Bei Neurodermitis handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft. Häufig werden Nahrungsmittel zu Unrecht als Auslöser verdächtigt. Doch eine stark ausgeprägte Neurodermitis birgt ein erhöhtes Risiko für eine Nahrungsmittelallergie. Worauf es in puncto Ernährung zu achten gilt, erklärte die Diätologin Lisa Adelberger bei einem Webinar der Österreichischen Lungenunion.

Beim Webinar der Lungenunion am 20. Oktober 2022 gab Lisa Adelberger, Diätologin an der Kinderklinik im Uniklinikum Salzburg und Mitglied des Qualitätszirkels Allergologie des Verbandes der DiätologInnen Österreichs Ernährungstipps für Säuglinge, Kinder und Erwachsene mit Neurodermitis, die auch als Atopische Dermatitis oder Atopisches Ekzem bezeichnet wird.

„Da die Neurodermitis in Schüben verläuft, ist das Hautbild sehr wechselhaft. Deshalb werden Nahrungsmittel häufig als Auslöser verdächtigt. Es gibt aber viele weitere Faktoren“, weiß die Diätologin. Durch die Störung der Barrierefunktion sei die Haut viel durchlässiger für Reizstoffe und Bakterien. So könne leichter eine Sensibilisierung entstehen, die in weiterer Folge in eine Nahrungsmittelallergie münden könne.

Generell sei die Haut von Menschen mit Neurodermitis durch den Wasserverlust trocken, was zu Juckreiz führe. Hier sei die richtige Therapie besonders wichtig. Sowohl bei der Auswahl der individuellen medikamentösen bzw. Ernährungstherapie sei es wichtig, dass die gesamte Familie miteingebunden werde. Gerade bei einer schweren Form der Neurodermitis sei das Risiko für die Entstehung einer Nahrungsmittelallergie erhöht, so Adelsberger.

Was tun bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergien?

Werde eine Nahrungsmittelallergie vermutet, sollte ein Neurodermitis-Tagebuch geführt und dieses anschließend mit der behandelnden Ärztin bzw. dem Arzt besprochen werden. So ließen sich individuelle schubauslösende Faktoren herausfinden. Spezielle „Neurodermitis-Diäten“ seien jedenfalls Geschichte. Adelsberger rät stattdessen zu gesunder, ausgewogener Ernährung, wobei individuelle Verträglichkeiten beachtet werden sollten. Generell werde bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie zuerst eine ärztliche Anamnese, anschließend ein Hautprick- und ein Bluttest empfohlen, dem eine orale Provokation (kontrolliertes Einführen) unter ärztlicher Aufsicht folge. Dabei werde das Nahrungsmittel in immer größer werdenden Mengen verabreicht.

Keine Elimination ohne gesicherte Diagnose

Das Weglassen von Nahrungsmitteln empfiehlt Adelsberger nur bei einer nachgewiesenen Allergie, denn durch das Vermeiden könne eine vorhandene Toleranz verschwinden. Generell seien hierzulande rund 30 % der Kinder mit schwerer Neurodermitis von einer Allergie betroffen, wobei die meisten dieser Kinder auf ein oder zwei Nahrungsmittel allergisch reagieren würden. In diesen Fällen sollte eine Ernährungsberatung durch eine Diätologin bzw. einen Diätologen erfolgen.

Allergien gegen primäre Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei, Weizen und Soja seien bei Säuglingen sehr häufig und würden meist bis zum Schuleintritt abnehmen. Hingegen würden sekundäre (Pollen-assoziierte) Nahrungsmittelallergien mit dem Alter vermehrt auftreten. So würden Birkenpollen-assoziierte Nahrungsmittelallergien (Kern- und Steinobst, Haselnüsse, Karotten und Soja) häufig vorkommen, während Gräserpollen-assoziierte (Melone u.v.a.) sowie Beifußpollen-assoziierte Nahrungsmittelallergien (Sellerie, Kräuter, Gewürze) selten aufträten. Allergien gegen Nüsse, Erdnüsse und Fisch würden Adelsberger zufolge über einen langen Zeitraum bestehen, später kämen auch Allergien gegen Meerestiere u.a. hinzu.

