Wird die Diagnose Lungenkrebs gestellt, treten viele Fragen auf. „Diese Fragen sollten sich betroffene Patienten notieren, um für das nächste Gespräch mit dem behandelnden Arzt vorbereitet zu sein“, rät der Lungenexperte Prim. Assoc. Prof. Dr. Peter Errhalt bei einem Webinar der Österreichischen Lungenunion.

Lungenkrebs (Bronchuskarzinom) ist bei Männern nach dem Prostatakrebs mit 15 Prozent die zweithäufigste Krebserkrankung und rangiert bei der Sterblichkeit an erster Stelle. Bei Frauen ist eine Tumorerkrankung der Lunge nach Brust- und Darmkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung und liegt hinsichtlich der Sterblichkeit an zweiter Stelle.

„In mehr als 90 Prozent der Fälle ist Rauchen die Hauptursache für die Entstehung von Lungenkrebs. Insgesamt ist das Risiko von Rauchern, an Lungenkrebs zu sterben, 40 Mal so hoch wie bei Nichtrauchern“, weiß Prim. Assoc. Prof. Dr. Peter Errhalt, Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Krems. Doch auch Faktoren wie Passivrauchen, Asbeststäube, Arsenverbindungen, radioaktive Stoffe sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe würden – oft erst nach Jahrzehnten – zur Entstehung von Lungenkrebs beitragen.

Mögliche Symptome von Lungenkrebs

Laut Peter Errhalt gibt es zahlreiche Diagnosen, die einen Hinweis auf das Vorliegen von Krebs im Bereich der Lunge geben können: Beginnend bei hartnäckigem Husten, der sich nicht bessert oder sich plötzlich verändert, über anhaltende Heiserkeit, Atemnot, ständige Brustschmerzen, nächtliches Schwitzen, Auswurf mit oder ohne Blutbeimengung, Schwellungen von Gesicht oder Hals, mangelnden Appetit oder starken Gewichtsverlust über Fieberschübe, allgemeines Krankheitsgefühl und Schwäche bis zu neurologischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Lähmungen.

Prim. Assoc. Prof. Dr. Peter Errhalt,
Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Krems

Untersuchungsmethoden

„Es gibt nicht den Lungenkrebs“, betont Peter Errhalt. Deshalb muss genau untersucht werden, welche Unterschiede im Tumorgewebe vorliegen, denn nur so kann man herausfinden, was den Patienten schlussendlich helfen wird.

Häufig wird die Diagnose Lungenkrebs als Zufallsbefund im Zuge einer Röntgenuntersuchung gestellt, aber auch mit diagnostischen Methoden wie Computer- oder Magnetresonanztomographie oder einem PET-Scan kann Lungenkrebs diagnostiziert und das Lungengewebe genauer untersucht werden. Weitere Diagnosemöglichkeiten sind Ultraschall-Bronchoskopie, „liquid biopsy“ und der Sputum-Analyse.

Beim Lungenkrebs unterscheidet man zwei große Gruppen: Das kleinzellige und das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom. Das kleinzellige Lungenkarzinom betrifft 12 bis 15 Prozent der Lungenkrebspatienten und muss nicht weiter unterschieden werden. Eine Operation ist selten möglich. Diese Lungenkrebsvariante wächst Peter Errhalt zufolge schnell, bildet rasch Metastasen und spricht häufig sehr rasch und gut auf eine Therapie an. Allerdings kommt es meist rasch zu einem Rückfall.

Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom betrifft 85 bis 88 Prozent der Lungenkrebspatienten und muss unbedingt weiter untersucht werden. Denn es ist wichtig, um welche Untervarianten es sich handelt gibt: das Plattenepithelkarzinom, das Adeno-Karzinom und andere Varianten wie Mischtypen und das großzellige Karzinom.

Behandlung von Lungenkrebs

Unterschiedliche Untersuchungsmethoden sind nötig, weil die Behandlung von Lungenkrebs davon abhängt, welche Art von Lungenkrebs vorliegt, in welchem Allgemeinzustand sich die betroffene Person befindet und wie weit sich der Lungenkrebs bereits ausgebreitet hat.

Generell lässt sich ein Tumor in ein Stadium von 1 bis 4 einteilen. Das Stadium hängt in erster Linie von der Tumorgröße und der Lage des Tumors, der Lage von Lymphknoten in Relation zum Tumor und auch davon ab, ob sich Metastasen innerhalb oder auch außerhalb der Lunge befinden. „Abhängig von der Art des Tumors und dessen Eigenschaften sowie histologischer und molekularpathologischer Ergebnisse werden die Ergebnisse im sogenannten Tumorboard aus einem Radiologen, besprochen und die Therapie festgelegt“, erklärt der Lungenexperte.

Bei einem kleinen Lungenkrebs ohne Metastasen ist eventuell eine Operation möglich, wobei meist eine Knopflochoperation durchgeführt werden. Bei ausgedehntem Lungenkrebs und/oder Metastasen (Tochtergeschwülste) kommt häufig eine Präzisions-Strahlentherapie oder eine systemische wie etwa eine Chemotherapie in Frage. „Die Chemotherapie hat ihren Schrecken größtenteils verloren, denn es gibt ausgezeichnete Medikamente, die die Verträglichkeit verbessern“, so Peter Errhalt. In vielen Fällen kommt auch eine Immuntherapie oder zielgerichtete Therapie zum Einsatz.

Abschließend merkt Peter Errhalt an, dass die beste Entscheidung darin bestehe, nicht zu rauchen.

Quelle: Online Jour-fixe der Österreichischen Lungenunion, 30. März 2022