Die Möglichkeiten der Behandlung von Lungenkrebs sind vor allem durch die sogenannte Immuntherapie enorm gestiegen. Vereinfacht gesagt wird dabei das körpereigene Immunsystem dazu stimuliert, den Tumor anzugreifen. In verschiedenen Kombinationen kommt diese Therapie bei fast jeder Form von Lungenkrebs zum Einsatz. Für die Patienten bedeutet dies einen Überlebensvorteil und eine bessere Lebensqualität. Allerdings: Die Heilungschancen bei Lungenkrebs liegen dennoch nur bei etwa 15 Prozent.

Vor allem die Fortschritte in der Immuntherapie verbessern den Überlebensvorteil der Lungenkrebspatienten deutlich. „Unabhängig vom Stadium und von der Lungenkrebsform – die Immuntherapie kommt heute bei fast allen Lungenkrebspatienten zum Einsatz“, erklärt der onkologische Pneumologe OA Dr. Maximilian Hochmair vom SMZ Baumgartner Höhe – Otto Wagner Spital in Wien, anlässlich der diesjährigen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

Der Experte setzt in Zukunft noch größere Erwartungen in die Immuntherapie. Basierend auf den neuen Studienerkenntnissen werde sie noch öfter zur Anwendung kommen – in Kombination mit Chemo-, Strahlen­therapie, in Kombination mit anderen Immuntherapeutika oder auch als alleinige Therapie. Maximilian Hochmair: „Und wahrscheinlich wird die Immuntherapie in Zukunft auch in Kombination mit einer Operation zur Anwendung kommen – diese Option wird zurzeit ebenfalls in Studien untersucht.“ Die Immuntherapien, aber auch zielgerichtete Therapien, kommen heute in immer früheren Stadien des Lungenkrebses zum Einsatz. „Und dieser frühe Einsatz von Immuntherapien und zielgerichteten Therapien bedeutet für den Patienten einen Überlebensvorteil, deutlich weniger Nebenwirkungen, deutlich bessere Behandlungsergebnisse und eine höhere Lebensqualität!“, so der Experte.

Spitzenmedizin – made in Austria

Man verdankt diese Entwicklung des zunehmend besseren Verständnisses der Erkrankung neuen Erkenntnissen über Biomarker, neuen Medikamenten und vor allem auch neuen Studien, an denen gerade österreichische Pneumologen maßgeblich mitgewirkt haben. Maximilian Hochmair selbst, Leiter des Arbeitskreises Pneumologische Onkologie der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, ist entscheidend an den neuen Entwicklungen beteiligt: Er fungiert als Co-Autor dreier Publikationen, die in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ dieses Jahres publiziert wurden. Und jede dieser Arbeiten verändert in Teilbereichen das therapeutische Vorgehen bei Lungenkrebs dahingehend, dass das Überleben mittels Immuntherapie bzw. zielgerichteter Therapien verbessert werden kann.

Vorteil: Lungenkrebs interessant für die Forschung

Maximilian Hochmair: „Dank eines besseren Verständnisses der Lungenkrebserkrankungen, der Erfahrungen der vergangenen Jahre aus der Praxis mit den neuen Therapien, der Entdeckung und Bewertung neuer Biomarker sowie der darauf basierenden Entwicklung neuer Therapeutika sind Riesensprünge in der Behandlung des Lungenkarzinoms möglich geworden.“ In laufenden Studien wurden, vereinfacht gesagt, verschiedene Therapie- und Therapeutika-Kombinationen untersucht. Unter anderem mit dem Ergebnis, dass die Immuntherapie, die heute schon viel häufiger als noch vor einem Jahr zur Anwendung kommt, in Zukunft noch häufiger eingesetzt werden wird.

War lange Zeit das Melanom der Vorreiter in der Erforschung und Entwicklung von Immuntherapien, so gilt heute das Lungenkarzinom als interessantestes und aussichtsvollstes Forschungsgebiet. Maximilian Hochmair: „Auch bei anderen onkologischen Erkrankungen gibt es hier sehr gute Entwicklungen, aber da ist der Sprung nicht so groß wie beim Lungenkrebs. Das Lungenkarzinom ist aus wissenschaftlicher Sicht einfach noch interessanter, weil die Immun- und die zielgerichtete Therapie bei unterschiedlichen Patienten besonders gut wirken. Und darum lernt man jetzt vom Bronchuskarzinom besonders viel.“ Grund dafür ist, dass vor allem beim Raucher durch diverse Substanzen im Tabakrauch das körpereigene Immunsystem besonders beeinträchtigt wird. Dieses wieder „anzukurbeln“ ist das Ziel der Immuntherapie. Diese Immunmodulation greift hier tatsächlich besonders gut. Das ist auch der Grund, warum der Fortschritt mit der Immuntherapie gerade beim Lungenkrebs so groß ist.

Rauchstopp ist die bessere Lösung

Allerdings gab es im Jahr 2015 in Österreich immer noch knapp 5.000 Lungenkrebs-Neuerkrankungen, 3.900 endeten im selben Jahr tödlich. Die Tendenz ist leider steigend. Denn in Österreich wird nach wie vor viel geraucht. Und der Lungenkrebs ist zu 90 Prozent mit dem Rauchen assoziiert. Der Rest teilt sich auf Asbestkontakt, Passivrauchen oder genetische Veranlagungen auf.

Mit jeder Zigarette inhaliert man 40 bis 70 Giftstoffe, die für eine oder mehrere von 15 Krebserkrankungen verantwortlich sein können. Gerade beim Verbrennen von Tabak entstehen Feinstaub, gasförmige Schadstoffe und organische Aerosole, die für chronische Entzündungen, Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sind. Bei einer Packung Zigaretten pro Tag kommt es über das Jahr in den Atemwegen zu 150 Zellmutationen. Nach 20 bis 30 Jahren wird die Lunge zerstört (COPD) oder ein Lungenkrebs entsteht. Das Lungenkrebsrisiko eines Rauchers ist mindestens zehnmal höher als das eines Nie-Rauchers. Lungenkrebs löst erst Schmerz aus, wenn er Komplikationen bereitet oder metastasiert. Und leider liegt auch trotz immer besserer Behandlungsmethoden die Heilungschance nur bei 15 bis 20 Prozent. Was strengere Nichtrauchergesetze bewirken können, zeigt seit Jahren die USA vor. Dort ist die Zahl der Erkrankungen dramatisch zurückgegangen. Innerhalb von zehn Jahren gab es dort um die Hälfte weniger Lungenkrebspatienten.