Wirkung zeigt. Prim. Dr. Alfred Lichtenschopf ist überzeugt: „Wir wissen, dass die Kombination aus ärztlicher Beratung und einer individuellen medikamentösen Therapie die größte Erfolgsrate verspricht. Es gibt Medikamente, die die Lust aufs Rauchen vermindern. Dadurch verdreifacht sich die Erfolgsrate“, erklärt der Experte.

Die Nikotinersatztherapie (NET) ist eine Alternative zur medikamentösen Therapie. Das Prinzip dahinter ist, dass Nikotin aufgenommen wird, ohne Tabak zu rauchen. Nikotinersatzprodukte, wie Nikotininhalatoren, -kaugummis, -sublingualtabletten und –pflaster sollen somit bei der Raucherentwöhnung die Entzugserscheinungen in den ersten Monaten vermindern. Die Dosierung wird stufenweise über zwei bis sechs Wochen parallel mit dem Rückgang der Entzugssymptome abgebaut. Die in den letzten Jahren immer beliebter werdende E-Zigarette schlägt hier in die gleiche Kerbe. Jedoch ist die gepriesene Ungefährlichkeit der E-Zigarette noch sehr umstritten.

Über Wirkung und Nebenwirkungen

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) warnte zum diesjährigen Weltnichtrauchtertag am 31. Mai, dass E-Zigaretten zwar weniger Giftstoffe enthalten, aber gleichfalls beim Nutzer die Arterien verengen, auch Herzschlag und Blutdruck steigen an. Die Langzeitfolgen seien noch unbekannt und es wird davon ausgegangen, dass E-Zigaretten das Risiko für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Lungenkrebs und möglicherweise Herzerkrankungen erhöhen. „Die E-Zigarette ist ein inhalatives Produkt und ist daher potentiell auch gefährlich“, so Prim. Dr. Alfred Lichtenschopf.

Nebenwirkungen sind auch bei Medikamenten oder Nikotinpräparaten bekannt: Bei der medikamentösen Therapie tritt relativ häufig Übelkeit bei der Einnahme auf, selten auch Erbrechen oder Durchfall. Beschrieben sind auch Schlafstörungen und abnorme Träume als Nebenwirkung. Nikotinersatzprodukte haben Nebenwirkungen, da die Nikotinwirkung z.B. auf den Blutdruck oder den Magen erhalten bleibt. Zudem kann das Nikotin lokale Reizungen hervorrufen. Bei Umstieg auf Kau-, Schnupf- oder Lutschtabak bleibt die Nikotinsucht erhalten. Ob das Krebsrisiko tatsächlich sinkt, ist fraglich. Kräuterzigaretten enthalten zwar kein Nikotin, aber andere Schadstoffe.

Psychosomatik in der Therapie

Da Sucht meist nicht nur körperlich ist, sondern auch im Kopf stattfindet und psychische Komponenten stark mitspielen, sind Entwöhnungstherapien, die dies miteinbeziehen, auch erfolgreich. Eine Ausnahme stellt die PDM-Methode (Power-Denk-Modelle) der Psychologin Dr. Ursula Grohs dar. Hierzu gibt es eine Studie, die sehr gute Ergebnisse aufweist. PDM ist eine ausgeklügelte Mischung aus Mental- und Entspannungstraining. Das Programm zielt darauf ab, den richtigen Schalter im Kopf zu finden und das Verlangen nach der Zigarette umzuprogrammieren. Erreicht wird dies in eintätigen Seminaren.

Eine andere Form und in Österreich beliebte Methode ist die Hypnose. Hier wird der Raucher in einen sehr entspannten Zustand versetzt, damit das Unterbewusstsein besser erreicht werden kann. Studien zufolge ist der Effekt aber dem Placebo gleich. Das Audio-Mental-Training ist eine abgewandelte Form der Suggestion oder Hypnose. Bei dieser Methode hört der Betroffene mehrmals in entspannter Atmosphäre bestimmte oft mit Musik unterlegte Texte.

Einzeln oder in der Gruppe

Nichtraucherseminare funktionieren im Wesentlichen nach dem gleichen Prinzip. Die Teilnehmer lernen, warum sie auf Zigaretten verzichten sollen, wie sie mit der Lust auf Zigaretten umgehen. Die Seminare dauern zwischen einigen Stunden und einigen Tagen. Oft wird auch eine Nachbetreuung angeboten. Dazu gehört auch die Verhaltenstherapie bzw. das Verhaltenstraining. Es kann in Gruppen oder einzeln erfolgen und hilft Aufhörwilligen, kritische Situationen zu überwinden. Außerdem wird dabei nach unschädlichen Belohnungen gesucht, die den Rauchgenuss ersetzen können.

Hilfe mittels Literatur bietet eines der bekanntesten Bücher in Sachen Entwöhnungsmethoden „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr. Viele Menschen haben nur durch das Lesen des Buches mit dem Rauchen aufgehört – wer es nicht schafft, kann auch Seminare dazu besuchen.

Akupunktur

Akupunktur ist eine alte chinesische Heilmethode die zur Raucherentwöhnung folgende Möglichkeiten bietet: Entweder mit Dauernadeln, die eine oder mehrere Wochen getragen werden oder in Form von regelmäßigen Einzelsitzungen. Zudem hat sich in den letzten Jahren die NADA-Akupunktur einen Namen gemacht, da sie vor allem bei Abhängigkeiten aller Art sehr wirksam eingesetzt wurde. In Form mehrerer Gruppensitzungen werden Betroffene gemeinsam an fünf Akupunkturpunkten am Ohr akupunktiert. Der Erfolg basiert unter anderem darauf, dass sich die Beteiligten gegenseitig ermuntern oder helfen. Die Mesotherapie arbeitet auch mit Akupunkturpunkten, dabei werden aber bestimmte Wirkstoffe in geringer Dosierung unter die Haut injiziert.

Der Weg ist das Ziel

Methoden zum Aufhören gibt es also viele. Man muss nur wollen und die für sich richtige Methode wählen! Denn der Ausstieg ist wie das Rauchen Geschmackssache und individuell. Wie auch immer Sie sich entscheiden, wir wünschen auf jeden Fall viel Erfolg dabei – Ihr Körper wird es Ihnen danken!

Aufwind 02/18