Das Pollenjahr 2023

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Eine pollenbedingte rinnende Nase und tränende Augen haben meist im Winter eine Auszeit. In den letzten Jahren fing aber die Pollensaison immer früher an – so ist es auch im Jahr 2023. Durch den Klimawandel beginnt die Pollensaison deutlich früher mit intensiveren Belastungen für Allergiker:innen. Darauf sollte man sich vorbereiten, den Pollenflugkalender beobachten und auch antiallergische Mittel bereithalten. Bei stärkeren Beschwerden sollte auch ein Arztbesuch eingeplant werden, um sich rechtzeitig auf die Pollensaison vorbereiten zu können.

Heuer waren bereits Anfang Jänner erste Haselpollen in der Luft. Im Vergleich zu den Aufzeichnungen war das ein Monat früher als im langjährigen Schnitt. Begünstigt wird der vorzeitige Pollenflug letztlich durch die Klimaerwärmung. Eine Verbesserung für Allergiker:innen ist also auch in den nächsten Jahren kaum zu erwarten. Denn die Winter werden wärmer und die Natur erwacht immer früher aus ihrem Winterschlaf. Die Blühzeiten verschieben sich nach vorne. Zudem dauert auch die Pollensaison immer länger.
Bei einer Allergie geht das körpereigene Immunsystem von einer Bedrohung (Pollen) aus und wehrt diese ab. Diese daraus resultierenden Beschwerden (Niesen, tränende Augen, rinnende Nase) müssen rasch behandelt werden, damit sich die allergische Entzündung von den oberen nicht in die unteren Atemwege ausbreitet. Den Etagenwechsel hin zum allergischen Asthma gilt es zu vermeiden.

Wann fliegen welche Pollen?

Sobald die Pollen in der Luft sind, kommen viele Menschen aus dem Niesen und Husten nicht mehr heraus. Der Pollenflugkalender kann helfen, die Beschwerden besser einzuschätzen und z.B. den Aufenthalt im Freien zu vermeiden.
Im März sind bereits Erle und Hasel aktiv, die Birke fliegt sporadisch, Esche und Weide fliegen mäßig. Ab April kommt es zu starken Belastungen durch Erle, Hasel und erste Gräser fliegen schwach, Buche und Eiche fliegen mäßig, Ulme, Esche, Birke, Pappel und Weide fliegen stark. Ab Juli ist mit Beifuß und ab Anfang August wieder mit Ragweed zu rechnen.

Pollen-App wurde erweitert

Der Österreichische Pollenwarndienst der MedUni Wien versorgt die Bevölkerung seit rund 45 Jahren mit aktuellen Informationen zum Pollenflug. Alle Services sind kostenlos und wissenschaftlich fundiert. Ein sehr beliebtes Angebot ist die Pollen-App. Auf Basis der Einträge im „Pollen-Tagebuch“, das auch Teil der App ist, kann die Polleninformation individuell auf den einzelnen Benutzer, die Benutzerin zugeschnitten werden und bietet damit eine ganz persönliche Pollenwarnung.


Neu bietet die Pollen-App für Allergiker:innen, die zu Asthma neigen oder auch an Asthma leiden, eine auf sie zugeschnittene, tagesaktuelle Wetterinformation. „Die User:innen bekommen in fünf Abstufungen, von positivem bis zu negativem Einfluss Auskunft, ob die Wetterlage des Tages zu verminderten oder vermehrten Asthmasymptomen führen kann. Denn Gewitter, erhöhte Luftfeuchte, Ozon, ein plötzlicher Wechsel der Temperatur und der Feuchtigkeit können Auswirkungen auf das Befinden von Allergiker:innen und asthmakranken Menschen haben und sogar einen Asthmaanfall auslösen“, erklärt Dr. Markus Berger, ärztlicher Mitarbeiter des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien.


Auch bei einem Gewitter werden Pollenkörner und andere Partikel wie Feinstaub und Schimmelsporen aus höheren Luftschichten in Bodennähe gedrückt, die Pollenkörner platzen durch den Regen auf und setzen Allergene frei. Dazu steigt der Ozongehalt in der Luft sprunghaft an. Markus Berger: „Dieses Reizgas verschlechtert die Symptome vor allem bei Gräser- und Birkenpollen­allergiker:innen und führt auch bei Asthmapatient:innen zu vermehrten Beschwerden.“ Der neue Service auf der Pollen-App bietet daher die Information, wann im Umkreis Unwetter zu erwarten sind und ob die Ozonwerte steigen werden.

Rasche Tipps und langfristige Hilfe

Wichtig ist, sich schon im Vorfeld der Pollenbelastung vorzubereiten, nicht erst dann, wenn es richtig warm und plötzlich akut wird. Wichtig ist, die Belastung durch die Pollen möglichst gering zu halten. Ein paar Tipps gelten generell: Der Pollenflug ist in ländlichen Regionen morgens am schlimmsten, in der Stadt am Abend. Aktivitäten im Freien sollten danach ausgerichtet werden. Lüften Sie nur stoßweise und am besten morgens zwischen sechs und acht Uhr, wenn Sie in der Stadt leben, und auf dem Lande abends zwischen 19 und 24 Uhr. Pollenschutzgitter vor den Wohnungsfenstern und ein Pollenfilter im Auto können helfen, den Großteil der Pollen abzufangen.
Werden die Beschwerden zu stark, kann der Arzt, die Ärztin Antihistaminika verschreiben. Diese Substanzen blockieren im Körper Rezeptoren, wodurch es zu einer Besserung vieler allergiebedingter Beschwerden kommt. Zudem kann eine allergenspezifische Immuntherapie helfen, die es dem Körper ermöglicht, sich nachhaltig wieder an die Allergieauslöser zu gewöhnen.

Weitere Informationen: pollenwarndienst.at