Wer an einer chronischen Krankheit leidet, braucht oft Vorbilder, die motivieren und neue Perspektiven aufzeigen. So war es auch im Fall von Eberhard Jordan. Der 56-jährige COPD-Patient mit nur noch 30- prozentigem Lungenvolumen nahm sich ein Beispiel an dem australischen „COPD-Triathleten“ Russel Winwood und übertraf sich dabei gleich selbst. Denn Eberhard Jordan hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr hohes Ziel gesteckt: Er bestieg am 21. November 2018, am COPD-Welttag, den Stephansdom – gezählte 343 Stufen bis in die Türmerstube im Südturm des Doms. Das Magazin Aufwind berichtete.

343 Stufen sind schon für viele Gesunde eine Herausforderung, geschweige denn für einen COPD- Erkrankten, für den normales Stie- gensteigen bereits eine hohe Be- lastung darstellt. Für viele der ca. 400.000 Betroffenen in Öster- reich ist so ein Unterfangen abso- lut undenkbar. Doch wie man sieht: Nichts ist unmöglich. Eberhard Jordan ist der lebendige Beweis. Auch für ihn stellte die Besteigung des Stephansdoms die Herausfor- derung seines Lebens dar, doch er wollte sich, in Begleitung eines Ärz- te- und Therapeuten-Teams, dieser Herausforderung stellen. Dabei war Eberhard Jordan nicht immer so fit. Ganz im Gegenteil, anfänglich konnte er nicht mehr als ein paar Meter gehen.

Motiviert hoch hinaus

In der schlimmsten Krankheitsphase betrug das Lungenvolumen von Eberhard Jordan nur noch ein Viertel des Normalzustands. Um die Leistungsfähigkeit seiner Lunge zu verbessern, begann er zu trainieren.„Am Anfang war es hart“, erinnert sich Eberhard Jordan, der von Beruf Bildhauer ist. „Nach nur 100 Metern musste ich schon eine Pause einlegen. Inzwischen habe ich wieder mehr Ausdauer und mache gerne regelmäßige Radtouren zwischen 30 und 40 Kilometern, etwa auf der Donauinsel oder am Marchfeldkanal.“ Auch sein Lungenvolumen ist mittlerweile auf 37 Prozent gestiegen. Zusätzlich verbessern operativ eingesetzte Ventile seine Lungenfunktion. Für die Stephansdom-Besteigung trainierte er drei Monate hart, drei Mal pro Woche jeweils drei Stunden.

Aktiv sein, in Kontakt bleiben

Seine Geschichte und seine Erfahrungen teilt er mit Interessierten auf seinem Blog mycopd-blog.com. Für die Steffl-Besteigung hielt er seine Fans zusätzlich auf dem Blog www.mycopd-challenge.com auf dem Laufenden. „myCOPD- Challenge ist Teil der internationalen Initiative ‚GOLD‘ (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease), die sich weltweit für mehr Aufmerksamkeit für COPD einsetzt“, erklärt Eberhard Jordan. Denn seine Intention ist es auch, anderen Betroffenen Mut zu machen und Bewusstsein für die Krankheit und ihre Folgen zu schaffen.

Seinen ersten Impuls bekam Eberhard Jordan vom Australier Russel Winwood, der ihn sehr beeindruckte, weil er trotz COPD als Triathlet aktiv ist. Die unmittelbare Idee für seine myCOPD-Challenge war der Kölner Josef Brandl – ein COPD- Stufe-4-Patient, der rund um die Uhr zusätzlichen Sauerstoff benötigt. Trotzdem hat es der 62-Jährige im Mai 2015 geschafft, den Kölner Dom zu erklimmen. „Das hat mich moti- viert, etwas Ähnliches zu versuchen. Seit ich das erste Mal davon gelesen habe, geisterte diese Idee durch meinen Kopf“, schildert Eberhard Jordan. „Vielleicht gelingt es mir auch, wiederum Nachahmer zu motivieren, trotz COPD regelmäßig zu trainieren, aktiv zu sein und sich ebenfalls einer persönlichen Herausforderung zu stellen. Im besten Fall gibt es 2019 eine Neuauflage der Challenge, am liebsten mit vielen Nachahmern im ganzen Land, die sich ihrer persönlichen COPD-Challenge stellen. An Türmen mangelt es bestimmt nicht!“

Magazin Aufwind 01/19