Rinnt Ihre Nase das ganze Jahr über? Nehmen Ihre Beschwerden vielleicht im Herbst und Winter zu, dann, wenn Sie sich überwiegend im Haus aufhalten? Dann kann eine Allergie gegen „Hausstaub“ – besser gesagt: gegen Hausstaubmilben bzw. deren Kot – dahinterstecken.

Die Hausstaubmilbe gehört zur Familie der Spinnentiere. Diese Lebewesen sind mikroskopisch klein (ungefähr ein Drittel Millimeter) und mit dem freien Auge nicht sichtbar. Der Fachausdruck für die wichtigste Hausstaubmilbe ist: Dermatophagoides, das bedeutet „Hautfresser“. Tatsächlich ernähren sich die Milben hauptsächlich von menschlichen und tierischen Hautschuppen, aber auch von Naturfasern, Federn und Wolle. Die kleinen Bewohnen sind im Prinzip unschädlich, wenn man von der Allergie absieht.

Die Milben leben etwa drei Monate und können sich stark vermehren: die weiblichen legen rund 40 Eier und produzieren so alle drei Wochen eine neue Generation. Die für die Auslösung der Allergie verantwortlichen Stoffe sind vorwiegend in den Ausscheidungen der Milbe enthalten, in einem Gramm Hausstaub aus Polster oder Matratze befinden sich, je nach Milbenbelastung, rund 10.000 solcher Kotbällchen. Diese werden eingeatmet, und führen bei Allergikern zu den Symptomen an den Schleimhäuten der Atemwege. Ständig gereizte, geschwollene und infektionsanfällige Schleimhäute, Nebenhöhlenbeschwerden und Kopfschmerzen sind die Folge, aber auch, Husten, pfeifende und giemende Geräusche beim Ausatmen und Atembeschwerden können auftreten. Außerdem können bei intensivem Kontakt (z.B. im Bett) allergische Hautausschläge entstehen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Allergenbelastung, welche die Beschwerden der Allergiker auslöst, vorwiegend während des Schlafes stattfindet. Hohe Luftfeuchtigkeit und Raumtemperaturen von über 22 Grad schaffen für Milben optimale Lebensbedingungen. Während des Schlafens erhöht sich die Temperatur im Bett auf 25-30 Grad und unser Körper gibt Feuchtigkeit ab – ideale Bedingung für die Staubmilbe um sich zu ernähren und zu vermehren. Daher sind alle Bemühungen die Allergenbelastung zu reduzieren auf den Bettbereich zu konzentrieren! Die höchsten Milbenkonzentrationen werden in Schlafräumen – Bettdecken, Kopfkissen und Matratzen – gefunden. Auch Polstermöbel stellen einen bevorzugten Lebensraum der Milben dar. Teppiche und Teppichböden werden mitbesiedelt, sie sind aber erst in zweiter Linie von Interesse. Die höchsten Milbenbelastungen sind im Herbst (Beginn der Heizperiode) und im Frühjahr zu erwarten. Trotz größter Reinlichkeit lassen sich Milben aus textilen Einrichtungsgegenständen mit normalen Methoden nicht vollkommen eliminieren, wenn diese einmal besiedelt sind.

Tipps für Hausstaubmilbenallergiker:

