Experten im Talk: Allergisches Asthma

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Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke vom Floridsdorfer Allergiezentrum informiert über das allergische Asthma – wie man es erkennt, diagnostiziert und mit der spezifischen Immuntherapie behandeln kann.

Woran erkenne ich, ob ich eine Allergie oder auch ein allergisches Asthma habe?

Wenn Sie eine Pollenallergie haben, dann werden Sie jedes Jahr ungefähr zur selben Zeit typische Beschwerden haben, wie z.B. Heuschnupfen juckende Augen oder wenn Sie Asthmatiker sind, dass Sie eine Verschlechterung ihrer respiratorischen Situation haben, d.h. Sie erleben mehr Atemnot in einer spezifischen Zeit.

Welche Diagnoseverfahren oder Test gibt es?

Die Diagnostik für das Asthma bronchiale besteht darin, dass man einen Lungenfunktionstest macht. Die Diagnostik der Allergie besteht aus der Krankengeschichte des Patienten (Anamnese), aus der Hauttestung und der Bluttestung auf spezifische Allergene.

Was ist eine spezifische Immuntherapie?

Eine Immuntherapie ist eine Desensibilisierungsbehandlung, bei der durch die Gabe des Allergens das Immunsystem des Patienten dazu gebracht wird, dass es deutlich weniger gegen das Allergen reagiert und der Patient damit deutlich weniger Beschwerden hat.

Ist eine spezifische Immuntherapie bei allergischem Asthma sinnvoll?

Eine Immuntherapie ist bei allergischem Asthma durchaus sinnvoll, weil sie die Beschwerden des Patienten verbessert, den Medikamentenbedarf reduziert und auch den Verlauf des Asthmas verbessert.

Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Floridsdorfer Allergiezentrum

Ab welchem Alter kann mit der Immuntherapie begonnen werden?

Man kann mit der Immuntherapie schon ab dem fünften Lebensjahr beginnen.

Wie lange dauert eine Immuntherapie?

Eine Immuntherapie dauert an sich drei Jahre – das wirkt im ersten Moment sehr lange. Aber wenn man die subkutane Version wählt, also mit Spritzen, dann sind es am Anfang über sieben bis acht Wochen wöchentliche Injektionen und dann monatlich. Da ist der Zeitaufwand bei den Monatsgaben nicht so hoch. Bei der sublingualen Immuntherapie mit Tropfen oder Tabletten ist der Zeitaufwand eine Minute pro Tag.

Gibt es einen geeigneten oder ungeeigneten Zeitpunkt für den Therapiebeginn?

Die Immuntherapie gegen Pollenallergene wird normalerweise nach der Pollensaison durchgeführt. Bei Dauerallergenen, also ganzjährigen Allergenen wie bei der Hausstaubmilbe, kann man jederzeit beginnen. Sollte der Patient Infekte haben, so muss man die Immuntherapie vorübergehend stoppen. Auch bei der subkutanen Therapie macht man einen sogenannten Impfabstand zu anderen Schutzimpfungen wie Influenza-, Tetanus- oder Corona-Impfungen. Da wird normalerweise eine Woche Abstand zur Immuntherapie gehalten. Das ist aber weder in der Aufdosierungsphase noch in der Erhaltungsphase ein großes Problem, weil man zwischendurch durchaus impfen kann.

Haben die Spritzen, Tropfen oder Tabletten die gleiche Wirkung?

Letztendlich ist es bei den Spritzen und den Tropfen eine individuelle Entscheidung. Die Spritzen sind den Tropfen vorzuziehen, da die Spritzen meistens mehr Wirkstoffe enthalten. Die Tabletten sind praktisch gleichwertig zu den Spritzen – auch hier ist es eher Geschmackssache bzw. auch eine Verträglichkeitssache. Denn wenn jemand öfters eine offene Mundschleimhaut oder eine Zahnfleischentzündung hat, dann würde ich keine Tabletten raten, weil die schlechter vertragen werden würden.