Für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen ergeben sich neben der Beanspruchung durch die Krankheit an sich emotionale Probleme, zu diesen zählen Ängste, Depressionen, Belastungsreaktionen, Verzweiflung, aber auch familiäre Probleme.

Die Erkrankung eines Familienmitglieds beeinflusst das alltägliche Leben in der Familie. Andererseits beeinflussen familiäre Normen und Einstellungen der Familienmitglieder bezüglich der Krankheit die Art des Umgangs des Betroffenen mit derselben.

Es gibt unterschiedliche Reaktionsweisen von Menschen, auf die Erkrankung eines Angehörigen zu reagieren. Diese reichen von Überfürsorglichkeit, positiver emotionaler Zuwendung bis zu Unverständnis, Hilflosigkeit und Aggressionsäußerungen. Ebenso wie die an chronischen Atemwegserkrankung Leidenden erleben auch Angehörige Zustände von Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Verunsicherung, etc. das Gefühl, jemandem Nahestehenden nicht wirklich helfen zu können, keine Kontrolle über die Krankheit zu haben, macht unsicher und hilflos. Dieser Unsicherheit lässt sich am ehesten entgegenwirken durch Information über die Krankheit und über Behandlungsmethoden.

Jede chronische Krankheit ist eine Herausforderung an das Bewältigungsrepertoire eines Menschen. Mit einer chronischen Krankheit muss ich mich auseinandersetzen, muss daraus entstehende Belastungen verarbeiten.

Reicht mein Repertoire nicht aus, müssen neue Verhaltensmuster, bis hin zur Veränderung von Lebensbedingungen und – gewohnheiten erworben werden. Es geht darum, psychische Faktoren, die das Krankheitsbild verschlechtern oder mitbedingen, herauszufiltern und daran etwas zu verändern.

Das Erleben von zumindest einem gewissen Maß an Kontrolle ist unabdingbar für das Verhindern von Depressionen in der Krankheitsfolge.

Haben Patienten die innere Überzeugung, der Krankheit und der damit verbundenen psychischen Beanspruchung völlig ausgeliefert zu sein, erleben sie stärkeren Stress, was zu geringerer seelischer Stabilität und zuletzt auch zu Verschlechterung des Zustandsbildes führt.

Je mehr Angehörige Bescheid wissen über die Krankheit und die damit verbundenen seelischen Belastungen, umso eher können sie auch hilfreich in den Prozess der Krankheitsverarbeitung des/der betroffenen eingebunden werden.

Setzt man ein Mobile an einer Stelle in Bewegung, so setzt sich diese Bewegung im ganzen System fort. Genauso ist es in einem Familiensystem oder in einem System von Freunden, Bekannten, etc. Erkrankt ein Mitglied, so verändern sich zwangsläufig alle, die in dieses System integriert sind.

Chronisch Kranke müssen ihre Lebensgewohnheiten in gewissem Maß der Krankheit anpassen.

Sie müssen abschätzen lernen, wann und welche Situationen sie zu sehr beanspruchen; sie müssen zuerst einmal lernen, wahrzunehmen, welche Faktoren den Krankheitsverlauf günstig oder ungünstig beeinflussen. Das führt in Folge manchmal dazu, dass Angehörige vor den Kopf gestoßen werden, z.B. dass im letzten Moment eine bereits lang geplante Unternehmung abgesagt wird oder bestimmte Erledigungen an andere delegiert werden, die man doch zuvor immer allein bewältigt hat. Sind die Angehörigen informiert, werden sie mit diesen überraschenden Veränderungen eher fertig. Es gibt auch die andere Art von Angehörigen, mit Krankheiten umzugehen. Vielfach entsteht in Familien so etwas wie eine „Sanatoriumsatmosphäre“, d.h. alle Dinge werden dem Erkrankten abgenommen, es wird ihm/ihr ständig vermittelt: „Schone Dich, Du bist ja krank!“ Wird der so behandelte einmal aggressiv, äußert Bedürfnisse, so benennt man ihn als undankbar oder – weniger fein – als „nicht mehr ganz normal“.

In der Betreuung von Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen hat es sich als sinnvoll erwiesen, Angehörige miteinzubeziehen. Interventionsmöglichkeiten, bei denen Familienmitglieder einbezogen werden können, betreffen Hilfestellungen zur Wahrnehmung von Kommunikationsmustern innerhalb der Familie, bzw. zur Veränderung derselben und Unterstützung beim erkennen und Hinterfragen der eigenen Art des Umgangs mit der Krankheit, bzw. auch Eingestehen eigener Ängste und Ohnmachtgefühle.

Oft wird ein spezielles Bewältigungsverhalten eines Erkrankten durch das System Familie aufrechterhalten, obwohl es für niemanden förderlich ist: es gibt Patienten, die – um die anderen zu schonen – möglichst wenig von ihrer Krankheit, bzw. den damit verbundenen Ängsten und Sorgen erzählen, die so tun, als „gäbe es die Krankheit nicht.“ Gleichzeitig überfordern sie sich damit, werden unzufrieden, erleben Stimmungsschwankungen, etc. Die Angehörigen spielen oft in der Weise mit, dass sie ihrerseits denken, „wenn ich ihn/sie jetzt auf die Krankheit anspreche, geht`s ihm/ihr wahrscheinlich schlecht, es wird sein/ihr Wunsch sein, nicht darüber zu sprechen; außerdem wüsste ich eh nicht, was ich ihm/ihr dann raten sollte.“ So entsteht scheinbar Übereinkommen darüber, dass es besser ist, die Krankheit zu verleugnen.

Ein dauerndes „Auf die Krankheit Bezogensein“ und die andauernde Beschäftigung damit ist für eine adäquate Krankheitsbewältigung sicher nicht förderlich, nur das Gegenteil davon – die totale Verleugnung – ist ebenso abzuraten. Auch hier ist ein gesundes Mittelmaß die richtige Entscheidung für ein harmonisches Miteinander.