Die Kälteurtikaria, oft auch als „Kälteallergie“ bezeichnet, ist eine Sonderform der chronischen induzierbaren Urtikaria und der physikalischen Urtikaria. Unter den physikalischen Urtikariaformen ist die Kälteurtikaria mit etwa 15 Prozent nicht selten. Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen wie Männer.

Die Kälteurtikaria verläuft fast immer chronisch und dauert im Durchschnitt fünf bis sieben Jahre. Bei der Kälteurtikaria löst der Kontakt mit kalten Gegenständen oder auch kaltem Wasser oder Wind die Freisetzung von Histamin aus und zwar an der Stelle, wo die Kälte auf die Haut einwirkt. In kalten Ländern kommt die Kälteurtikaria demnach häufiger vor.

Symptome: Innerhalb weniger Minuten kommt es zur Rötung, Schwellung und heftigem Juckreiz. Individuell sehr unterschiedlich geht es bei einigen schon bei Temperaturwechsel los. Zum Beispiel bei manchen Betroffenen beim Wechsel vom Warmen ins Kalte gehen, bei anderen muss die Außentemperatur unter einen bestimmen Wert fallen, und wieder andere bekommen die Symptome schon, wenn sie etwas Kaltes trinken oder Eis essen. Die Hauterscheinungen sind zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Wenn allerdings große Hautflächen dem Kältereiz ausgesetzt sind, z. B. bei einem Sprung ins kalte Wasser, werden große Mengen an Histamin freigesetzt. Die Folgen sind erhöhter Puls, Blutdruckabfall, Atemnot und ev. ein Kreislaufschock – im schlimmsten Fall in Form eines anaphylaktischen Schocks.

Test: Seit kurzem gibt es die Möglichkeit eines sogenannten Temptests. Dieser wird mit einem speziellen Kältetestgerät durchgeführt, das in der Lage ist, innerhalb des Temperaturbereichs von Null bis 45 Grad genau zu ermitteln, bei welcher Temperatur die Kälteurtikaria beim Patienten ausgelöst wird.

Therapie: Verursacht wird die Kälteurtikaria oft durch Infektionskrankheiten. Manchmal können auch andere Allergene oder Reize die gleiche Symptomatik auslösen u.a. Lebensmittelzusatzstoffe (z.B. Färbemittel), Medikamente, Pflanzen, Tierhaare, gespritztes Obst und Gemüse, Insektenstiche, Druck auf die Haut, körperliche Anstrengung. Diese Reize können, wie Sie sehen, sehr vielfältig sein, so dass sich die Suche nach einem auslösendem Reiz als sehr schwierig erweisen kann.

Da Infektionskrankheiten oft zusammen mit der Kälteurtikaria vorkommen, können generell Antibiotika hilfreich sein, wobei eine ausreichend hohe Dosis (ev. als Infusion)verabreicht werden sollte. Außerdem kommen symptomatisch Antihistaminika und Leukotrienantagonisten zum Einsatz. Als medikamentenfreie Therapiemöglichkeiten kann die sogenannte Hardening-Therapie eingesetzt werden. Bei der Hardening-Therapie (Kältedesensibilisierung) werden die Patienten wiederholt kalten Temperaturen und Bädern ausgesetzt, dadurch sollen sie sich an Kälte gewöhnen.

Zur Vorbeugung wird warme, dichte und hautfreundliche Kleidung empfohlen: Handschuhe, Socken und warme Schuhe. Freie Stellen im Gesicht und andere ungeschützte Körperteile wie Hände, müssen mit einer fetthaltigen Creme versorgt werden. Um das Leben der Patienten vor lebensbedrohlichen Schwellungen im Rachenbereich zu schützen (ausgelöst durch kalte Speisen und Getränke), gibt es ein Notfallset.