Allergischer Schock: Verhalten im Notfall

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Im Extremfall kann ein anaphylaktischer Schock (Anaphylaxie) innerhalb weniger Minuten zum Kreislaufversagen und sogar zum Tod führen. Deshalb sind gute Vorkehrungsmaßnahmen sowie das korrekte Verhalten in einer Notfallsituation absolut notwendig. Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szepfalusi von der Medizinischen Universität Wien weiß, was wann und in welchem Fall zu tun ist.

Ein allergischer bzw. anaphylaktischer Schock kann Menschen völlig überraschend treffen. Vor allem dann, wenn sie davor z.B. noch nie schwere allergische Reaktion auf ein Allergen hatten oder noch nicht ihm in Berührung kamen. Bei Kleinkindern sind das vorwiegend Nahrungsmittel, die sie zum ersten Mal essen. Bei Erwachsenen sind eher Insektengifte oder Medikamente Auslöser für schwere allergische Reaktionen.

Was tun bei einem überraschenden Notfall?

Auf die erste Anaphylaxie sind viele oft nicht vorbereitet und haben somit meist kein Notfallset dabei. Dennoch können je nach Auslöser einige Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. „Bei Insektenstichen muss z.B. das Kind aus dem Gefahrenbereich geholt werden, um es davor zu schützen, noch öfter gestochen zu werden. Bei einem Nahrungsmittel muss die Zufuhr sofort gestoppt werden,“ erklärt Prof. Szepfalusi.

In jedem Fall sollte man versuchen, Ruhe zu bewahren. Denn wenn die Eltern ruhig bleiben, beruhigt sich auch das Kind. Bekommt die betroffene Person keine Luft und leidet unter Atemnot, sollte die Person aufgesetzt werden und der Oberkörper möglichst hoch gelagert sein. Besteht bereits eine schwere Schocksymptomatik mit Kreislaufbeschwerden, soll der Patient niedergelegt, die Beine müssen allerdings hochgelagert werden. So kann das Blut Richtung Herz fließen. Bei Bewusstseinsverlust muss die Person in eine stabile Seitenlage gebracht werden (siehe Video).

Weiters sollte sofort die Rettung (Tel. 122 oder 144) gerufen werden, sodass ein Notarzt kommen kann. Sollte man selbst nicht in der Lage sein, dann sollte ein Menschen aus dem Umfeld gebeten werden, den Notruf abzusetzen. „Grundsätzlich ist es besser, einmal zu viel die Rettung zu holen als einmal zu wenig,“ warnt Prof. Szepfalusi, keine Scheu vor einem Anruf zu haben. „Des Weiteren kann es hilfreich sein, Medikamente, die zuhause vorhanden sind, einzunehmen, wenn man selbst betroffen ist, bzw. dem betroffenen Kind zu verabreichen. Manche Kinder hatten ja schon in Vorfeld die eine oder andere obstruktive Bronchitis, also so ein asthmaartiges Beschwerdebild – solche Medikamente, die einer Atemwegsenge entgegenwirken, können auf jeden Fall eingenommen werden.“

Wann und wie wird das Notfallset eingesetzt?

„Zeigt sich eine Reaktion auf ein Nahrungsmittel bzw. kommt es zu Hautbeschwerden, empfiehlt es sich, gleich ein Antihistaminikum aus dem Notfallset einzunehmen. Da kann man nichts falsch machen. Auch hier gilt: Lieber einmal zu viel als zu wenig,“ betonz Prof. Szepfalusi. Generell empfiehlt es sich, auch die Notfallspritze in Reichweite zu haben, sollte es zu einer Verschlechterung des Zustandes kommen. „Sollten die Beschwerden fortschreiten, sodass aus diesen anfänglichen Hautbeschwerden wie Kratzen und Jucken, dass das Beschwerdebild auf die Schleimhäute und Atemwege übergeht, ist der Zeitpunk gekommen, den Autoadrenalinjektor einzusetzen – lieber einmal zu früh als zu spät den Pen verwenden und in Ruhe applizieren.“ (Siehe Video: Anwendung des Pens)

Der Notfallpass und Notfallplan

Jeder Allergiker, der bereits eine diagnostizierte schwere Allergiereaktion hatte, bekommt vom Arzt einen „Anaphylaxiepass für den allergischen Notfall“. Dieser Notfallpass hat sämtliche Medikamente, Nahrungsmittel oder Insektengifte aufgelistet, die bei der betroffenen Person eine schwere Reaktion ausgelöst haben. Weiters wird angeführt, welche Medikamente eingenommen werden sollen. „In dem Notfallpass steht auch drauf, wie der Vorgang der Notfallversorgung vonstatten gehen soll,“ so Prof. Szepfalusi.

Der Allergieexperte erklärt abschließend: „Ergänzend zu diesem Notfallpass, den jeder Patient stets bei sich haben sollte, gibt es noch den Notfallplan, der sehr wertvoll für Schulen, Kindergärten oder Horte der betroffenen Kinder ist. Im Notfallplan befinden sich die gleichen Informationen, die im Notfallpass eingetragen sind. Dieser sollte an einer für alle Angestellten sichtbaren Stelle angebracht werden, die in die Erstversorgung eingebunden werden müssen oder sein könnten.“

Im Überblick: Verhalten bei einem schweren anaphylsktischen Schock

• Adrenalin mittels Pen verabreichen
• Richtige Lagerung:
– bei Atemnot in eine Sitzposition bringen – Oberkörper hoch
– bei Kreislaufschock: Rücklage, Beine hoch
– bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage
• Bei Asthma: Beta-2-Mimetikum
• Notarzt rufen
• zusätzlich Antihistaminikum und Kortison verabreichen

Zu allen Videos der Videoserie „Allergischer Schock – Experten im Talk mit Vera Russwurm“