Schweres Asthma: Update der Behandlung

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Schweres Asthma ist eine sehr komplexe und bei jedem Menschen unterschiedliche Erkrankung, die das Leben massiv einschränkt. Jahrelang bestand die Therapie nur aus inhalativen und oralen entzündungshemmenden Medikamenten inklusive Cortison mit starken Nebenwirkungen. Aber in den letzten Jahren haben sich neue Medikamente, sogenannte Biologika, bewährt. Heute ist schweres Asthma in den meisten Fällen deutlich besser behandelbar, die meisten Menschen können weitgehend symptomfrei leben.

OA Doz. Dr. Ivan Tancevski,
Univ.-Klinik Innsbruck
Foto: Thomas Steinlechner

Asthma ist von anderen Erkrankungen schwer zu unterscheiden, da die Symptome ähnlich sind. Denn auch COPD oder bestimmte Herzerkrankungen gehen oftmals mit Atemnot einher. Daher vergeht oft viel wertvolle Zeit, bis Asthma richtig erkannt und gut behandelt wird. Viele Menschen unterschätzen auch ihre Erkrankung oder gelangen nicht sofort an die „richtige Stelle“, nämlich zum Lungenfacharzt, zur Lungenfachärztin.

Bei Asthma gibt es mehrere Formen und Auslöser. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Asthmaprofilen wie dem allergischen und dem nicht-allergischen Asthma sowie Schweregraden. Die meisten Formen (95 %) können auch sehr gut mit entsprechenden Medikamenten (Inhalatoren) behandelt werden. Bei Patient:innen, die unter schwerem Asthma leiden, muss aber eine gezielte Abklärung und darauf abgestimmte individuelle Therapie eingeleitet werden.

Unterschiedliche Auslöser

Meist führt ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren zum Entstehen von Asthma. Dies können Umweltfaktoren sein – etwa Viren, Allergene, Umweltverschmutzung, Bakterien oder Pilze, aber auch Probleme des Lungenepithels (Lungengewebe) oder eine Immunantwort (z.B. allergische oder esiniophile Entzündung). Betroffene Menschen, die trotz Therapie keine Kontrolle über ihr Asthma erreichen, sollten einer exakten Analyse unterzogen werden, um eine für ihren individuellen Fall maßgeschneiderte Behandlung zu erhalten.

Individuell angepasste Therapie

Der Einsatz von Biologika hat die Asthmatherapie revolutioniert und die Therapietreue enorm günstig beeinflusst. OA Doz. Dr. Ivan Tancevski, Univ.-Klinik Innsbruck: „Dank dieser neuen therapeutischen Optionen ist heute auch schweres Asthma meist sehr gut behandelbar und eine weitgehende Symptomfreiheit erzielbar.“ Biologika sind therapeutische Moleküle, die punktgenau an bestimmten Zielstrukturen angreifen. Im Fall von Asthma machen sie, vereinfacht gesagt, Zielstrukturen unschädlich, die an allergischen Reaktionen und an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Allerdings ist das Herausfinden, welcher Patient auf welches der modernen Medikamente am besten ansprechen wird, ein aufwändiges Prozedere.”


Mit Biologika ist es möglich, ganz ohne oder mit nur minimalen Cortisonmengen eine Verringerung der Beschwerden zu erzielen. Mittlerweile werden in den Therapie-Guidelines ab GINA-Stufe 5 diese Medikamente deutlich empfohlen – egal, mit welcher Behandlung gestartet wurde. Die Global Initiative for Asthma (GINA) erarbeitet weltweite Leitlinien zur optimalen Behandlung von Asthma.


Doz. Tancevski stellt auch den Fall eines 60-jährigen Patienten mit schwerem Asthma der Stufe 5 vor, der trotz optimaler inhalativer Therapie immer wieder orales Cortison einnehmen musste, und die Beschwerden waren massiv. Eine Biologika-Therapie*, die speziell auf diesen Patienten abgestimmt wurde, brachte spürbare Erfolge. Die Cortisongabe konnte abgesetzt werden, und die Asthmakontrolle wurde deutlich verbessert. Laut eigenen Angaben fühlte sich der Patient „bereits morgens besser und konnte tiefer einatmen“. Auch ohne inhalative Standardtherapie lagen keine Atemgeräusche vor.

* Ein Biologikum, das in Österreich seit Oktober 2022 zugelassen und derzeit noch ohne Erstattung ist.


Quelle: Webinar zum Welt-Asthma-Tag, Mai 2023