Zusammen mit Asthma bronchiale gehört Neurodermitis zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern. Die Haut reagiert dabei auf äußere und innere Reize, es kommt zu Entzündung der Haut und meist zu starkem Juckreiz. Oft treten gleichzeitig auch eine Allergie, allergisches Asthma oder Heuschnupfen auf. Diese chronische, genetisch bedingte Erkrankung kann aber auch im Erwachsenenalter auftreten, ist dann aber schwieriger zu diagnostizieren. Was die Neurodermitis ist, wie sie diagnostiziert und vor allem im Alltag sinnvoll behandelt werden kann, fasst ein neues umfangreiches „Expertenstatement Neurodermitis“ zusammen.

„Eltern haben per se nichts falsch gemacht, wenn ihr Kind eine Neurodermitis entwickelt“, betont Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szépfalusi, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, MedUni Wien. Letztlich gehört Neurodermitis zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Bis zu 20 % aller Säuglinge und Kleinkinder sind betroffen. Zum Glück kommt es in 70 % der Fälle noch im Vorschulalter zu einer spontanen Besserung, sodass im Erwachsenenalter nur noch 3 % der Bevölkerung von Neurodermitis betroffen sind.

Auslöser – Suche oft erfolglos

Die Auslöser können Nahrungsmittel- oder Inhalationsallergene sein, aber auch Stress, Infektionen und körperliche Anstrengung spielen eine Rolle. „Allerdings“, warnt Szépfalusi, „bleibt die Suche nach diesen Auslösefaktoren oft erfolglos. Darüber müssen sich vor allem die Eltern im Klaren sein, damit sie nicht ständig neue Eigentherapieversuche unternehmen.“ Die gute Nachricht: Mit einer umfassenden Information, optimalen Betreuung und gemeinsamen Behandlung mit dem Arzt kann man mit einer Neurodermitis in den meisten Fällen gut leben.

Expertenstatement Neurodermitis

Besonders wichtig für Angehörige ist es, gesicherte Informationen über die Krankheit, Behandlungsmöglichkeiten und Hilfe im Alltag zu bekommen. Dazu wurde ein neues „Expertenstatement Neurodermitis“ erarbeitet, das demnächst auch online verfügbar sein wird. Zehn Experten aus den Bereichen Pädiatrie, Dermatologie und Allergologie waren an der Entstehung dieser Zusammenfassung beteiligt. Es gibt einen Überblick über die Erkrankung selbst: von der Definition über die Entstehung, das klinische Erscheinungsbild, die diagnostischen Möglichkeiten bis hin zu den verfügbaren Therapien. Es klärt auch über den wandelnden Charakter der Erkrankung auf: Denn die Neurodermitis kann ihr Erscheinungsbild altersabhängig verändern, was die Diagnose im frühen Kindesalter schwierig gestalten kann.

Tritt die Krankheit erst im Erwachsenenalter auf, kann sie leicht mit anderen Hauterkrankungen verwechselt werden. „Das Expertenstatement soll Ärzten als praktische Grundlage dienen, aber auch Eltern und Betroffenen gesicherte Informationen gewährleisten“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Wien. Zusammengefasst wurden auch neugewonnene Erkenntnisse bezüglich der Krankheitsentstehung und einige genetische Hintergründe für die Symptome der Neurodermitis aufgeklärt: Die Abdichtung der Haut nach außen und daher auch nach innen ist bei Neurodermitis- Patienten nicht in dem Maße gegeben wie bei Gesunden. Bestimmte Faktoren wie Erreger oder Allergene führen leichter zu Entzündungen. Diese Hautentzündung wird bei Neurodermitis-Patienten auch noch durch bestimmte körpereigene Botenstoffe, wie z.B. durch pro-inflammatorische Zytokine, befeuert.

Neue Behandlungsoptionen und Selbstmanagement

Das Behandlungsspektrum ist sehr groß und wird ständig erweitert. Im Expertenstatement finden sich Tipps, wie gängige Medikamente (Calcineurin- Inhibitoren und Antihistaminika) optimal eingesetzt werden sowie Informationen über neue Therapien. Zum Beispiel ist jetzt ein neues Medikament – ein Biologikum, das einen Botenstoff der Entzündung hemmt – auf den Markt gekommen. Bis dato sind Salben und Cremes mit Kortison der Goldstandard in der Therapie. Dabei sind Wissen und Selbstmanagement das Um und Auf bei Neurodermitis. Der chronisch phasenhafte Verlauf der Krankheit stellt eine besondere Herausforderung dar. Phasen mit starker Entzündung und Juckreiz wechseln, oft auch spontan, mit Phasen der leichten oder deutlichen Besserung, in denen manche Betroffene hauptsächlich an trockener Haut leiden. Hier ist diszipliniertes Selbstmanagement gefragt. Univ.- Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Wien: „Das Wichtigste bei der Behandlung der Neurodermitis ist die Basistherapie. Mindestens einmal täglich sollte der ganze Körper mit einer rückfettenden Pflegecreme eingecremt werden. Damit wird verhindert, dass es zu den typischen Symptomen wie blutige Hautveränderungen oder Ekzemen und in Folge Kratzen kommt.“

Allergien & Neurodermitis

Allergien spielen bei der Neurodermitis eine wesentliche Rolle. „Nahrungsmittelallergien haben bei einer kindlichen Neurodermitis sogar eine Hauptrolle als Trigger von Entzündungsschüben und müssen abgeklärt werden“, so Dr. Christine Bangert, Universitätsklinik für Dermatologie Wien. Bei Erwachsenen spielen inhalative Allergene wie Birkenpollen oder Hausstaubmilben eine größere Rolle.

Neurodermitis-Schulung

Wissen als positiver Effekt! Neben der konsequenten Basispflege konnte in mehreren Studien der positive Effekt von strukturierten Schulungsprogrammen nachgewiesen werden. Die Neurodermitis- Schulung bietet Unterstützung, Erklärung und viele praktische und alltagstaugliche Hilfestellungen für Eltern und Bezugspersonen der jungen Patienten. Sie wird nach einem Qualitätsstandard der AGNES (Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung) abgehalten und dauert zwölf Stunden. Geschult werden Eltern/Bezugspersonen von maximal sechs Patienten durch ein interdisziplinäres Team (DermatologInnen, KinderärztInnen, PsychologInnen, ErnährungsberaterInnen).

Weitere Infos zu Ambulanzen, Ärzten und Schulungsangeboten: neurodermitis-schulung.at