Unter dem Mikroskop können verschiedene histologische Typen des Lungenkrebses unterschieden werden. Für die Behandlung ist entscheidend, ob ein kleinzelliges Bronchuskarzinom vorliegt, oder nicht. Denn im Gegensatz zu allen anderen, spricht der kleinzellige Gewebetyp gut auf eine Chemotherapie an. Die Histologie gibt auch über den Differenzierungsgrad und damit über die Aggressivität der Krebszellen Auskunft.

Die Tumorzellen können verschiedenen Gewebemustern entsprechen. Diese Einteilung hängt tatsächlich von der Größe der Tumorzellen ab und ist von enormer Bedeutung für Therapie und Verlauf der Erkrankung.

Kleinzellige Lungenkrebse machen rund 20 % aller Bronchuskarzinome aus und verhalten sich biologisch ganz anders, als nicht kleinzellige Vertreter. Zu diesen gehören neben dem Adenokarzinom und dem Plattenepithelkarzinom auch das großzellige Bronchuskarzinom, sowie seltenere Gewebetypen wie das Karzinoid oder das Bronchoalveoläre Karzinom.

Kleinzellige Karzinom

Das kleinzellige Karzinom nimmt nicht nur eine besondere Rolle unter den Bronchuskarzinomen ein, es fällt auch durch besonders aggressives, bösartiges Wachstum und eine sehr starke Assoziation zum Rauchen auf. Es wächst und metastasiert ausgesprochen rasch, beinahe drei Viertel aller Fälle werden erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt.

Die typische Lokalisation ist zentral in der Nähe des Lungenhilus. Rund 20 % aller Lungenkrebse sind kleinzellig und haben damit eine besonders ungünstige Prognose. Umgekehrt sprechen kleinzellige Formen viel besser, als nicht kleinzellige auf eine Chemotherapie an.

Daher werden kleinzellige Karzinome bevorzugt chemotherapeutisch behandelt, und oft im Anschluss bestrahlt. Eine Operation ist nur in sehr frühen Stadien sinnvoll und kommt nur bei etwa 10 % aller Fälle in Frage. Die Prognose dieser aggressiven Krebsart ist entsprechend ungünstiger, als bei nicht-kleinzelligen Karzinomen. Allerdings konnten die Behandlungserfolge durch wirksamere Chemotherapiekombinationen erheblich gesteigert werden: sowohl die Anzahl der erzielbaren Heilungen, als auch die Überlebenszeit bei nicht heilbaren Formen sind deutlich angestiegen. Der Erfolg der Chemo- und Strahlentherapie liegt nicht zuletzt in der Aggressivität der Krebsart selbst begründet: ihr rasches Wachstum und ihre hohe Zellteilungsrate machen sie empfindlicher gegenüber den Wirkstoffen, als langsam aber zäh wachsende Krebszellen.

Eine weitere Besonderheit der kleinzelligen Krebse ist ihre hormonelle Aktivität: In manchen, nicht allen Fällen bilden die Tumorzellen hormonähnlich wirksame Stoffe, die zu Störungen im natürlichen Stoffwechsel, den Paraneoplastischen Syndromen führen können. Beispiele dafür sind das paraneoplastische Cushing Syndrom mit erhöhter Bildung von Cortisol in der Nebenniere, das Syndrom der Inadäquaten ADH Ausschüttung SIADH, bei dem es zu Natriumverlusten kommt, oder das Lambert-Eaton Syndrom, das durch Muskelschwäche gekennzeichnet ist. Auch bei der Stadieneinteilung fällt das kleinzellige Bronchuskarzinom aus der Reihe: die für Therapie und Prognose wesentliche Unterscheidung ist die Begrenzung auf eine Lungenhälfte. Ist lediglich eine Lunge ohne Befall des Mediastinums oder der Lymphknoten außerhalb des Thorax betroffen, wird von einer Limited disease gesprochen.

Dieser Befund ist mit einer guten Prognose verbunden, während die Extended disease, das sind alle weiter ausgebreiteten Stadien oder Formen bei denen ein Pleuraerguss auftritt, weniger gute Heilungsaussichten bieten. Die durchschnittlichen Überlebenszeiten ab Diagnosestellung spiegeln die Differenz zwischen den beiden Stadien wider: Während bei der begrenzten Form eine Zwei-Jahres-Überlebensrate zwischen 20 und 30 % besteht, leben nach zwei Jahren ab Diagnosestellung weniger, als 10 % aller Patienten mit der ausgebreiteten Erkrankung. Bei der Beurteilung dieser Zahlen darf aber nicht vergessen werden, dass sie sich auf statistische Durchschnitte beziehen und das Schicksal des Einzelnen daraus nicht direkt abgeleitet werden kann. Gerade am Anfang einer Tumorerkrankung kann der Arzt nicht sagen, wie lange ein Patient noch zu leben hat!

Nicht-kleinzellige Karzinome – eine heterogene Gruppe

Unter der Bezeichnung nicht-kleinzellige Bronchuskarzinome werden vorwiegend drei histologische Typen zusammengefasst: Das Adenokarzinom, das Plattenepithelkarzinom und das großzellige Karzinom. Ebenso dazu gehören seltenere Formen wie das Karzinoid, das Bronchoalveläre Karzinom oder gemischte Tumore ohne kleinzellige Anteile. Denn: jeder Lungenkrebs, der kleinzelliges Gewebe enthält, wird als kleinzellig gewertet, auch wenn daneben andere Gewebetypen vorkommen.

