Bei der Behandlung von Lungenkrebs wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt – sowohl im Bereich der Diagnostik als auch der Behandlung. So können mittlerweile immer mehr Tumormarker identifiziert werden. Und es stehen für die Behandlung von Lungenkrebs immer mehr Therapien und Therapiekombinationen zur Verfügung. Darüber hinaus wird die Zahl der Patienten, die von zielgerichteter und Immuntherapie profitieren, immer größer.

Es werden immer mehr Angriffsziele entdeckt, an denen die Behandlung von Lungenkrebs ansetzen kann. Anlässlich des Welt-Lungenkrebstages am 1. August erklärte der Lungenkrebs-Experte Dr. Maximilian Hochmair, dass vor rund 10 Jahren in Österreich nur etwa 10 % der Lungenkrebspatienten eine zielgerichtete Therapie angeboten werden konnte. Mittlerweile habe sich die Zahl jener Patienten, die für eine solche „targeted therapy“ in Frage kommen, verdreifacht – denn es könnten immer mehr genetische Veränderungen am Tumor identifiziert werden. „Und diese Entwicklung geht unaufhaltsam weiter“, zeigt sich der Leiter des Arbeitskreises Pneumologische Onkologie der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie optimistisch.

„Menschen, die in Österreich an Lungenkrebs erkranken, haben Glück im Unglück, denn sie können gewiss sein, die bestmögliche Behandlung zu erhalten: Aufgrund der hervorragenden Behandlungsstrukturen, der hohen Forschungs- und Studienaktivität auf dem Gebiet des Bronchuskarzinoms, nicht zuletzt dank der ÖGP, sind wir in Österreich bei der Behandlung von Lungenkrebs weltweit führend.“

Früherer Einsatz von zielgerichteten Therapien und Immuntherapie

Wurden früher moderne, für Patienten weniger belastende Lungenkrebstherapien erst dann eingesetzt, wenn herkömmliche Therapien ausgeschöpft waren, gibt es nun eine immer stärkere Tendenz, zielgerichtete Therapien und die Immuntherapie in einem früheren Lungenkrebsstadium anzuwenden – und nicht erst dann, wenn die Möglichkeiten einer Chemotherapie, Operation und/oder Strahlentherapie bereits ausgereizt sind. Hochmair zufolge hätten am Krebskongress ASCO im Juni 2021 vorgestellte Studien darauf hingewiesen, dass selbst in der sogenannten neoadjuvanten Therapie eine Kombination von Chemo- und Immuntherapie deutliche Vorteile gegenüber einer alleinigen neoadjuvanten Chemotherapie bringe. „Die Chemotherapie mit all ihren belastenden Nebenwirkungen wird durch diese Entwicklungen zunehmend zur ‚Add-on-Therapie‘. Für die Patienten bedeutet dies: höhere Ansprechrate, längeres Überleben, deutlich weniger Nebenwirkungen und eine bessere Lebensqualität“, so Hochmair.

Verbesserte Diagnose-Methoden

Wurden Lungenkrebs-Patienten bis vor kurzem nur auf einen oder einige wenige Tumormarker getestet, könne Hochmair zufolge heute mittels modernster molekularpathologischer Methoden eine komplette DNA-Analyse und oft auch eine RNA-Analyse des Tumors durchgeführt werden. Dadurch lasse sich herausfinden, ob der jeweilige Tumor eine genetische Veränderungen aufweist, die als Angriffspunkt für eine zielgerichtete Therapie dient bzw. gut auf eine Immuntherapie anspricht.

Nichtrauchen als bester Schutz vor Lungenkrebs

Auch wenn es immer mehr Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung von Lungenkrebs gibt, sollte eines nicht vergessen werden: Nichtrauchen – ob aktiv oder passiv – ist nach wie vor der beste Schutz vor der Entwicklung von Lungenkrebs. Denn ganze 85 % der Lungenkrebspatienten sind oder waren Raucher.