Wird jemand mit einer Krankheit konfrontiert, werden Bewältigungsprozesse in Gang gesetzt. Eine Vielzahl psychischer Probleme ergibt sich häufig erst in der Krankheitsfolge (Ängste, wie z.B. Erwartungsängste, Phobien, reaktive Depressionen, familiäre Probleme, Schwierigkeiten damit, Grenzen zu setzen oder ”nein” sagen zu lernen, etc.) und verstärken sich. Asthmaerkrankung zieht häufig zusätzliche Probleme nach sich, die den Krankheitszustand wesentlich beeinträchtigen.

Zu ihnen gehören:

  • Emotionale Störungen (Ängste, Depressionen, Stimmungs-schwankungen,…)
  • Verlust sozialer Fertigkeiten (durch Unsicherheit, die sich auf immer mehr Situationen überträgt)
  • Leistungseinbußen
  • Verlust von Kontrolle (das Gefühl, über seine Krankheit keine Kontrolle zu haben, führt zu Generalisierung in dem Sinn, dass immer mehr Situationen als unkontrollierbar erlebt werden)
  • Gestörtes emotionales Gleichgewicht
  • Ohnmachtgefühle
  • Gefühl des Bedrohtseins

Was geschieht bei einer Psychotherapie?

Durch genaue Selbstbeobachtung und bestimmte therapeutische Techniken (z.B. Methode des Gedankenstops bei angsterzeugenden inneren Selbstverbalisationen oder Methode des Erzeugens innerer positiver Vorstellungsbilder) lassen sich diese Teufelskreise (z.B.: Angst – Vermeidung bestimmter Situationen – negative Gedanken – Angststeigerung,…) durchbrechen.

Es geht um Veränderung des Umgangs mit der Krankheit im Sinne einer Minimierung des Angstausmaßes und Veränderung psychischer Vermittlungsprozesse (Bsp.: ”Ich kann nichts dagegen tun”, ”Ich schaffe es nicht”,…).

In der Therapie geht es darum, jene Mechanismen zu durchbrechen, die die Symptomatik hochschaukeln, bzw. aufrechterhalten, sowie die Lebensqualität zu erhöhen.

Zu beobachten sind große Unterschiede zwischen Menschen im Umgang mit Krankheit.

Fallbeispiel einer psychotherapeutischen Behandlung

Eine 35jährige Frau, von Beruf Angestellte, kam wegen Schwierigkeiten, mit ihrer Asthmaerkrankung umzugehen, zu einem ersten klärenden Gespräch. In der Anamnese ergab sich für mich das Bild einer hilfsbedürftigen, sich um andere sorgenden, intelligenten und starken Frau, die sich innerlich gegen die Tatsache, an Asthma erkrankt zu sein, wehrte. Als Folge davon versuchte sie, noch mehr zu leisten – sowohl familiär als auch beruflich, unter dem Motto: “Ich werde der Krankheit schon zeigen, wer der Stärkere ist”.

Auch die regelmäßige vorgeschriebene Medikamenteneinnahme wurde nur halbherzig durchgeführt. In ihrer persönlichen Lebensgeschichte waren viele Phasen zu erkennen, in denen sie sich als sehr schwach erlebt hatte – im Elternhaus wurde ihr vermittelt, sie sei schwach, weil nur ein Mädchen,….; in der ersten Ehe übernahm der Ehemann die Rolle des Beschützers, der ihr alles abnahm und sie in dem Glauben bestärkte, sie allein könnte das Leben nie bewältigen. Eigene Bedürfnisse, z.B. in Bezug auf Lebensgestaltung konnten so nie auftreten, bzw. getraute sie sich nie, diese zu äußern – sie musste ja dankbar sein, dass ihr jeder half.

In der Überbetreuung oder Überfürsorglichkeit der Eltern und des Ehemannes erlebte sie auch zum Teil für sie negative Anteile, die aber gleich abgewehrt werden mussten – sollten manchmal Bedürfnisse nach eigenständigem Handeln hochkommen, durfte sie diese nicht einmal vor sich selbst eingestehen – sonst wäre sie ja undankbar, sie hätte kein Recht dazu.

In der Asthmaerkrankung wiederholten sich jetzt zum Teil diese negativ erlebten Anteile – die Krankheit machte sie noch passiver, noch hilfloser. Ihre Grundüberzeugung: ”Ich bin nicht lebensfähig” verstärkte sich zusehends. Der Leidensdruck wurde so groß, dass sie begann, Depressionen zu entwickeln. Die Asthmaerkrankung wurde so durch das Hilflosigkeitsgefühl (zum Teil aus früherer Biographie stammend), die Erwartungsangst, den dadurch entstehenden Angst- und Erregungszuständen überlagert. Es war ihr nicht mehr möglich, diese Mechanismen zu durchbrechen.

Vorrangigstes Ziel der Therapie war es, die Patientin mit ihrer Krankheit zu versöhnen und eine Verbesserung des Umgangs mit der Krankheit.

Als Teilziele wurden mit ihr ausgemacht: Selbstbeobachtung und Selbstprotokollierung der Asthmasymptomatik, Erkennen von Grenzen der eigenen Belastbarkeit, Stärkung des Selbstwertgefühls durch Erkennen eigener Stärken, teilweises Erlangen von Kontrolle über die Krankheit, Angstbewältigung und Reflexion eigener Ängste sowie Bedürfnisse. Zusätzlich wurden mit ihr neue Strategien im Umgang mit Krankheit besprochen und erarbeitet. Die Patientin konnte nach einer längeren Psychotherapie ihre Krankheit annehmen, sie traute sich mehr zu, es gelang ihr auch, eigene Wünsche zu äußern, sich selbst mehr zu mögen und unbeschwerter zu leben.

Bisherige Untersuchungen auf dem Gebiet der Krankheitsverarbeitung haben ergeben, dass günstige Formen der Verarbeitung u.a. zur Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes beitragen und das emotionale Gleichgewicht sichern. Als günstige Formen erwiesen sich aktive Bewältigungsstrategien im Sinne von problembezogenem coping, d.h. direkte Auseinandersetzung mit stressenden Bedingungen sowie kognitiv – emotionale Bewältigungsstrategien, die auf die Veränderung intrapsychischer Vorgänge abzielen.