Das Zusammenfassen dieser histologisch ganz unterschiedlichen Tumore ist durchaus gerechtfertigt, da sie alle die gleiche therapeutische Konsequenz teilen. Bei den nicht-kleinzelligen Krebsen steht die chirurgische Therapie mit einer Operation im Vordergrund. Chemotherapie und Bestrahlung kommen adjuvant, also im Anschluss an die Operation zum Einsatz und helfen nicht erfasste Anteile oder Metastasen zu bekämpfen. Die Ansprechraten auf eine Chemotherapie liegen jedoch nur bei etwa 30%. Nicht-kleinzellige Karzinome machen etwa 80 % aller Lungenkrebse aus.

Adenokarzinome – metastasieren später

Weil es häufig in der Lungenperipherie und verbunden mit Narben und Fibrosen auftaucht, dachte man früher, das Adenokarzinom wachse in abgeheilten Lungeninfarkt- oder Tuberkulosenarben. Heute ist bekannt, dass die Narbenbildung eine Reaktion des Körpers auf diesen Krebs ist.

Karzinoide – genauer Erklärt

Weil es häufig in der Lungenperipherie und verbunden mit Narben und Fibrosen auftaucht, dachte man früher, das Adenokarzinom wachse in abgeheilten Lungeninfarkt- oder Tuberkulosenarben. Heute ist bekannt, dass die Narbenbildung eine Reaktion des Körpers auf diesen Krebs ist.

Das Adenokarzinom metastasiert in der Regel später, als die anderen Gewebetypen. Damit besteht bei vollständiger Operation eine höhere Heilungswahrscheinlichkeit. Nach kompletter Entfernung haben Betroffene eine Fünf-Jahres-Überlebensrate von 50 bis 80 %. Der Pathologe kann innerhalb des Adenokarzioms weitere histologische Subtypen unterscheiden, die sich durch ganz unterschiedliche Zellformationen auszeichnen. Adenokarzinome machen zwischen 15 und 30 % aller Lungenkrebse aus. Das seltene Bronchoalveoläre Karzinom gilt ebenfalls als ein Verwandter des Adenokarzinoms. Es geht von den Alveolarwänden aus und fällt durch eine geringe Neigung zu invasivem Wachstum und Metastasierung auf. Eine besonders starke Schleimbildung und -absonderung ist möglich, sie kann mitunter zur Entdeckung dieses Krebses führen.

Plattenepithelkarzinome sind die häufigsten Lungenkrebse
Mit einem Anteil von 30 bis 40 % aller bösartigen Lungentumore stellt das Plattenepithelkarzinom den häufigsten Gewebetyp dar. Es besteht eine starke Assoziation mit Rauchen. Plattenepithelkarzinome kommen bei Rauchern häufig auch im Bereich der Mundhöhle, der Zunge oder im Kehlkopf vor. Der Begriff Plattenepithel umschreibt eine sehr widerstands- und regenerationsfähige Zellschicht, so sind beispielsweise die Schleimhäute der Mundhöhle, der Speiseröhre oder der Geschlechtsorgane zu großen Teilen mit dieser Gewebeschicht ausgekleidet.

Das stärkste Plattenepithel des Körpers trägt die Haut, bei der es im Gegensatz zu den Schleimhäuten auch zur Verhornung, dem trockenen Abschilfern alter Zellen kommt. Die Atemwege sind unter normalen Bedingungen keinen starken Belastungen ausgesetzt und tragen das wesentlich empfindlichere Flimmerepithel. Mit dem Rauchen kommt es zu einer Schädigung des Flimmerepithels, welches sich bei dauernder Reizung zu Plattenepithel umwandeln kann. In diesen umgeformten Gebieten treten häufig maligne Entartungen auf. Unter dem Mikroskop können sich auch die Plattenepithelkarzinome variabel präsentieren. Sowohl verhornende, als auch schleimhautähnliche, sowie völlig entartete Gewebe können gefunden werden. Innerhalb der nicht-kleinzelligen Gruppe sprechen Plattenepithelkarzinome verhältnismäßig gut auf Chemotherapie an.

Großzellige Karzinome sind eine Ausschlussdiagnose
Wenn kein für die bisher genannten Karzinome typisches Wachstumsmuster gefunden werden kann, wird die Diagnose des Großzelligen Bronchuskarzinoms gestellt. Diese Tumore machen etwa 10 % aller Lungenkrebse aus. Auch sie metastasieren früh und werden primär chirurgisch behandelt.

Karzinoide sind nicht auf das Rauchen zurückzuführen
Die mit 2 % seltenen Karzinoide nehmen eine Sonderstellung unter den Lungenkrebsen ein. Sie stammen von den wenig differenzierten Basalzellen der Schleimhäute in den Atemwegen ab und können Hormone und Signalstoffe produzieren. Allerdings ist der Großteil hormonell nicht aktiv und kann so lange verborgen bleiben. Karzinoide konnten nicht mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden und kommen bei Männern wie Frauen nahezu gleich häufig vor. Der Pathologe kann typische und atypische Karzinoide unterscheiden. Typische Formen haben mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von 90 % nach Operation eine sehr gute Prognose. Bei atypischen Karzinoiden liegt dieser Wert bei 60 %.

Die Lunge – häufig selbst ein Opfer von Metastasen
Die häufigsten bösartigen Tumorgewebe in der Lunge sind nicht die primären Bronchuskarzinome, sondern Lungenmetastasen verschiedenster anderer Krebserkrankungen. Mehr als die Hälfte aller an Krebs verstorbenen Menschen hatte Lungenmetastasen und nahezu alle häufigen Krebse metastasieren regelmäßig in die Lunge. Vor allem bösartige Tumore des Magens oder der Bauchspeicheldrüse sind häufig der Ausgangspunkt einer massiven Metastasierung in die Lunge. Sie kann im Röntgenbild als so genanntes ‚cannon ball’ Bild der Lunge gesehen werden: beide Lungenflügel sind wie von einem Schrotschuss von Rundherden durchsetzt.