Lungenkrebs ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die häufigste Tumorerkrankung weltweit. Daher steht der Monat November weltweit im Zentrum einer Awareness-Kampagne für diese Lungenerkrankung, an der in Österreich knapp 4.000 Menschen jährlich sterben. Das Ziel der verstärkten Kommunikationsaktivitäten ist, die Öffentlichkeit für die Erkrankung und ihre Ursachen zu sensibilisieren sowie über die Einführung moderner Behandlungsoptionen zu informieren. Neben herkömmlichen Methoden wie Chirurgie sowie Chemo- und Strahlentherapie stehen nämlich nun auch zielgerichtete Therapien sowie Immuntherapie zur Verfügung.

 
„Durch die Einführung moderner Medikamente konnten Behandlungsergebnisse und Verträglichkeit deutlich verbessert werden“, erklärt der Lungenkrebs-Experte OA Dr. Maximilian Hochmair, Leiter der onkologischen Tagesambulanz/Tagesklinik an der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie der Klinik Floridsdorf in Wien. Die Verbesserung der Behandlungsergebnisse ist vor allem auf Forschungsergebnisse zurückzuführen, die Lungenkrebs individuell bestimmen. Denn Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs: Jeder Tumor besitzt spezifische Merkmale: Gewebeart, Stadium der Ausbreitung und molekularbiologische Eigenschaften werden bei der Therapieentscheidung berücksichtigt.

Durch maßgeschneiderte Therapiekonzepte gelingt es daher zunehmend besser, Patienten eine individuell optimierte Behandlung mit bestmöglicher Wirksamkeit und Verträglichkeit anzubieten. Maximilian Hochmair: „Selbst bei fortgeschrittenem Lungenkrebs ist es immer häufiger möglich, das Leben bei guter Lebensqualität deutlich zu verlängern.“ Neben den herkömmlichen Methoden wie Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie sorgen nun zielgerichtete Therapien sowie die Immuntherapie für hervorragende Ergebnisse und maßgeschneiderte Therapieoptionen.

Langes Leben nach Diagnose möglich

Welch überzeugende Erfolge bereits möglich sind, zeigen die Erfahrungen von Robert Schüller. Bei ihm wurde im Alter von 50 Jahren Lungenkrebs diagnostiziert. „Die Ärzte gaben mir damals eine Überlebenschance von maximal zwei Jahren“, erzählt der Betroffene. Nach vielen Jahren mit belastenden Chemotherapien wurde er auf eine neue zielgerichtete Krebstherapie zum Schlucken umgestellt. Mit dieser neuen Therapie bekam sein Leben eine völlig neue Qualität. Robert Schüller: „Ich nehme jeden Abend vor dem Schlafengehen eine Tablette ein. Es treten keinerlei unangenehme Nebenwirkungen auf. Ich fühle mich sehr gut, kann z.B. arbeiten, mit dem Hund spazieren gehen oder Rad fahren. Meine Blut- und Leberwerte haben sich normalisiert. Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen sind äußert beruhigend. Mittlerweile lebe ich bereits elf Jahre mit der Erkrankung.“

Die zielgerichtete Therapie

Bei zielgerichteten Therapien richten sich die eingesetzten Medikamente gegen bestimmte Faktoren, die das Tumorwachstum fördern. Es wird versucht, die Krebszellen direkt anzugreifen, indem man beispielsweise die Mechanismen bekämpft, die für das Zellwachstum verantwortlich sind. Der angenehme Vorteil ist auch: Meist handelt es sich bei dieser Therapie um Tabletten zum Schlucken (in vielen Fällen nur einmal täglich), die der Patient zuhause einnehmen kann. Darüber hinaus zeichnen sie sich gegenüber Chemotherapien durch eine deutlich bessere Wirksamkeit und Verträglichkeit aus. Außerdem kann bei Betroffenen durch eine einfache Blutabnahme zirkulierende Tumor-DNA nachgewiesen werden. Dadurch ist es möglich, ein Wiederaufflammen der Erkrankung frühzeitig zu erkennen.

Die Immuntherapie

Als weitere innovative Option zur Behandlung von Lungenkrebs steht die Immuntherapie zur Verfügung. Sie zielt darauf ab, das eigene Immunsystem der Betroffenen so zu aktivieren, dass es den Tumor als „krank/fremd“ erkennt und ihn daher bekämpfen kann. Denn Krebszellen können sich vor dem Immunsystem „tarnen“, sodass die körpereigenen Abwehrzellen die Tumore nicht erkennen und somit nicht angreifen. Dies erreichen Tumore beispielsweise, in dem sie die Aktivität von Immunzellen hemmen oder sogenannte Immun-Checkpoints manipulieren.