Allergischer Schock: Schulung für den Notfall notwendig

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OA Dr. Huttegger empfiehlt, dass Betroffene und ihr gesamtes Umfeld in der Lage sein sollen, Symptome eines allergischen Schocks zu erkennen und rasch zu handeln.

Manche Menschen sind auf Wespenstiche oder bestimmte Nahrungsmittel allergisch. Im Extremfall kommt es zum allergischen (anaphylaktischen) Schock. Dabei können innerhalb weniger Minuten ein Kreislaufversagen und sogar der Tod eintreten. OA Dr. Isidor Huttegger von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Salzburg hat viele solcher Fälle behandelt. Er weiß um die Wichtigkeit, dass nicht nur die betroffene Person, sondern – vor allem bei Kindern und pflegebedürftigen Personen – das gesamte Umfeld mit einem allergischen Schock umgehen können muss.

„Nahrungsmittelallergien bei Kindern nehmen stark zu. Wir sehen in den letzten 20, 30 Jahren, dass außerordentlich mehr Kinder schweren Nahrungsmittelallergien zu uns kommen,“ erklärt Dr. Isidor Huttegger im Interview mit Vera Russwurm seine Beobachtungen und gesteht, dass die Wissenschaft bezüglich der Ursachen noch etwas im Dunkeln tappt. Es gibt aber auch neue aufschlussreiche Erkenntnisse: „Wir sehen, dass diese Kinder fast alle auch ein schweres atopisches Ekzem oder Neurodermitis haben. Spekuliert wird daher derzeit, dass die Allergisierung auf Nahrungsmittel über die nicht intakte Haut erfolgt.“

Allergische Schockreaktionen erkennen

„Die Allergie ist im Prinzip dieselbe wie beim Heuschnupfen oder Asthma – nur ist sie potentiell lebensbedrohlich und sie betrifft mehrere Organe,“ erklärt Dr. Hutegger weiters. „Es kann innerhalb von wenigen Minuten nach einem Hautkontakt mit dem Allergen beginnen. Häufig ist es eine Hautrötung. Dann können rote, weiß erhabene, juckende Flecken entstehen, die sogenannten Quaddeln: Wie wenn man in die Brennnesseln gekommen ist. Nach der Hautreaktion kann es eine Schleimhautreaktion geben: Geschwollene, rote Augen, Lippenschwellung, Zungenschwellung, sodass die Atmung röchelnd wird. Dann kann eine Asthmasymptomatik mit einer pfeifenden Atmung entstehen. Es kann der Magen-Darm-Trakt betroffen sein, mit Erbrechen und Durchfall oder kolikartigen Bauchschmerzen. Die stärkste Symptomatik ist dann der Kreislaufzusammenbruch, so dass einem schwindelig wird, oder man gar bewusstlos wird und schlussendlich einen allergischen Schock hat.“

Vermeidung ist oberstes Gebot

„Es gibt zahlreiche veröffentlichte Fallserien, wo sogar auch Säuglinge, aber auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene tatsächlich an Nahrungsmittelallergien versterben,“ erklärt der Experte die traurige Tatsache. Insofern ist klar: Vermeidung ist bei Menschen mit allergischen Schockreaktionen das oberste Mittel der Wahl. Da aber Nahrungsmittelallergien nicht immer vermeidbar sind – weil man nicht immer weiß, was in den Mitteln drinnen ist – ist umfangreiches Wissen rund um das Thema für jeden Betroffenem und sein Umfeld wichtig. „Was man braucht – und da sind alle gemeint: Patienten, Eltern, Angehörige und sämtliches Betreuungspersonal in Kindergärten oder Schulen – ist eine außerordentlich gute Instruktion,“ verdeutlicht Dr. Hutegger. „Wir haben spezialisierte DiätologInnen, die ganz genau Bescheid wissen, in welchen Nahrungsmitteln Allergene üblicherweise drinnen sind. Sie schulen, wie man Etiketten liest und wie man mit „kann Spuren von …“ enthalten, umgeht und vieles mehr.“

Sicher durch den Alltag

Aufgrund des Feedbacks der geschulten Patienten, weiß Dr. Hutegger, dass sich die Menschen nach den Schulungen im Umgang mit Nahrungsmittelallergien im Alltag gestärkt fühlen. „Sie wissen, auf was sie zu achten haben: Instruktion der Vermeidung. Sie wissen, wie Symptome sind. Sie wissen, wie Medikamente einzusetzen sind und sie verlieren die Scheu, im Notfall Medikamente zu initiieren.“

Zur kompletten Videoserie „Der allergische Schock – Experten im Talk mit Vera Russwurm“