Beikosteinführung bei Säuglingen

Die Ernährung der Mutter in Schwangerschaft und Stillzeit sollte möglichst vielfältig sein. Es sollten keine Lebensmittel weggelassen werden, es sei denn, es liege eine Allergie vor. Es werde empfohlen, vier bis sechs Monate ausschließlich zu stillen. Ab dem vollendeten vierten Lebensmonat des Säuglings könne Beikost eingeführt werden. Darauf folge der schrittweise Übergang zur Familienkost.

„Früher hieß es, Kinder sollten so lange wie möglich vor Allergenen geschützt werden. Diese Sichtweise wird aber heute nicht mehr unterstützt. Das Immunsystem soll sich früh mit Allergenen auseinandersetzen. Lernt das Kind die Allergene zuerst über den Verdauungstrakt kennen, werden Toleranzmechanismen gefördert, wodurch das Kind einen Schutz gegen eine Nahrungsmittelallergie aufbauen kann“, betont Adelsberger.

Somit werde zu einer Ernährungsvielfalt geraten, die auch Fisch und Naturjoghurt miteinschließe. Ei sollte in gebackener Form, etwa mittels Palatschinken oder Muffins, und Erdnüsse in Familien, in denen regelmäßig Erdnüsse gegessen werden, mittels Erdnussmus eingeführt werden. Bei schwerer Neurodermitis sollte zuvor eine Erdnussallergie abgeklärt werden.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

Generell sollte auf die individuelle Verträglichkeit geachtet werden. Lebensmittel sollten in verträglicher Form (erhitzt/verkocht) aufgenommen werden und der Saison entsprechen. Zudem sei es wichtig, Kreuzreaktionen zu beachten, etwa beim Verzehr bestimmter Obst- und Gemüsesorten und Nüssen bei Pollenallergien.

„Bestimmte Lebensmittel können in größeren Mengen den Hautzustand verschlechtern“, weiß Adelsberger. Dies sei beispielsweise bei Fruchtsäuren (z.B. in Zitrusfrüchten), Farb- und Konservierungsstoffen der Fall. Dennoch sei keine pauschale Meidung nötig. Im Fall einer Überempfindlichkeit der Haut spreche man von einer sogenannten Pseudoallergie.

Ernährung bei Kindern und Jugendlichen

Kindern und Jugendlichen werde eine altersentsprechende, gesunde Ernährung unter Berücksichtigung der individuellen Verträglichkeit empfohlen. Das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel solle nur bei einer nachgewiesenen Allergie erfolgen, wobei das jeweilige Lebensmittel adäquat ersetzt werden sollte. „Die Prognose bei Nahrungsmittelallergien im Kindesalter ist sehr gut. Das heißt, sie verschwinden oft von selbst. Deshalb sollte die Toleranzentwicklung mit einer oralen Provokation im Krankenhaus regelmäßig überprüft werden“, empfiehlt die Diätologin.

Ernährung bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen gebe viele andere Triggerfaktoren, die den Hautzustand beeinflussen. Hier sei eine möglichst ausgewogene, frische Mischkost mit einem hohen Gemüseanteil und möglichst wenigen Einschränkungen zu empfehlen. Es sollte keine Lebensmittelgruppe ausgeschlossen werden, die Lebensmittel auf dem Teller sollten möglichst vielfältig und bunt sein. Unverträglichkeiten sollten jedenfalls abgeklärt werden.

Weiterführende Informationen

https://www.diaetologen.at/

https://www.diaetologen.at/ueber-uns/fachspezifische-arbeitskreise-und-qualitaetszirkel/qualitaetszirkel-allergologie/

https://www.richtigessenvonanfangan.at

https://www.allergie-wegweiser.de/

http://www.neurodermitisschulung.de

http://www.gpau.de/eltern-kinderinfos/elternratgeber/

Jour fixe der Österreichischen Lungenunion, 20. Oktober 2022