Auch wenn viele Menschen mittlerweile das Gefühl haben, dass die Pandemie hinter uns liegt geht Lungenfacharzt Prof. Dr. Torsten Bauer von einer vierten Welle und sogar weiteren Wellen aus. Doch irgendwann werde sich die SARS-CoV2-Infektion zwischen Schnupfen und Grippe einpendeln.

COVID-19 war ein Schwerpunkt-Thema des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Prof. Dr. Torsten Bauer von der Lungenklinik Heckeshorn am Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin gab einen Ausblick, was uns nach den letzten drei Wellen der Corona-Pandemie womöglich bevorsteht.

Prof. Dr. Torsten Bauer

„Die Vorstellung, dass COVID-19 in absehbarer Zeit verschwindet, können wir als Lungenärzte nicht unterstützen.“

„Das Gefühl, dass wir das Problem gelöst haben, hatten viele schon letztes Jahr um diese Zeit. Den infektiologisch gebildeten Menschen war damals klar, dass es das noch nicht war, und das ist nun genauso“, erklärte Bauer. Die Situation werde sich allerdings komplett ändern.

Die erste Welle: Von Katastrophen-Ankündigungen, die schlussendlich ausblieben, sei die erste Welle geprägt gewesen. Schon damals sei klar gewesen, wer mit einer SARS-CoV2-Infektion ein Problem habe: Ältere Personen und jene mit einer zusätzlichen Erkrankung.

Die zweite Welle: Mitte Dezember habe die dritte Welle begonnen und zwei große Probleme aufgeworfen: Zum einen die große Zahl an Erkrankten, allen voran ältere Menschen, und zum zweiten die Lähmung des Versorger-Systems durch Infektionen des medizinischen Personals und jener, die in Quarantäne mussten. So sei der größeren Anzahl an Infizierten eine geringere Anzahl an Versorgern gegenüber gestanden.

Die dritte Welle: In der dritten Welle habe es dieses Problem Bauer zufolge nicht mehr gegeben. Es habe kaum nosokomiale Infektionen gegeben, und auch keine Infektionen beim geimpften Personal. So sei es gelungen, beispielsweise Patienten mit Lungenkrebs in der dritten Welle adäquat zu versorgen.

Die weiteren Wellen

„Schaut man nach vorne, ist klar: Es wird eine vierte Welle geben. Die Frage ist, was das bedeutet. Es gibt seit 100 Jahren jedes Jahr eine Grippe-Welle, und das wird regelmäßig ignoriert. Die Frage ist nun, bis zu welchem Grad wir die vierte Welle ignorieren können“, so Bauer. Dieser Grad werde sicherlich deutlich höher werden, es werde auch zu weniger schweren Verläufen kommen. „Dennoch werden wir wieder mehr Patienten sehen, die diese schwere Lungenentzündung bekommen. Daran müssen wir arbeiten, denn eine Therapie steht noch nicht zur Verfügung, auch wenn derzeit 150 Medikamente hinsichtlich ihrer Wirksamkeit gegen das Virus überprüft werden“, gab der Lungenexperte zu bedenken. Bauer geht davon aus, dass die Infektionen deutlich schneller und professioneller behandelt werden können. Dennoch werde es im nächsten Jahr zu einer fünften und sechsten Welle kommen, allerdings werde sich „die Infektion irgendwann zwischen Schnupfen und Grippe einpendeln.“

Foto: Screenshot Videomitschnitt Pressekonferenz Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin