Es ist wissenschaftlich belegt, dass ein adäquater Vitamin-D-Spiegel Infektions- und Autoimmunerkrankungen entgegenwirkt. Das Sonnenvitamin wirkt immunmodulierend, stärkt das Immunsystems – und lindert überschießende Entzündungsreaktionen. Dies scheint einen positiven Einfluss auf die Ausprägung allergischer Erkrankungen, die sich durch ausartende Immunreaktionen auszeichnen, zu haben. Zahlreichen wissenschaftlichen Studien zufolge kann Vitamin D auch die Symptomatik bei Heuschnupfen, allergischem Asthma, Neurodermitis und auch COPD verbessern.

In einer aktuellen Studie wurde untersucht, ob ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status von Personen mit dem Auftreten einer allergischen Rhinitis und dem Schweregrad der Erkrankung besteht. Verglichen wurden 49 Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren mit klinisch diagnostizierter allergischer Rhinitis mit 50 gesunden Probanden. Die Studie ergab, dass die Prävalenz eines niedrigen Vitamin-D-Spiegels bei Probanden mit einer allergischen Rhinits signifikant höher liegt als in einer gesunden Bevölkerung. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Der Vitamin-D-Mangel hängt signifikant mit dem Schweregrad der Symptome der allergischen Rhinitis zusammen. Die Autoren der Studie empfehlen daher Betroffenen ausdrücklich zur regemäßigen Messung des Vitamin-D-Spiegels.

Sublinguale Immuntherapie mit Vitamin D lieferte bessere Ergebnisse

In Bezug auf die Behandlung einer allergischen Rhinitis haben Betroffene mittlerweile die Möglichkeit eine sublinguale Immuntherapie (SLIT) durchführen zu lassen. Im Gegensatz zu einer Hyposensibilisierung mit Hilfe von Injektionen ist diese Therapie in Form von Allergenextrakten, die unter die Zunge gelegt werden, gerade für Patienten geeignet, die Angst vor Nadelstichen haben. In einer doppelverblindeten und placebo-kontrollierten Studie wurde die klinische Wirksamkeit einer SLIT mit und ohne Vitamin-D-Gabe verglichen. Die Analyse erfolgte über einen Zeitraum von fünf Monaten und berücksichtigte 50 Kinder im Alter vo fünf bis zwölf Jahren, die eine Gräserallergie mit allergischen Rhinitis aufwiesen und von denen acht Patienten gleichzeitig Asthma besaßen. Das Ergebnis: Bei Kindern, die zusätzlich zur SLIT Vitamin D einnahmen, verlief die Therapie spürbar besser. Die Gruppe litt unter weniger nasalen Beschwerden und Asthmasymptomen im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Zusammengefasst weisen Personen, die einen Vitamin-D-Mangel besitzen, häufiger eine allergische Rhinitis auf. Gleichzeitig ist eine Hyposensibilisierung bei paralleler Vitamin-D-Einnahme wirksamer als eine Therapie, bei der kein Vitamin D supplementiert wird. Allergische Symptome lassen sich so eher reduzieren, daher sollte der Vitamin-D-Spiegel aller Rhinitis-Betroffenen regelmäßig überprüft werden. Das hilft nachweislich nicht nur dem Immunsystem im Kampf gegen Allergien und Atemwegsinfektionen, sondern auch bei der Prävention vieler chronischer Erkrankungen.

Asthma, COPD & Vitamin D

Schon bei Patienten einer mit einer allergischen Rhinitis, wie z.B. bei Heuschnupfen, liegen häufig Lungenveränderungen und entzündliche Prozesse im Organismus vor. Da Heuschnupfen oft nicht ernst genug genommen wird, kommt es langfristig häufig zu einem Etagenwechsel in die unteren Atemwege. Es entsteht allergisches Asthma. Dass Vitamin D auch hier eine Rolle spielen könnte, zeigt die Bedeutung des Vitamins bei der teils ähnlich verlaufenden chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Eine Meta-Analyse von randomisierten Interventionsstudien belegt die Wirkung von Vitamin D bei Patienten mit COPD und einem Vitamin-D-Mangel: Die Vitamin-D-Gabe reduzierte das Risiko für eine Exazerbation, den sogenannten „Lungeninfarkt“, um 45%.

