Atemwegserkrankungen erkennen und behandeln

98

Univ.-Prof. Dr. Marco Idzko vom AKH Wien sprach am Tag der Selbsthilfe 2021 über Atemwegserkrankungen und wie sich diese erkennen bzw. behandeln lassen.

Der Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie am AKH Wien, Univ.-Prof. Dr. Marco Idzko, beschäftigt sich vor allem mit Asthma bronchiale und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD. Beim Tag der Selbsthilfe am 26. September 2021 gab er einen Überblick über die Diagnose und Therapie der häufigsten Atemwegserkrankungen.

Luftnot: Leitsymptom bei Atemwegserkrankungen

Menschen mit Atemwegserkrankungen spüren Idzko zufolge meist eine Luftnot (Dyspnoe). Dabei handelt es sich um die subjektive Schwierigkeit bzw. die ungewohnte Last, normal bzw. unbewusst atmen zu können. Die Luftnot ist meist mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge verbunden.

Begleiterscheinungen, die mit einer Luftnot einhergehen, sind Husten, vermehrtes Sekret, akut einsetzende Atemnot bzw. Engegefühl sowie Atemgeräusche wie Giemen oder Knistern. Um einer Luftnot auf die Spur zu kommen, wird zu allererst eine Überprüfung der Lungenfunktion mit einem Bodyplethysmographie-Gerät durchgeführt. Dabei wird einerseits der Anteil der in der Lunge verbleibenden Luft und andererseits die maximale Kapazität der Lunge, die ausgeschöpft werden kann, gemessen. Mit dieser Methode kann eine Enge in den Atemwegen bzw. eine Erhöhung der Atemwegswiderstände festgestellt werden. Diese tritt etwa bei obstruktiven Ventilationsstörungen wie Asthma und COPD auf.

Bei Personen mit normalen Atemflüssen, bei denen die ganze Lunge aufgrund von Vernarbungen aber zu klein ist, liegt eine Volumenminderung vor. Hier spricht man von einer restriktiven Ventilationsstörung. Die eigentliche Funktion der Lunge ist der Gasaustausch. Bei der Überprüfung der Menge des Lungenvolumens wird auch erhoben, welcher Anteil des Lungenvolumens die Möglichkeit hat, Sauerstoff aufzunehmen.

Diffusionsstörungen

Die Umverteilung von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen den Lungenbläschen und dem Blut wird als Diffusion bezeichnet. Bei manchen Formen der COPD tritt ein Lungenemphysem auf. Dabei kommt es zur Zerstörung der Lungenbläschen (Alveolen) und somit einer Einschränkung des Gasaustauschs.

Bei der Lungenfibrose findet einem entzündlicher, fibrotischen Umbau statt, bei dem Gewebe zwischen den Kapillaren gewissermaßen vernarbt. Auch hier kommt es – wie beim Lungenemphysem – zu einem Verlust von Diffusionsfläche.

Bei der obstruktiven Ventilationsstörung Asthma bronchiale handelt es sich um eine Erkrankung mit unterschiedlichen Formen, die für gewöhnlich durch eine chronische Atemwegsentzündung charakterisiert sind. Die Entzündung in den Atemwegen ist für Asthma-Symptome wie beispielsweise pfeifende Atmung, akut einsetzende Kurzatmigkeit und Atemwegsenge verantwortlich, wobei die Symptome in ihrer Ausprägung von Tag zu Tag unterschiedlich sind, aber auch vom Ort und der Jahreszeit abhängen.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zählt ebenso zu den obstruktiven Ventilationsstörungen und umfasst eine Symptomatik und funktionelle Einschränkung der Lunge mit täglichen Beschwerden wie chronischem Husten, gesteigerter Produktion von Auswurf (Sputum), langsam voranschreitender Atemnot und Enge der Atemwege (Atemwegsobstruktion). COPD stellt zudem eine Multisystemerkrankung dar und kann mit Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom oder Adipositas einhergehen. Es kann aber auch zu Knochenschwund, Muskelverlust, Angst oder Depressionen kommen.

Asthma-Therapie

Asthma bronchiale wird in erster Linie mit antientzündlichen Therapien (inhalativen Glucocorticoiden) behandelt, die am besten gleich mit Bronchien-erweiterndem Formoterol (langwirksames, inhalatives Spasmolytikum) kombiniert werden. Später kommt eine weitere Atemwegserweiterung mittels langwirksamer Muskarinantagonisten zum Einsatz. Für Menschen mit schwerem Asthma stehen sogenannte Biologika in Form von Spritzen-Therapien zur Verfügung.

Genauso wichtig wie Medikamente sind nicht-medikamentöse Therapien wie Schulungen zum Medikamentengebrauch (Inhalationsschulungen), denn 80 Prozent der Menschen mit Asthma inhalieren falsch. Auch das Verhalten im Akutanfall sowie die Überwachung der Symptome sollen geschult werden. Eine besondere Bedeutung kommt dem Meiden von Auslösern wie Medikamenten, Stress und Nikotinprodukten sowie der Infektprävention zu. Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen beinhalten eine Allergenkarenz mittels Meiden von Haustieren, eine Milbensanierung oder einen Haus- bzw. Berufswechsel. Auch Physiotherapie und Sport sowie eine Rehabilitation und Gewichtsreduktion sind anzuraten. Bei Allergien gegen Pollen oder Hausstaubmilben kann auch eine spezifische Immuntherapie zur Asthma-Kontrolle beitragen.

COPD-Therapie

Bei der Behandlung der COPD kommen initiale medikamentösen Therapie, follow up-Therapien und nicht-medikamentöse Therapien zur Anwendung. Dabei spielen auch Faktoren wie Impfungen, Ernährung und Rauchentwöhnung eine Rolle. Weiters wird auf Sauerstoff-Langzeittherapien und nicht-invasive Beatmung zurückgegriffen.

Die übliche COPD-Therapie besteht aus Medikamenten zur Erweiterung der Atemwege (Bronchodilatatoren). Bei einigen Typen der COPD, bei denen eine ähnliche Entzündungsreaktion vorliegt wie bei Asthma, werden inhalative Glucocorticoide eingesetzt. Später gibt es versuche, in die Entzündung einzugreifen, beispielsweise mit Roflumilast.

Quelle: Vortrag Univ.-Prof. Dr. Marco Idzko vom AKH Wien, Tag der Selbsthilfe, 26. September 2021, Rathaus Wien