  • Die Bekämpfung der Staubmilben im Schlafbereich ist der wichtigste Aspekt bei der gesamten Sanierungsaktion! Für Kopfkissen, Bettdecken und Matratzen stehen Umhüllungen (sogenannte „encasings“) zur Verfügung, welche ein Durchtreten allergenhältiger Staubpartikel unmöglich machen.
  • Einen ähnliche Erfolg erzielt man mit speziellen Allergikerbettdecken und -pölstern, allerdings müssen diese regelmäßig mit mindestens 60 Grad gewaschen werden.
  • Es gibt Firmen die eine Reinigung der Matratze mit Dampf und hohen Temperaturen, kombiniert mit gründlicher Saugung durchführen.
  • Vorsicht mit Stoffkuscheltieren bei Kindern, sie müssen bei der Staubmilbensanierung berücksichtigt werden. Auch sie sollten waschbar sein, eine Alternative wäre die Abtötung der Milben durch 1-2 tägige Lagerung im Tiefkühlfach und anschließende exakte Reinigung mit dem Staubsauger. Ein längerer Aufenthalt im Wäschetrockner, bei Schranktrocken, ist eine Alternative.
  • Die Luftfeuchtigkeit im Wohnbereich sollte niedrig, etwa bei 50% gehalten werden. Keine Luftbefeuchter verwenden und die Zahl der Zimmerpflanzen reduzieren. Die Anschaffung eines Hygrometers ist zu empfehlen.
  • Die Raumtemperatur sollte unter 22 Grad liegen, der Schlafbereich möglichst nicht geheizt werden. · Es empfehlen sich Fußböden die regelmäßig feucht gewischt werden können, Teppiche / Teppichböden sollten mit speziellem Reinigungsschaum oder -spray behandelt werden, der milbentötende Substanzen beinhaltet.
  • Ersetzen Sie Polstermöbel durch Holz oder Kunststoffmöbel, bei Sitzgarnituren ist Leder gegenüber Stoff zu bevorzugen.
  • Staubsauger sollten spezielle Mikrofilter (HEPA Filter) Filter haben, schlecht gefilterte Staubsauger erhöhen unter Umständen die Allergenbelastung. Luftreiniger mit Mikrofiltern können bei starker Staubmilbenallergie nützlich sein, hier liegen aber noch nicht genügend Studien vor um eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen zu können.
  • Unbedingt notwendige Staubarbeiten sollten mit einer Maske erledigt werden.
  • Nehmen Sie auf Urlaub Ihren eigenen Kopfpolster mit.

Eine Impfkur hilft

Wer seine Wohnung (vor allem den Schlafraum) gründlich saniert, dessen Hausstaubmilbenallergie verbessert sich meist deutlich. In vielen Fällen normalisiert sich der Gesundheitszustand sogar vollständig. Führen diese Maßnahmen aber innerhalb von etwa sechs Monaten nicht zum Erfolg, ist es ratsam mit dem Facharzt weitere Behandlungsschritte zu besprechen.

Antihistaminika (wie z.B. Aerius® , Xyzal® oder Allergodil®), Kortison haltige Nasensprays (wie z.B. Nasonex®, Avamys®, Rhinocort® ) oder das neuartige Azelastine/Fluticasone Nasenspray Dymista® können die Beschwerden von Hausstauballergikern lindern und auch ihrem Auftreten vorbeugen. Ihre Wirkung hält aber nur so lange an, wie sie angewandt werden. Sie führen keine Heilung herbei und beseitigen das Grundübel nicht.

Um eine Hausstauballergie für immer oder wenigstens für einen langen Zeitraum zu verlieren, bietet sich eine so genannte Impfkur (spezifische Immuntherapie) an. Dabei wird der Körper sehr langsam aber beständig an die allergieauslösende Substanz gewöhnt. Sie erhalten kleine, langsam steigende Dosen des krankmachenden Allergens unter die Haut gespritzt. Nach zwei bis drei Jahren sollten – wenn die Behandlung erfolgreich ist – Ihre Beschwerden dann weitgehend verschwunden sein. Langzeitschutz wird bei der Hausstaubmilbe bald auch ohne Spritze möglich sein. Die Hausstaubmilbentablette wird voraussichtlich nächstes Jahr verfügbar sein. Diese Behandlung wirkt als einzige gezielt gegen die Ursache der allergischen Erkrankung und kann vom Spezialisten heute meist mit großem Erfolg durchgeführt werden.

Achtung! Hausstaub-Allergiker sollten auch bei Gerichten mit Meeresfrüchten vorsichtig sein. In Extremfällen kann es beim Genuss von Schalentieren zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen. Lassen Sie sich vor allem vor einem Urlaub in südlichen Ländern vom Arzt beraten!