In einer großen Kohortenstudie mit über 300 000 Probanden konnte gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen dem 25(OH)D-Spiegel im Blut und einer akuten Verschlechterung der Symptomatik bei Asthma besteht. Diejenigen mit einem Vitamin-D-Mangel wiesen eine um 25 % höhere Quote für eine akute Verschlechterung ihres Asthmas im Vergleich zu Personen auf, die einen adäquaten Vitamin-D-Spiegel besaßen. Eine aktuelle Meta-Analyse aus 2019 zeigte, anhand von 14 randomisierten Kontrollstudien mit 1.421 Teilnehmern, dass eine Vitamin-D-Supplementierung mit einer signifikanten Verringerung der Rate von Asthma-Anfällen einherging. Ein wichtiger Nebeneffekt der Vitamin-D-Gabe ist die Reduktion der Medikamenteneinnahme. Indem Vitamin D die Anzahl der schweren Asthma-Anfälle verringert, reduziert es gleichzeitig die Einnahme von nebenwirkungsreichen systemischen Kortikosteroiden.

Neurodermitis & Vitamin D

Allergien können sich auch auf die Haut auswirken, wie z.B. bei der atopischen Dermatitis oder auch Neurodermitis genannt. Charakteristisch für die Erkrankung ist eine gestörte Hautbarriere in Verbindung mit einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Betroffene, die an Neurodermitis leiden, sind oft Atopiker, also Personen, die gleichzeitig mehrere allergische Erkrankungen wie allergische Rhinitis und Asthma haben.

Die Ergebnisse einer Meta-Analyse bestätigen, dass Personen, die an Neurodermitis leiden, ähnlich wie Asthmatiker eine niedrigere Vitamin-D-Konzentration im Blut im Vergleich zu Gesunden haben. Probanden mit einer Neurodermitis wiesen durchschnittlich einen verringerten Vitamin-D-Spiegel im Blut auf als gesunde Personen. In keiner der in der Meta-Analyse eingeschlossenen Studien besaßen die Patienten gute Vitamin-D-Spiegel.

Neben den Vitamin-D-Konzentrationen betrachteten die Autoren auch den Schweregrad der Neurodermitis bei Betroffenen anhand des international standardisierten SCORAD Punktesystems. Eine tägliche Vitamin-D-Gabe von durchschnittlich 1600 I.E. reduzierte den SCORAD-Wert im Durchschnitt um 11 Punkte (Skala von 0–103) und damit die Ausprägung der Krankheit in einem klinisch relevanten Ausmaß. Die größten Verbesserungen in der Symptomatik wurden in den Studien festgestellt, bei denen über einen längeren Zeitraum (> 3 Monate) Vitamin D supplementiert wurde.

Vitamin D und weitere wichtige Nährstoffe beeinflussen Kranheitsverläufe positiv

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei allergischen Erkrankungen sehr häufig ein Vitamin-D-Mangel vorliegt. Beim Auftreten von Nahrungsmittelallergien, die vermehrt mit anderen Allergien einhergehen, besteht ebenfalls ein Zusammenhang zu einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Häufig kommen bei schwerwiegenden allergischen Reaktionen wie Asthmabeschwerden Glucocorticoide als Therapie zum Einsatz. Da diese eine vermehrte Ausscheidung der wichtigen Mineralstoffe Kalium, Magnesium und Calcium verursachen, erhöhen sie das Risiko für Knochenbrüche und Bluthochdruck. Es besteht also ein erhöhter Bedarf an Mineralstoffen sowie an Vitamin K2.

Gerade diese Nährstoffe können die verschiedenen Krankheitsverläufe ebenfalls positiv beeinflussen. Magnesium beispielsweise entspannt und erweitert die Bronchienmuskulatur. In Notaufnahmen werden diese Eigenschaften bei der Behandlung schwerer Asthmaanfälle genutzt. Vitamin K aktiviert wichtige Proteine wie z.B. Protein S, Matrix-Gla-Protein (MGP) und Osteocalcin. Protein S wirkt antientzündlich, indem es u. a. Prostaglandin E2, Cyclooxygenase-2 und Interleukin-6 senkt. Ein hoher Vitamin-K-Status hemmt zudem den Entzündungsfaktor NFkB. Vitamin K kann zudem antioxidativ wirken, indem es die Ansammlung von reaktiven Sauerstoffspezies blockiert, die ebenfalls zur Entzündung beitragen. Aufgrund der Carboxylierung von MGP und Osteocalcin ist Vitamin K, in Form von Vitamin K2 Menachinon-7, auch ein wichtiger Inhibitor für Verkalkungen der Weichgewebe und dabei ein wichtiger Partner von Vitamin D.

Quelle und Literaturangaben: Dr. Jacobs Institut