Prim. Dr. Gert Wurzinger informierte bei einem Online Jour fixe der Österreichischen Lungenunion anlässlich des Welt-Lungen-Tages über ganzjährige Allergieauslöser wie etwa die Hausstaubmilbe, Felltiere sowie Schimmelpilze und deren Bedeutung für Atemwegserkrankungen.

Der langjährige Leiter der Lungenabteilung des LKH Hörgas-Enzenbach und der Pulmologischen Tagesklinik sowie der Allergieambulanz des LKH Graz West ging eingangs auf die Belastung durch Hausstaubmilben ein: „Die größte Hausstaubmilben-Belastung ist im Herbst, wenn man zu heizen beginnt und die Luft trockener wird“, erklärte Wurzinger.

„Wir finden Hausstaubmilben vor allem im Bett, dort fühlen sie sich am wohlsten – in Matratzen, Kopfkissen und Bettdecken, aber auch in Kuscheltieren und Polstermöbeln“, weiß der Facharzt für Lungenkrankheiten. Hausstaubmilben ernähren sich von Schimmelpilzen und von Bakterien aufgeschlossenen, menschlichen und tierischen Hautschuppen, aber auch Nahrungsmittelresten und Pollen.

Hausstaubmilben – weltweit häufigste Ursache für Atemwegsallergien

Die Milbenarten Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae sind für mehr als 90 % der Allergien gegen Hausstaubmilben verantwortlich. Ein wichtiger Fakt ist, dass eine allergische Rhinitis (rinnende Nase) auf Hausstaubmilben einen bedeutenden Risikofaktor für Asthma darstellt: Ganze 50 bis 85 % der Menschen mit Asthma sind gegen Hausstaubmilben allergisch.

Diagnose der Haustaubmilbenallergie

Typische Symptome sind eine verstopfte Nase oder Fließschnupfen, Verschleimtheitsgefühl des Rachens und/oder der Bronchien, nächtliches Aufwachen mit Asthma, Druckgefühl in der Brust, pfeifende, rasselnde Atemgeräusche oder unproduktiver, trockener Reizhusten, Niesanfälle, Bindehautentzündung, morgens verklebte Augenlider, Juckreiz an Gaumen, Rachen oder in den Gehörgängen sowie Nesselsucht (Urtikaria) und eine Verschlechterung des atopischem Ekzems (Neurodermitis).

Die Allergie-Diagnose erfolgt anhand der Krankheitsgeschichte (Anamnese), der u.a. erhoben wird, wann und wo die Belastung auftritt. Hinzu kommen Diagnosemethoden wie der Pricktest und oft zusätzlich die Bestimmung des allergenspezifischen Immunglobulins E (IgE) im Blut.

Behandlung durch Hausstaubmilben hervorgerufener allergischer Erkrankungen

Die medikamentöse Therapie erfolgt symptomatisch und wirkt entzündungshemmend), während die Allergen-spezifische Immuntherapie („Hyposensibilisierung“ bzw. „Allergie-Impfung“) über einen Zeitraum von zumeist drei Jahren erfolgt.

Für Hausstaubmilbenallergiker ist es wichtig zu wissen, dass auch die Gefahr besteht, beim Genuss von Meerestieren oder beim Kontakt mit Insekten allergisch zu reagieren. Besonders bedeutsam ist Wurzinger zufolge die Allergenvermeidung bzw.-reduktion in Form einerWohnraumsanierung. „Da Hausstaubmilben zu 90 % aus Flüssigkeit bestehen, ist ihre Schwachstelle die Lufttrockenheit“, so Wurzinger. Die beste und einfachste Sanierung der Pölster und Decken erfolgt daher mit einer Trocken-Behandlung im Wäschetrockner. Wichtig zu wissen ist auch, dass Hausstaubmilben Schlafzimmer mit vielen Grünpflanzen lieben, da diese für reichliche Schimmelpilzsporen sorgen. Generell sind Polstermöbel Staubfänger, in denen sich Hausstaubmilben gerne breitmachen.

„Staubsaugen zur Reduktion der Hausstaubmilben ist  meistens verlorene Liebesmüh“, erklärt der Allergiespezialist. Denn Staubsauger wirbeln Staub und damit Allergene auf, die stundenlang in der Luft schweben und eingeatmet werden. Als Alternative empfiehlt der Allergiespezialist zentrale Staubsaugeranlage oder Saugroboter, die ihre Arbeit verrichten, während die betroffene Person nicht im Haus ist. „Am besten ist die Feuchtreinigung von glatten Fußböden und Möbeln“, weiß der Lungenfacharzt.

