Die Tuberkulose ist weltweit verbreitet und gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkulose-Erregern infiziert. Fünf bis zehn Prozent der infizierten Erwachsenen entwickeln im Laufe ihres Lebens – sofern sie immunkompetent sind – eine behandlungsbedürftige Tuberkulose. Infektionsquelle ist in erster Linie der erkrankte Mensch.

Die Tuberkulose, auch Schwindsucht oder TBC genannt, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die heute vorwiegend von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Ansteckung erfolgt, wenn ein Tuberkulose-Infizierter beim Husten oder Niesen die erregerhaltigen Speicheltröpfchen versprüht und diese Mykobakterien von anderen Menschen eingeatmet werden. Dieser Umstand ist auch der Grund, warum die Tuberkulose beim Menschen am häufigsten in der Lunge auftritt.

Ist das Immunsystem intakt, wird die Infektion eingedämmt – bei 90 Prozent der Betroffenen bleibt die Infektion lebenslang unbemerkt (schlummernde Tuberkulose). Rund zehn Prozent der Infizierten entwickeln aber im Lauf ihres Lebens eine aktive Tuberkulose und stellen damit ein Ansteckungsrisiko für andere Menschen dar.

Ist das Immunsystem zum Zeitpunkt der Infektion geschwächt, können die Bakterien eine aktive Tuberkulose auslösen. Dies ist auch nach einer bereits durchlebten Primärinfektion möglich, da der Erreger in abgekapselten Herden im Körper überleben kann und Jahrzehnte später zum Ausbruch der Tuberkulose führen (postprimärer Tuberkulose).

Tuberkulose kann aber auch andere Organe, wie z.B. Lymphknoten, Harnwege, Knochen, Gelenke oder Verdauungsorgane betreffen. Bei dieser Form besteht jedoch kein Infektionsrisiko. Nachdem auch Rinder an Tuberkulose erkranken, stellte früher nicht pasteurisierte Rohmilch in Mitteleuropa eine verbreitete Infektionsquelle dar. Heute ist das jedoch in unseren Breiten nicht mehr von Bedeutung, da die österreichischen Rinder weitgehend tuberkulosefrei sind.

Die Übertragung erfolgt zumeist über mikroskopisch kleine Tröpfchen, sogenannte Aerosole, die durch Husten, Niesen, Singen, oder Sprechen ausgeschieden werden. Für eine Übertragung ist im Regelfall mehrstündiger Kontakt in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen notwendig. Ein kurzer Kontakt, vor allem im Freien, stellt kein relevantes Risiko dar.

Erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht bei:

  • Menschen die beruflich oder privat mit TB-Erkrankten in Kontakt sind,
  • bei Familienmitgliedern, wenn bereits ein Tuberkulosefall vorkam,
  • Menschen, die aus einem Land stammen, das eine hohe TB-Häufigkeit aufweist

Österreich: Zahlen & Fakten

In Österreich konnte im Jahr 2017 ein Rückgang der Tuberkuloseerkrankungen um zehn Prozent verzeichnet werden. Diese Entwicklung spiegelt einen europaweiten Trend wider. Experten der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie betonen, dass in Österreich die Versorgung der TBC-Patienten in hoch spezialisierten Zentren gewährleistet ist.

Gegen alle Annahmen zeigte der starke Flüchtlingsstrom in Österreich keine Auswirkungen. Die Lage der Tuberkulose in Österreich ist schon länger auf diesem niedrigen Niveau stabil. Dazu Dr. Bernhard Benka, Bundesministerium für Gesundheit und Frauen: „Es hat sich gezeigt, dass sich die kumulative Tuberkulose-Erkrankungswahrscheinlichkeit der 2015 nach Österreich gekommenen Migranten nicht signifikant zum Vergleichszeitraum 2014 unterscheidet. Obwohl Österreich zu den Top-15-Einwanderungsländern im Jahr 2015 gehörte.“

Wie im Jahr 2014 gab es auch 2015 keinen Fall einer multiresistenten MDR- oder extrem-Arzneimittel-resistenten XDR-Tuberkulose bei Personen mit österreichischer Staatsangehörigkeit.

Hauptverbreitungsgebiete sind Südostasien, die afrikanischen Länder, China, ehemalige Staaten der Sowjetunion und Brasilien. Mehr Infos zur Tuberkulose in Europa

Symptome

• Husten, der länger als drei Wochen andauert
• Auswurf
• Thoraxschmerzen
• Bluthusten, Blutspucken (Hämoptysen)
• Allgemeine Symptome: Gewichtsverlust, erhöhte Temperatur, Müdigkeit, Leistungsknick, Nachtschweiß

Es ist aber auch ein fast symptomloser Krankheitsverlauf möglich!

Diagnose

Zur Vermeidung von Resistenzen ist die rasche Diagnostik, und die rasche und konsequente Therapie nötig. In Österreich stehen für die Diagnostik der Tuberkulose bundesweit qualifizierte Labore zur Verfügung. Mittels eines Schnelltests (Nukleinsäureamplifikationstechnik) kann Tuberkulose auch schon nach ein paar Stunden mit hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt werden. In Österreich wird zudem bei allen Tuberkuloseerregern eine zusätzliche Resistenztestung durchgeführt.

Weitere diagnostische Methoden:

• Tuberkulintest
• Röntgen
• Untersuchung des Sputums (Auswurf)
• Bronchoskopie (Untersuchung der Lunge in Lokalanästhesie oder unter Vollnarkose)

Therapie

Wenn sich der Tuberkuloseverdacht bestätigt, erfolgt die Behandlung ausschließlich mit einer Kombination von Medikamenten. Problematisch sind weit fortgeschrittene Erkrankungen und multiresistente Erregerstämme.

Bei rechtzeitiger Kombinationstherapie können TB-Betroffene im Normalfall geheilt werden. Die Therapie erfolgt in lungenfachärztlichen Abteilungen oder Ambulanzen von Krankenhäusern und dauert mehrere Monate. Allerdings treten vermehrt (hoch-) resistente Tuberkulosen auf, gegen die keine wirksamen Medikamente verfügbar sind.

Geschichte

Als neue Seuche trat die Tuberkulose neben der Cholera aber erst im 18. und 19. Jahrhundert auf. Gründe dafür waren die Industrialisierung und die damit einhergehenden schlechten Wohn- und Hygieneverhältnisse in den Städten.

Heute zählt die Tuberkulose, neben HIV und Malaria zu den bedeutendsten bakteriellen Infektionen der Menschheit. Sie ist die häufigste tödliche bakterielle Infektionskrankheit. Die WHO meldete 2016 weltweit rund zehn Millionen Neuerkrankungen, rund 1,7 Millionen davon endeten tödlich. Besonders gefährdet sind Kinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wie z.B. kleine Kinder oder Personen mit schweren oder chronischen Erkrankungen wie HIV, Krebserkrankungen, Diabetes. Aber auch Mangelernährung oder die Einnahme bestimmter Medikamente können die Immunabwehr schwächen.

Der Welttuberkulosetag findet weltweit jährlich am 24. März statt. Er dient dazu das Bewusstsein über die Tuberkulose in der Öffentlichkeit zu erhalten. Der 24. März 1882 war zudem der Tag an dem Robert Koch in Berlin die Entdeckung des Tuberkulose-Bakteriums bekannt gab. Zu dieser Zeit war die Tuberkulose in Europa und Amerika so stark verbreitet, dass jeder siebte Erkrankte daran starb. Durch die Entdeckung der Krankheitsursache war es möglich, eine Therapie