Bereits geringe Konzentrationen an Luftschadstoffen wirken sich nachteilig auf die Gesundheit aus. Aus diesem Grund sollten für Aktivitäten an der frischen Luft Orte und Zeiten mit geringer Schadstoffbelastung gewählt werden. Dies gilt vor allem für Menschen mit Atemwegserkrankungen.

„Die Luftqualität ist besonders für Menschen mit Atemwegserkrankungen von großer Bedeutung“, erklärte der Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien, OA Priv.-Doz. Dr. Hanns M. Moshammer, im Rahmen eines Online Jour-fixe der Österreichischen Lungenunion.

Was sind Luftschadstoffe?

Saubere Luft enthält immer eine gewisse Menge Wasserdampf, dessen Maximalgehalt temperaturabhängig ist. In trockener Luft sind vor allem Stickstoff und Sauerstoff enthalten, aber auch in kleinen Spuren Edelgasse, die in geringen Mengen für die Gesundheit unschädlich sind. Der Umweltmediziner betonte, dass zusätzlich in der Luft enthaltene Schadstoffe zwar nur in äußerst geringen Spuren vorkommen würden, aber oftmals schwierig zu messen seien. Schließlich seien die reaktivsten und damit gefährlichsten Stoffe schwer beständig, was deren Nachweis erschwere. „Aus diesem Grund werden große Menge Luft über einen längeren Zeitraum gesammelt und so Stunden, Tages- und Jahresmittelwerte von Indikatorschadstoffen wie Feinstaub, Stickoxiden, anderen Oxiden und sekundären Schadstoffen wie Ozon sowie fallweise organische Verbindungen und Schwermetalle bestimmt. Diese Indikatorschadstoffe stehen in der Regel für ein wesentlich komplexeres und gefährliches Gemisch“, so Moshammer.

Luftschadstoffe in Ballungsräumen und am Land

Die Schadstoffbelastung sei Moshammer zufolge in Ballungsräumen vor allem auf Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zurückzuführen, während in ländlichen Gegenden die Verbrennung von Holz und Biomasse eine größere Rolle spiele. Oft sei die Luft in einem engen Alpental schlechter als in der Wiener Innenstadt – vor allem hinsichtlich polyaromatischer Verbindungen. In Innenräumen werde die Luft in erster Linie von der Holzverbrennung belastet, wenngleich Innenraumschadstoffe durch Zigarettenrauch immer weniger würden. „Die wichtigste Schadstoffquelle, wenn es um Luftschadstoffe geht, ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe in Kraftfahrzeugen, Heizungen und der Industrie“, weiß der Experte, der für ein Umdenken plädiert.

Wirkung von Feinstaub auf die Gesundheit

Da im Feinstaub enthaltene, winzig kleine Teilchen mit Eiweiß reagieren und dessen Faltungsstruktur stören, können Entzündungsprozesse ausgelöst werden. „Wenn Teilchen auf die Schleimhaut treffen, kommt es zu einer Immunantwort, weil das Immunsystem darauf trainiert ist, auf Teilchen in der Größenordnung von Viren und Bakterien zu reagieren“, erklärte der Umweltmediziner. Vereinfacht gesagt sei die aufgenommene Staubmenge für die Wirkung verantwortlich. Das betreffe auch Zigarettenrauch – unabhängig davon, ob jemand selbst rauche, Passivrauch ausgesetzt sei oder anderen Schadstoffen.

Eine Auswertung von COVID-19-Infektionszahlen in Wien habe gezeigt, dass die Anzahl der Neuinfizierten mit dem Ausmaß der Stickstoffdioxid-Belastung einhergehe. „Schadstoffe machen nicht selbst krank, sondern führen zu Mikrotraumen in der Schleimhaut, die gegenüber infektiösen Agenzien wie beispielsweise dem Coronavirus und Allergenen empfindlich machen. Die Kombination aus infektiösem Stoff und dem Schadstoff ist das Gefährliche. Wenn jemand bereits eine eingeschränkte Atemfunktion hat, kann die Schutzreaktion ein Problem bereiten“, betonte Moshammer.

Suchen Sie sich Ihre Wege aus!

„Körperliche Bewegung ist gesund“, weiß Moshammer, der rät, die Schadstoffbelastung mit der Wahl von Ort und Zeit der Sportausübung zu minimieren. So helfe es bereits, nicht entlang einer stark befahrenen Hauptstraße, sondern einer Nebenstraße spazieren zu gehen.

Die gute Nachricht sei, dass Therapeutika wie etwa Asthma-Sprays oder solche, die Menschen mit koronarer Herzkrankheit verschrieben werden, unabhängig davon wirken, ob die Exazerbation von einer Infektion, einer systemischen Erkrankung oder einem äußeren Schadstoffreiz getriggert werde.

Weitere Informationen

MedUni Wien, Zentrum für Public Health, Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin

Unterstützt wird das Projekt „Achte auf deine Lunge“ von Astra Zeneca, Bencard, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Chiesi, A. Menarini Pharma, Novartis, Pfizer und Roche.

Quelle: Online Jour-fixe der Österreichischen Lungenunion, 17. Februar 2022