Covid-19 und Asthma: Arztbesuche wahrnehmen und Therapie unter ärztlicher Kontrolle fortsetzen

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Rund 500.000 ÖsterreicherInnen sind von Asthma betroffen. Die Erkenntnisse der letzten Monate zeigen, dass eine Asthma-Erkrankung nicht automatisch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf darstellt, solange die Medikamente wie vom Arzt verschrieben eingenommen werden. Alle Patienten sollen daher weiterhin Arztbesuche wahrnehmen und die verschriebene Therapie unter ärztlicher Kontrolle fortsetzen. Im speziellen gilt auch, die Krankheitssymptome von Asthma und Allergie von jenen zu COVID-19 zu unterscheiden. Im Interview: Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl.

Habe ich durch Asthma ein geschwächtes Immunsystem und kann ich mich dadurch leichter mit COVID-19 anstecken?

Asthma ist eine chronische Entzündungsreaktion, einhergehend mit einer gesteigerten Immunreaktion, jedoch ergibt sich daraus nicht, dass Sie ein erhöhtes Risiko haben an COVID zu erkranken. Wenn Sie eine positive COVID-Infektion haben sollten, dann ist unbedingt erforderlich, dass Sie sofort Kontakt aufnehmen mit einem Arzt. Mit einem praktischen Arzt oder mit einem Lungenfacharzt und hier werden dann alle weiteren Instruktionen gegeben, wie Sie sich zu verhalten haben. Notfalls kann es auch sein, dass Sie in ein Spital gehen müssen.

Bin ich als Asthmapatient durch COVID-19 besonders gefährdet? Und falls ich mich anstecken sollte, ist der Verlauf dann auf jeden Fall schlimmer?

Ein erhöhtes Risiko haben Sie nicht, dass Sie an COVID erkranken, ja, das ist nicht der Fall und die Situation ist ja die, dass Sie ja eine – hoffentlich – eine ordentliche Therapie einnehmen. Dadurch haben Sie einen optimalen Schutz und deswegen wird es nicht so sein, dass Sie mit den Viren voll befallen werden – im Gegensatz zu einem Gesunden, ja. Wenn Sie erkranken, dann ist es nicht auszuschließen, weil Sie eine chronische Atemwegserkrankung haben, dass Sie einen schweren Verlauf haben. Hinzufügen möchte ich aber hier, dass wir selbst Patienten behandelt haben, die Asthmatiker waren und sogar schweres Asthma gehabt haben, mit Antikörper behandelt wurden und wir waren das erste Zentrum weltweit, die beschrieben haben, dass diese Patienten nicht einen schweren Verlauf gehabt haben.

Wodurch erkenne ich, dass sich mein Asthma verschlechtert oder ob ich eine COVID-19 Infektion habe?

Das kann in manchen Situationen nicht einfach sein, aber generell gilt, dass saisonale Beschwerden eher für ein Asthma sprechen, dass Patienten bei Belastung vielleicht auch einen Hinweis haben, wenn sie Beschwerden haben, dass es fürs Asthma spricht. COVID-Erkrankungen gehen einher mit Fieber, das spricht überhaupt nicht für Asthma. COVID-Erkrankte haben auch einen Reizhusten über längere Zeit. Und auch eines, dass Sie auf die Therapie mit Bronchodilatatoren – sprich den Reliefern der Notfallsmedikation – nicht gut und ausreichend versorgt sind.

Worauf sollte ich nach letzten Erkenntnissen besonders achten?

Also diese letzten Erkenntnisse decken sich mit den Erkenntnissen, die wir schon seit einigen Wochen haben und seit einigen Monaten haben und das ist auch das, was uns auch in weiterer Folge begleiten wird. Wir müssen Distanz halten zum Nächsten. Das betrifft jetzt nicht nur den Asthmatiker, das betrifft ja auch die Gesunden, ja. Wir müssen auch dementsprechend eine Maskenpflicht einhalten. Ich würde das generell allen chronisch Erkrankten empfehlen, vor allem wenn Sie in der näheren Umgebung sind von sehr vielen Menschen, von Menschengruppen. Und Hände waschen, wie das ja auch bei anderen Infektionserkrankungen sehr erfolgreich ist.

Sollte ich meine Asthma-Therapie prophylaktisch wegen COVID-19 erhöhen? An wen soll ich mich diesbezüglich mit Fragen wenden?

Also eine prophylaktische Therapie gibt es überhaupt nicht, das ist sinnlos. Der Patient soll diese Therapie in der Form einnehmen, wie es ihm vorgeschrieben ist, also das ist seine Standard-Therapie. Hat er mehr Symptome, dann kann er das selbständig erhöhen wenn er gut geschult ist. Wenn er hier Probleme hat, wenn es Unklarheiten gibt, dann soll er seinen Spezialisten, seinen Lungenfacharzt kontaktieren.

11. August 2020