Spätestens seit dem Bekanntwerden von Todesfällen in den USA im Zusammenhang mit dem Dampfen von E-Zigaretten, sollten die Alarmglocken läuten. Die E-Zigarette ist definitiv eine sehr umstrittene „gesündere“ Alternative zu Nikotinzigaretten. Die unvernebelte Tatsache ist: E-Zigaretten-Raucher haben ihr Suchtproblem nicht gelöst, sondern nur eine Abhängigkeit durch eine andere ersetzt – die für die Lunge sicherlich um nichts besser ist.

Aufgrund der steigenden Tendenz untersuchte die US-Gesundheitsbehörde Center for Disease Control and Prevention (CDC) an die 200 Fälle von schweren Lungenerkrankungen im Zusammenhang mit dem Dampfen (Vaping) von E-Zigaretten. Die Studie wurde im Zeitraum zwischen Juni und August 2019 durchgeführt. Die Patienten waren zwischen 16 und 53 Jahre alt, davon überwiegend Männer und zuvor körperlich gesund: 16 Patienten hatten ein Asthma bronchiale und 18 Patienten mentale Erkrankungen in der Vorgeschichte. Alle Patienten hatten zuvor verschiedene Flüssigkeiten, auch Liquids oder E-Saft genannt, mittels E-Zigaretten inhaliert – entweder mit Nikotin oder selbstgemischten Produkten mit Cannabis-Substanzen.

Die Betroffenen litten unter Husten, Kurzatmigkeit und Müdigkeit; einige hatten Fieber, Brustschmerzen, Gewichtsverlust, Übelkeit und Durchfall. Doch die schwerste Folgeerscheinung traf einen Mann aus dem US-Bundesstaat Illinois. Nach dem Gebrauch einer E-Zigarette wurde er am 22. August mit schweren Atemwegsproblemen in die Klinik eingeliefert und starb.

Zu viele verschiedene Produkte erschweren Diagnose

Die CDC ist nun zusammen mit der Arzneimittelaufsicht FDA mit der Aufklärung des Todesfalles beschäftigt. Bisher ist unbekannt, ob dieser Todesfall sowie die Symptome der anderen Betroffenen eine gemeinsame Ursache haben. Zwar haben alle vor den Symptomen eine E-Zigarette inhaliert, aber ein bestimmtes Produkt oder ein bestimmter schädlicher Wirkstoff, der mit allen Fällen in Verbindung stehe, konnte nicht eruiert werden. Es gibt keinen gemeinsamen Nenner – das Angebot an E-Zigaretten und E-Säften ist schlichtweg zu groß und zu unterschiedlich. Außerdem ist die E-Zigarette generell erst seit einigen Jahren auf dem Markt, sodass es auch noch keine Langzeitstudien zu ihren gesundheitlichen Auswirkungen gibt.

US-Gesundheitsbehörde warnt vor E-Zigaretten

Fakt ist: Insgesamt wurden von der CDC rund 450 Lungenerkrankungen in 33 Bundestaaten und mittlerweile sieben Todesfälle (Stand September 2019) mit dem Konsum von E-Zigaretten registriert. Jetzt hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde eine Warnung zur Verwendung der E-Zigarette ausgesprochen. Außerdem sollen nun in den USA die aromatisierten EZigaretten verboten werden. In Europa gab es bisher keinen ähnlichen Anstieg von derartigen Lungenerkrankungsfällen. In der EU gelten auch strengere Zulassungsbestimmungen für E-Zigaretten. Zum Beispiel müssen E-Zigaretten in EUMitgliedstaaten deutlich weniger Nikotin enthalten (E-Liquids maximal 20 mg/ml Nikotin = 1,7 %). Außerdem sind nikotinhaltige Produkte mit Vitamin-Zusätzen nicht zugelassen.

WHO: E-Zigaretten sind unzweifelhaft schädlich

In ihrem Bericht zum weltweiten Tabakkonsum 2019 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Regulierung von E-Zigaretten mit folgender Begründung gefordert: „Sogenannte Elektronische Nikotin- Abgabesysteme (ENDS) sind unzweifelhaft schädlich und sollten daher Vorschriften unterliegen“. Internationale Forschungsergebnisse untermauern gleichfalls diese Botschaft: Aktuelle Studien ergaben zum Beispiel, dass das Dampfen von E-Zigaretten das Risiko für Herzerkrankungen, Depressionen und psychische Störungen erhöhen könnte. Weiters können verschiedene Aromen in E-Zigaretten unterschiedliche negative Auswirkungen auf die Gefäßzellen haben. Ein fragwürdiger Aromastoff ist zum Beispiel Zimt: In einer Laborstudie hat die CDC die Zimt-E-Flüssigkeit als giftigstes Produkt identifiziert. Des Weiteren ist in den USA eine Diskussion rund um den möglicherweise krebserregenden Geschmacksstoff Pulegon entbrannt. Pulegon ist in Mentholöl enthalten und wurde in hoher Konzentration in Minz- und Mentholgeschmackprodukten nachgewiesen. Bei den E-Zigaretten war die Konzentration des Stoffs bis zu 1000-mal höher als bei den herkömmlichen Mentholzigaretten, diese überschritten den Schwellenwert nicht. Detail am Rande: Pulegon wurde in den USA im Vorjahr als Geschmackszusatzstoff in Lebensmitteln verboten.

Nein zur E-Zigarette

Dr. Lambrecht
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Kommentar von Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht, Kepler Universitätsklinikum, Linz, Generalsekretär ÖGP: „Als Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) warnen wir schon seit Jahren: Eine E-Zigarette ist keinesfalls ungefährlich und auch keine gesunde Alternative zur Zigarette. Letztlich zeigt sich immer mehr, dass auch das Dampfen das Risiko für eine Lungenschädigung deutlich erhöht. Enthalten die E-Zigaretten Nikotin, erhöht das alleine das Risiko für Herz-Kreislauf- Krankheiten.

Auch die Abhängigkeit ist wie bei der Zigarette gegeben. Bei den Nikotin-freien E-Zigaretten hingegen schädigen Aromastoffe die Lunge. Auch das Verdampfen selbst führt zu Entzündungen, wichtige Abwehrzellen sterben vermehrt ab, wodurch die Selbstreinigung der Lunge massiv gestört wird. Zudem wurde der möglicherweise krebserregende Geschmacksstoff Pulegon in E-Zigaretten entdeckt. Er ist auch in Zigaretten mit Minz- und Mentholgeschmack enthalten und als Nahrungszusatzstoff in Lebensmitteln bereits verboten. Daher ist klar, dass man alle Menschen – vor allem Jugendliche – warnen muss vor dem Dampfen oder der E-Zigarette. Lediglich für starke Raucher, die mit dem Rauchen aufhören wollen und das nicht schaffen, sind E-Zigaretten eine vorübergehende Alternative. Aber harmlos sind sie nicht.“

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