Das Frühjahr ist für viele eine angenehme Zeit mit Sonne, milden Temperaturen, Blumen und Blüten. Das gilt aber nicht für alle Menschen, denn immer mehr leiden unter einer Allergie gegen Hasel, Erle, Birke & Co. Eine gute Nachricht kommt vom Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien: Der Pollenflug wird heuer vermutlich etwas weniger stark ausfallen als in den letzten beiden Jahren.

Laut ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) war der heurige Jänner kälter und es gab um 70 Prozent mehr Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr. Vor allem der Kälteeinbruch hatte Auswirkungen auf den Beginn der Pollensaison: Die Blüte von Hasel und Erle verzögerte sich. Beide Saisonen starteten im Schnitt etwa zwei Wochen später als im langjährigen Mittel. Zeitraum und Intensität der Spitzenbelastung durch die Frühblüher liegen aber durchaus im Schnitt der letzten Jahre – also weder besonders mild noch außergewöhnlich heftig.

Nur die Haselblüte war über Gesamtösterreich gesehen etwas intensiver als in den letzten Jahren, die Erlenblüte liegt bislang genau im Schnitt. Begleitet werden Hasel- und Erlenpollen durch teils große Mengen an Eibenpollen, die aber in der Regel keine Bedeutung für Allergiker haben.

Die nächste Belastungswelle folgt mit der Esche, deren allergologisches Potenzial oft unterschätzt wird. Ihre Blüte hat bereits begonnen und wird heuer voraussichtlich weniger intensiv ausfallen. Die „Verwandten“ der Esche sind der Ölbaum, Liguster, Flieder, Goldflieder (Forsythie) und Jasmin. Sie haben ähnliche Allergie-auslösende Strukturen. Bei Menschen, die auf Eschenpollen allergisch reagieren, können somit auch bei Kontakt mit dem Blütenstaub dieser Pflanzen Beschwerden auftreten. Man spricht dann von einer Kreuzreaktion.

Schwächere Birkenblüte 2021

Wenn die Temperatur konstant auf über 15˚C klettert, beginnt auch die Birke, ihre Pollen an den Wind abzugeben. Das wird Ende März soweit sein. Der beliebte und weit verbreitete Alleebaum hat ein biologisches Muster: Einer schwächeren Saison folgt eine starke. Dieses Muster hat er mit zwei intensiveren Saisonen 2019 und 2020 seit langem das erste Mal wieder unterbrochen. Für heuer ist damit eine eher unterdurchschnittliche Saison in ganz Österreich zu erwarten.

Uwe-Berger

Aber Achtung: Die Belastung muss trotz schwächerem Pollenflug nicht unbedingt als gering empfunden werden. Denn wie Allergiker darauf reagieren, hängt davon ab, wie die Saison beginnt und verläuft: Steigen die Birkenpollen-Konzentrationen langsam an, kann sich der Körper besser auf die Belastung einstellen und empfindet die Saison als insgesamt nicht so stark. Erleben wir weiterhin starke Temperaturschwankungen und beginnt die Saison dadurch dann sehr plötzlich oder steigt die Pollenmenge in der Luft während der Flugzeit immer wieder sprunghaft an, werden die Belastungen bedeutend stärker erlebt als bei einem langsam ansteigenden Pollenflug.

Die Gefahr Kreuzallergie

Die Häufigkeit der Pflanze und die hohe allergene Potenz ihres Blütenstaubs macht die Birke zum wichtigsten Baumpollenallergen und vielen Allergikern Jahr für Jahr schwer zu schaffen. Zu den Beschwerden an Augen und Atemwegen kommen bei vielen Allergikern Kreuzreaktionen bei Verzehr bestimmter Nahrungsmittel dazu, deren Molekülstruktur ähnlich der des Hauptallergens der Birke ist. Dazu zählen Kern- und Steinobst, Kiwi, (frische) Feige, Baumnüsse, Sellerie, Soja, Erdnuss und die Karotte.

Diese sogenannte Pollen-assoziierte oder sekundäre Nahrungsmittelallergie beschränkt sich zwar meist auf lokale Symptome im Mundbereich, besteht bei den meisten Allergikern allerdings nicht nur während des Pollenfluges, sondern das ganze Jahr über. Zusätzlich gibt es häufig auch Kreuzreaktionen mit den Pollen von Hasel, Erle und Hainbuche, weshalb Birkenpollen-Allergiker bereits sehr früh im Jahr – mitunter schon im Dezember – Symptome haben können, obwohl die Birkenblüte noch in weiter Ferne liegt.

Gräser ab Mai aktiv

Die Blüte der Gräser beginnt meist in der zweiten Maihälfte und dauert aufgrund der Artenvielfalt bis in den Sommer hinein an. Ihre Intensität und der genaue Blühbeginn hängen von derzeit noch unbekannten Faktoren wie Niederschlägen und der Temperaturentwicklung im April ab.

Die miteinander verwandten Pflanzen Beifuß und Ragweed (Ambrosia, Traubenkraut) blühen vom Spätsommer bis in den Herbst hinein. Der Pollenflug der Wildkraut- und Gewürzpflanze Beifuß erreicht für gewöhnlich Mitte August ihre höchsten Werte und wird bis in den September hinein dauern. Auch für diese Pflanzen ist noch keine Prognose möglich, denn der Beginn und das Ausmaß der Saison hängen nicht nur von der Temperatur, sondern auch von den Lichtstunden im Mai/Juni sowie der Niederschlagsmenge ab.

Pollensaison fast ganzjährig

Neben Luftschadstoffen, die Pflanzen „stressen“, wodurch sie mehr Allergene produzieren und freisetzen, sorgt der globale Klimawandel für Veränderungen der Pollensaison. Durch die höheren Temperaturen blühen Bäume, Gräser und Kräuter in manchen Jahren früher. Vor allem im städtischen Bereich sorgt die Purpurerle, die zur Birkenfamilie gehört, inzwischen für einen beinahe ganzjährigen Pollenflug. Ihre zunehmende Verbreitung verkürzt die pollenfreie Zeit auf nur noch zwei Monate im Jahr.

Durch ihre sibirischen Gene ist diese Erlenart winterresistent und blüht bis zu zwei Monate vor ihren heimischen Verwandten und beschert Birkenallergikern mitunter sogar ein getrübtes Weihnachtsfest.

Die kurz- und mittelfristigen Prognosen, eine exakte, tagesaktuelle Pollenvorhersage sowie einen Countdown, wann in welcher Region mit welchen Belastungen zu rechnen sein wird, kann man im Internet unter www.pollenwarndienst.at abrufen. Aktuelle Meldungen gibt’s zusätzlich per E-Mail-Newsletter, via Facebook und als kostenlose Pollen-App.