Allergischer Schock: Therapeutische Schritte

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Assoc.-Prof. Dr. Gunter Sturm erklärt, wie eine schwere allergische Reaktion abgeklärt wird und sich schlussendlich möglichst vermeiden lässt.

Die genaue Abklärung einer schweren allergische Reaktion erfolgt beim allergologisch geschulten Facharzt. Nach der detaillierten Diagnose werden die richtigen therapeutischen Schritte eingeleitet. Assoc.-Prof. Dr. Gunter Sturm von der MedUni Graz erklärt , welche Therapiemöglichkeiten bestehen, um eine schwere allergische Reaktion möglichst zu vermeiden.

Im Prinzip gibt zwei verschiedene Haupttestungen. Die Prick-Testung und den Intrakutantest. Bei der Pricktestung (englisch: prick test, prick bedeutet Stich) wird das Allergen auf die Haut getropft und die Haut ein bisschen angeritzt. So lässt sich erkennen, ob eine allergische Reaktion auftritt. Für spezielle Fragestellungen gibt es den Intrakutantest. Dabei wird das Allergen in die Haut gespritzt, beispielsweise speziell bei einer Insektengiftallergie. Weiters gibt es die Möglichkeit, anhand von Blutbestimmungen spezielle Antikörper nachzuweisen.

Therapie

„Für die Nahrungsmittelallergie gibt es momentan nur die der Vermeidung der Allergene und die Mitnahme eines Notfallsets. Das ist natürlich nur eine symptomatische Therapie, d.h. man kann die Erkrankung nicht heilen. Es gibt zwar Studien, bei denen versucht wurde, Nahrungsmittelimmuntherapien durchzuführen, aber die sind momentan sehr von Nebenwirkungen behaftet und nicht zu empfehlen,“ erläutert Prof. Sturm. „Allerdings kann die häufigste Form der Allergie, nämlich die Insektengiftallergie, in Form einer speziellen Impfkur sehr gut behandelt bzw. geheilt werden. Die Impfkur ist zwar zeitaufwändig, sie dauert auch drei bis fünf Jahre. Allerdings hat man dann zu 95 Prozent einen kompletten Schutz. Diese Impfkur lässt sich auch bei Kindern ab fünf Jahren durchführen.“

Ablauf der Impfkur

Die Impfkur erfolgt anfänglich mittels wöchentlicher Injektionen über einen Zeitraum von elf bis fünfzehn Wochen. „Dann ist man auf der Höchstdosis und bereits auch schon geschützt. In weiterer Folge führt wird die Impfkur alle vier bis sechs Wochen weiter fortgeführt, um den Schutz zu erhalten. Im Vergleich ist die Heilung bei Pollenallergikern nicht so oft gegeben und individuell ziemlich unterschiedlich. „Bei manchen wirkt sie sehr gut. Und diese Personen haben kaum mehr Symptome. Bei manchen wirkt es weniger gut. Wichtig ist aber: Man kann mit dieser Therapie die Wahrscheinlichkeit eines späteren Asthmas verhindern sowie auch, dass neue Allergien dazukommen. Es sind zwei wesentliche Aspekte, die man mitbedenken muss und die den Aufwand durchaus rechtfertigen.“

Bestandteil des Notfalls-Sets:
• Adrenalin-Pen
• Antihistaminikum (Tablette, Saft)
• Kortison (Tablette, Zäpfchen)
• bei Asthma: Beta-2-Mimetikum (Inhalator)

Hinweis: Allergieauslöser können nicht hundertprozentig vermieden werden! Nehmen Sie Ihr Notfallset immer mit und halten Sie es griffbereit. Weiters emfpiehlt es sich, auch den Anaphylaxie-Pass immer bei sich zu haben!

Hier geht es zur kompletten Videoserie „Allergischer Schock – Experten im Talk mit Vera Russwurm“