Patienten mit Asthma oder allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) haben ein höheres Risiko, Nasenpolypen zu bekommen. Aktuellen Studien zufolge fanden sich bei 25 Prozent der Asthmatiker und 23 Prozent der Heuschnupfenpatienten Nasenpolypen. OA Dr. Martin Bruch, Facharzt für HNO, Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern, Linz, erklärte bei unserem Online-Jour-fixe im Juni die Zusammenhänge und welche Behandlungsmethoden es dazu gibt.

Nasenpolypen kommen im Rahmen einer chronischen Rhinosinusitis vor. Meist rinnt dabei die Nase oder ist verstopft und die Entzündung dauert mehr als zwölf Wochen. Eigentlich sind es gutartige Gewebewucherungen der Nasenschleimhaut. Die genaue Ursache ist noch unklar. Betroffen sind zwischen zwei und vier Prozent der Bevölkerung. In den letzten Jahren wurde der Begriff der „united airway disease“ geprägt. Das heißt, dass die chronische Rhinitis (also die andauernd verstopfte und verschnupfte Nase), aber auch Asthma Ausprägungen desselben Krankheitsprozesses in den Atemwegen sind. Laut aktuellen Studien sind Nasen­polypen bei 25 % der Asthma- und 23 % der Heuschnupfenpatienten zu finden.

Schleimhautreizende Allergene sind ein Risikofaktor

OA Dr. Martin Bruch, Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern, Linz

„Als einer der größten Risikofaktoren gilt eine immunologisch bedingte Schleimhautentzündung in Nase oder Nasen­nebenhöhlen – verstärkt durch Infekte oder Allergien“, erklärt OA Martin Bruch beim Online-Jour-fixe der Österreichischen Lungen­union. „Allergene können unter anderem die Schleimhautbarriere noch weiter schwächen und so zum Wachstum der Polypen beitragen.“

Wie machen sich Nasenpolypen bemerkbar?

Anfangs machen Nasenpolypen oft keine Beschwerden. Nehmen sie an Größe zu, können sie unterschiedliche Symptome hervorrufen. „Betroffene haben das Gefühl, ständig eine verstopfte Nase zu haben und können schlechter atmen. Ständig läuft eingedickter Schleim den Rachen hinunter“, schildert Martin Bruch. „Außerdem leiden die Betroffenen an wiederkehrenden Entzündungen der Nasennebenhöhlen sowie auch dumpfen Gesichts- und Kopfschmerzen. Oftmals treten auch eine Einschränkung des Geruchsinns, Schlafstörungen oder eine Erschöpfungssymptomatik auf.“

Alte und neue Behandlungsmethoden

Als Basistherapie empfiehlt der Experte Nasenspülungen mit Salzlösungen, da diese die Nasenschleimhaut verbessern und somit einen abschwellenden Effekt haben. Kleinere Polypen können sehr gut medikamentös behandelt werden. Kortison wirkt entzündungs- sowie auch wachstumshemmend – kleinere Polypen können sogar oft gänzlich verschwinden. Meist hilft eine Kortisongabe als Nasenspray. Bei schwereren Fällen ist auch eine zwei- bis dreiwöchige Kur mit Kortisontabletten überlegenswert; länger nicht, weil die Nebenwirkungen zu groß sind. Als letzte Option bleibt eine Operation.

„Ein neuer Ansatz ist die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern, also Biologika. Diese Medikamente werden auch bei schwerem Asthma erfolgreich eingesetzt und sind bei Polypen ebenfalls erfolgversprechend“, freut sich Martin Bruch und ergänzt: „Die Entscheidung, ob diese Therapie und auch welches Medikament in Frage kommt, sollten im Optimalfall Lungenfacharzt und HNO-Arzt gemeinsam treffen. Jedoch mit den heutzutage zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten sollte die Erkrankung eines jeden von Nasenpolypen Betroffenen zu kontrollieren sein.“