Sanierungsempfehlungen
  • Senkung der Schlafzimmertemperatur auf 18 – 20°C und der Luftfeuchte unter 50 % durch regelmäßiges Lüften
  • Milbendichte, atmungsaktive Matratzenüberzüge (Encasings) bei allen Betten im Raum
  • bei jedem Bettwäschewechsel Abwischen aller Flächen der Encasings mit feuchten Einmaltüchern
  • Waschen der Bettwäsche mit mindestens 60°C über mindestens eine Stunde
  • Decken, Pölster, Kuscheltiere usw. alle drei bis vier Wochen im trockenen Zustand im Wäschetrockner behandeln
  • morgens nach dem Aufstehen die Bettdecke zurückschlagen und das Bett möglichst rasch austrocken lassen
  • keine Wäsche im Schlafzimmer liegen lassen, keine Topfpflanzen im Zimmer
  • nicht mit 60°C waschbare Körperwäsche kann nach Zusatz von speziellen milbentötenden Waschmitteln mit geringerer Temperatur gewaschen werden
  • keine Haustiere im Schlafzimmer

Allergien durch Tiere im Haushalt

„Österreich ist eine Katzenrepublik. Wir haben mehr Katzen pro Haushalt als der Durchschnitt in Europa“, betonte Wurzinger. Europaweit ist etwa jeder vierte Allergiker gegen Katzen sensibilisiert. In Österreich ist das bei 30 % der Fall, während fünf bis 10 % der Allergiker hierzulande auf Hunde und andere Tiere allergisch reagieren.

Allergie auf Katzenhaare

Mehr als 60 % der Kinder mit Asthma sind auch auf Katzen sensibilisiert. Schließlich handelt es sich hierbei um das stärkste tierische Allergen mit hoher Wirksamkeit auch bei indirektem Kontakt. Eine Allergie gegen Katzenhaare zeigt sich meist durch allergischen Schnupfen, Asthma oder Nesselsucht. Wichtig zu wissen: Die größte Allergenkonzentration ist am Kopf der Katze zu finden. Das Hauptallergen der Katze haftet extrem stark an Kleidung, Bettwäsche, Böden, Vorhängen sowie Polstermöbeln und wird leicht über Kleidung und Schuhe verschleppt. Somit findet sich das hitzestabile Eiweiß auch in Innenräumen, in denen sich keine Katzen aufhalten. Der Ausweg über eine sogenannte Allergikerkatze lohnt sich Wurzinger zufolge nicht. Dabei handle es sich nämlich um eine Mär. Wurzinnger betonte: „Hypoallergene Haustiere gibt es nicht.“

Allergie auf Hundehaare

Eine Allergie gegen Hundehaare äußert sich typischerweise mit Symptomen wie allergischem  Schnupfen, Asthma oder Nesselsucht. Der Einfluss der Hunderasse auf das Allergierisiko ist ebenso gering wie bei der Katze, jedoch ist das Alter des Hundes ausschlaggebend, weil die Hundehaut mit zunehmendem Alter trockener wird.

Ganzjährige Allergenbelastung durch Schimmelpilze

Weltweit sind etwa 250.000 Arten von Schimmelpilzen bekannt, wobei die häufigste ganzjährige Belastung durch Indoor-Schimmelpilze auf Aspergillus- und Penicillium-Pilzarten zurückzuführen ist. Insgesamt nimmt der Schweregrad von durch Schimmelpilze hervorgerufenen Erkrankung ab, während Schimmelpilzallergien gleichzeitig seltener vorkommen. So liegt laut Wurzinger lediglich bei 5 % der Allergiker eine klinisch relevante Sensibilisierung auf Schimmelpilze vor. Besteht ein Verdacht auf Allergie durch Schimmelpilze, ist jedenfalls eine Abklärung durch erfahrene Allergologen anzuraten.

Vorkommen von Schimmelpilzen in Innenräumen

Schimmelpilze kommen vorwiegend in Räume mit erhöhter Luftfeuchtigkeit wie Badezimmern,  Wirtschaftsräumen,  Wintergärten, Kellern, Lagerräumen und Saunen vor. Zu den Feuchtbereichen in Wohnungen zählen vor allem Außenwände, Fensterrahmen, abgehängte Decken, Wandverschalungen, alte Matratzen, schlecht hinterlüftete Kästen,  Topf- und Hydrokulturpflanzen,  Tierkäfige, schlecht gepflegte Luftbefeuchter und Mülleimer. Auch nach Wasserschäden steigt die Schimmelpilzbelastung. Daher ist es Wurzinger zufolge von großer Bedeutung, bei Schimmel im Wohnbereich die Ursachen abzuklären und eine Sanierung durch Fachleute durchführen zu lassen.

Quelle: Online Jour-fixe der Österreichischen Lungenunion, 20.10.2021