Menschen mit Lungenerkrankungen profitieren von einer SARS-COV-2-Impfung – selbst, wenn sie mit Immunsuppressiva behandelt werden. Die Impfung wird auch bei eingeschränkter Lungenfunktion und bekannten Allergien empfohlen.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht vom Kepler Universitätsklinikum in Linz informierte im Rahmen einer Experten-Sprechstunde über Impfstoffe, die vor einer COVID-19-Infektion schützen.

Erbgutbasierte Impfstoffe und Vektorimpfstoff

Mit Anfang März 2021 waren in Österreich zwei Impfstoffklassen zugelassen, die vor einer COVID-19-Infektion schützen: Neben erbgutbasierten Impfstoffen der Hersteller BioNtech/Pfizer und Moderna, die auch als mRNA- bzw. messenger-RNA-Vakzine bezeichnet werden, steht ein vektorbasierter Impfstoff von Astra Zeneca zur Verfügung. Wie die Information über das Aussehen des Virus in den Körper kommt und eine Immunreaktion auslöst, unterscheidet sich jeweils.

Bei erbgutbasierten Impfstoffen wird die RNA, die gewissermaßen den genetischen Code für ein Oberflächenmerkmal des Virus darstellt, in einer Hülle verpackt direkt geimpft, worauf der Körper eine Immunantwort ausbildet. Beim Vektorimpfstoff wird einem Schnupfenvirus gewissermaßen als „Gepäck“ ein Coronavirus aufgepackt – wiederum eine Information für ein Oberflächenmerkmal des Virus, worauf schließlich eine Immunantwort ausgebildet wird und Antikörper entstehen.

Wir möchten mit der Impfung neben einem individuellen Schutz auch die Übertragungsfähigkeit unterbinden. So wie es momentan aussieht, dürfte es gelingen, die Transmission (Übertragung) zu verhindern. Dafür gibt es zwar keinen Beweis, aber stichhaltige Hinweise. Je weniger Viren im Körper sind, umso weniger ist jemand ansteckend.
Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht

An einer COVID-19-Impfung kann man nicht erkranken

Bei keinem der drei zugelassenen Impfstoffe handle es sich um einen Lebendimpfstoff, zudem befänden sie sich hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Sicherheit auf Augenhöhe, so Lamprecht, der betonte, dass man durch keinen der aktuell zugelassenen Impfstoffe an COVID-19 erkranken könne. Schließlich gelange kein echtes Virus in den Körper – somit könne auch keine Viruserkrankung ausgelöst werden.

Impfung bei Lungenerkrankungen

Menschen mit Lungenerkrankungen rät Lamprecht dringend zu einer COVID-19-Impfung – auch jenen mit eingeschränkter Lungenfunktion, denn „man möchte einen schweren Verlauf im Fall einer COVID-19-Infektion verhindern. Das ist auch bei eingeschränkter Lungenfunktion sehr sinnvoll“, so der Lungenexperte.

Impfung bei bekannten Allergien

Allergien seien kein Hinderungsgrund für die Impfung – es sei denn, jemand habe bei einer früheren Impfung eine schwere allergische Reaktion gezeigt. Ein solches Ereignis erfordere eine allergologische Abklärung und eine gute Nachbeobachtung. Bei mRNA-Impfstoffen, die Polyethylenglucol enthalten, sei u.U. eine allergische Reaktion möglich; eine solche Allergie sei aber meist bekannt.

Impfung unter Immunsuppressiva

Dem Lungenfacharzt zufolge bestehe auch bei immunsupprimierten Patienten durch die Impfung kein Erkrankungsrisiko. Allerdings könne das geschwächte Immunsystem nicht im vollen Umfang auf die Impfung reagieren. Hier könnte in weiterer Folge eine Auffrischung wirksam sein.

„Es gibt (…) klare Empfehlungen, die besagen, dass eine Therapie konsequent durchgeführt werden soll und dennoch eine Impfung möglich ist. Ich empfehle Menschen mit einer chronischen Erkrankung, dies mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt zu besprechen“, rät der Pneumologe. Werden Medikamente zyklisch verabreicht, sei eine Impfung zwischen den einzelnen Verabreichungen möglich. Vor einer geplanten Therapieumstellung sollte die Impfung in einer möglichst stabilen Phase der Erkrankung erfolgen.

Quelle: Selpers-Expertensprechstunde, 11. März 2021