Klimakrise und Lungengesundheit: Uns bleibt die Luft weg!

632

Die Klimakrise und ihre Auswirkungen auf unsere Lungen ist eines der Themen, die beim Tag der Lungengesundheit „MEHR LUFT AUF LEBEN“ im Wiener Rathaus am 8.3.2020 auf dem Programm standen. Mediziner und Umweltexperte Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. rer. nat. Dr. Hans-Peter Hutter, MedUni Wien, verdeutlichte, dass die, Situation weitaus ernster ist, als viele Menschen glauben. Rasches Handeln könnte den Klimawandel zumindest etwa auf dem derzeitigen Niveau einfrieren.

Die Bezeichnung Klimawandel ist nach Meinung von Prof. Hutter schon zu beschönigend für die derzeitige Realität. „Klimakrise trifft es weitaus besser“, erklärt der Experte. „Wir haben das Problem seit Jahrzehnten, aber es ist erst jetzt verspätet in der breiten Gesellschaft angekommen.“ Die Auswirkungen des Klimawandels sind schon länger erkennbar – in Österreich sind es am Land eher extreme Wettereignisse wie Starkregen mit Vermurungen und Hochwasser, in der Stadt sind es vor allem Hitzewellen.

Belastende Hitze

Hitze verringert die Leistungsfähigkeit und beeinträchtigt die Lebensqualität auch bei gesunden Menschen. Bei einer vorliegenden Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung sind die Auswirkungen umso dramatischer – bis hin zu vorzeitigen Todesfällen. Weiters kommt es durch die längere Sonnenscheindauer und der verstärkten UV-Strahlung an Hitzetagen auch zur vermehrten Bildung von bodennahem Ozon. Dieses aggressive Reizgas führt zu Entzündungsreaktionen in den tiefen Atemwegen und erhöht ebenso die Mortalität.  

Aggressivere Pollen

Eine weitere Gefahr sind „aggressive“ Pollen. Durch den Anstieg der Temperatur und CO2-Konzentration werden gewisse Pflanzen bevorzugt – wie z.B. der Ragweed –, deren Pollen als hoch allergen gelten. Es kommt zu einer weiteren verstärkten Ausbreitung in Österreich und auch zu einer längeren Blütezeit. Dadurch steigt das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, Allergiker leiden länger und stärker. Zusätzlich sorgen andere Phänomene für eine weitere Verschärfung der Situation: Durch Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid werden beispielsweise die ohnehin aggressiven Ragweed-Pollen noch allergener. Für Pollenallergiker sind mehr gesundheitliche Beschwerden vorprogrammiert.

Lebensstiländerung als Chance

„Die Klimakrise ist ein schleichender Prozess, der immer schneller voranschreitet. Noch haben wir jetzt die Chance, diesen Prozess abzufedern und können das Schlimmste verhindern. Den Klimawandel gänzlich stoppen können wir sowieso nicht mehr“, warnt Prof. Hutter. „Es geht beim Klimaschutz vor allem darum, dass jeder etwas tun kann: etwas weniger Fleisch essen und sich mehr ohne Auto bewegen. Das schafft jeder, denn fest steht: Es muss sich einfach ändern.“