Das Wort „factitia“ stammt aus dem lateinischen und ist vom Wort facere abgeleitet, was machen bedeutet. Die Urticaria factitia ist also eine gemachte Urtikaria. Die Urtikaria factitia entsteht durch reiben, kratzen oder scheuern an der Haut. Betroffen sind vor allem junge Erwachsene.

Die Hälfte aller von chronischer Urtikaria betroffenen zeigen zumindest zeitweise Symptome einer Urtikaria factitia. Hier ist der Test besonders einfach: wird mit sanftem Druck ein Spatel oder auch nur ein Fingernagel über die Haut geführt, entsteht genau an diesen Stellen eine Schwellung. Dieses Phänomen wird auch Dermographismus genannt, weil auf diese Weise auf der Haut geschrieben werden kann.

Symptome

Die Leitsymptome der Urtikaria factitia sind flüchtige Quaddeln, Rötungen und Juckreiz. Seltener auch Kribbeln, Beißen und Wärmeempfindung. Die Hauterscheinungen treten niemals spontan, sondern ausschließlich an Stellen auf, an denen enge Kleidung auf der Haut gerieben hat oder an denen gekratzt wurde. Die Stärke der zur Auslösung notwendigen Kräfte variiert stark. Bei manchen Patienten reicht schon ein leichtes Streichen, bei anderen bedarf es eines starken Kratzens, um die Hautveränderungen auszulösen.

Nach dem Reiben oder Kratzen der Haut kommt es zu einer Rötung der Haut (durch erhöhten Blutfluss) um die sich im weiteren Verlauf ein geröteter Hof ausbildet, der weit über die Auslösestelle hinausgeht, an der sich dann eine Quaddel ausbildet und Juckreiz auftritt. Zunächst ist die Quaddel noch rot. Sie wird dann aber weißlich und nach wenigen Minuten wird das Vollbild erreicht: Eine juckende, etwas über die Auslösestelle hinausgehende weißliche Quaddel auf einem geröteten Hof. Nach kurzer Zeit lässt die Rötung etwas nach. Dann wird auch der Juckreiz schwächer und verschwindet mit der Quaddel.

Therapie

Es stehen nur sehr eingeschränkte therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung. Wichtig ist es, die auslösenden Stimuli zu meiden. Verzichten Sie auf eng anliegende, zwickende und scheuernde Kleidung und enge Gürtel. Außerdem lohnt es sich, auf bestimmte Medikamente wie fiebersenkende Schmerzmittel (ASS, Ibuprofen, Diclofenac), Penicillin und Codein zu verzichten.

Medikamentös ist die Urtikaria faktitia in der Regel mit Antihistaminika gut beherrschbar. Der nächtliche Juckreiz stellt die größte Einschränkung der Lebensqualität dar. Leicht sedierende (müde machenden) Antihistaminika vor dem Schlafen gehen oder juckreizstillenden Cremes können hier helfen.