Unterschiede – COPD und Lungenfibrose

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COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und die Lungenfibrose verursachen ähnliche Symptome, weshalb es anfangs schwierig sein kann, diese chronischen Erkrankungen auseinanderzuhalten. Dennoch sind sie grundsätzlich unterschiedlich und erfordern jeweils unterschiedliche Ansätze zur Diagnose und Behandlung. Obwohl beide nicht heilbar sind, kann heute mit der richtigen Therapie der Fortschritt von COPD oder Lungenfibrose gut verlangsamt werden. Dr. Mathis Hochrainer von der Klinik Floridsdorf, Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie, betont: “Es gibt therapeutische Optionen für beide Erkrankungen, und derzeit tut sich in beiden Fällen viel. Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Jahren noch mehr Therapieoptionen anbieten können.” Dies erklärte er während eines Webinars für die Österreichische Lungenunion.

Eine Gemeinsamkeit von COPD und Lungenfibrose besteht nicht nur darin, dass es sich um chronische Erkrankungen handelt, die mit Atemnot, Husten und Abgeschlagenheit einhergehen. Beide Erkrankungen haben auch einen fortschreitenden Verlauf. Das bedeutet, wenn sie nicht behandelt werden, verschlechtert sich die Atemnot im Laufe der Zeit. Anfangs tritt sie zuerst bei körperlicher Belastung wie dem Besteigen von Treppen oder beim Laufen auf. “Im späteren fortgeschrittenen Stadium tritt die Atemnot auch im Ruhezustand auf”, erklärte Mathis Hochrainer die Verschlechterungssymptome. “Husten tritt bei beiden Erkrankungen auf. Bei der Lungenfibrose ist jedoch ein sehr trockener Husten typisch, während bei der COPD manchmal auch Schleimhusten auftritt.”

Ein entscheidender Unterschied zwischen COPD und Lungenfibrose besteht darin, dass bei der Lungenfibrose das Lungenvolumen beeinträchtigt ist, während bei der COPD eine Störung der Lungenfunktion vorliegt. Bei der Lungenfibrose sind die Atemwege nicht direkt betroffen. Es kommt zu Bindegewebsveränderungen (Fibrose) rund um die Atemwege. “Fibrose bedeutet, dass die Struktur rund um die Atemwege und Lungenbläschen aufgrund verschiedener Ursachen verdickt, ähnlich wie bei einem narbigen Umbau”, erklärte Mathis Hochrainer. Aufgrund des dickeren Gewebes kann Sauerstoff schwerer aus den Lungenbläschen (Alveolen) ins Blut gelangen, was zu Problemen wie Atemnot und Husten führt. Daher spricht man bei der Lungenfibrose von einer restriktiven (einschränkenden) Lungenerkrankung. “Aufgrund des narbigen Umbaus des Lungengerüsts wird die Lunge steifer. Sie kann sich nicht mehr ausdehnen und kann nur kleinere Volumina aufnehmen, aber der Atemfluss ändert sich nicht.”

Im Gegensatz dazu handelt es sich bei COPD um eine chronische Bronchitis mit einer Verengung der Atemwege und somit um eine tatsächliche Atemwegserkrankung. Daher wird sie auch als obstruktive Erkrankung bezeichnet – eine “Verengung der Atemwege aufgrund chronischer Entzündung”. In diesem Fall ist die Lungenfunktion beeinträchtigt. Mathis Hochrainer erklärte: “Das bedeutet, die Bronchien und Bronchiolen (die kleinen Atemwege) sind erkrankt, sie sind chronisch entzündet. Dies geht häufig mit vermehrter Schleimbildung einher. All dies führt zu einer Verengung, wodurch es Probleme gibt, die Luft aus der Lunge herauszublasen – daher handelt es sich bei COPD um eine Lungenfunktionsstörung.”

COPD Diagnosemethoden

Die Diagnose der COPD erfolgt meist durch Hausärzte oder Lungenfachärzte. COPD kann in der Regel durch Abhören der Lunge (Atemgeräusche), eine ausführliche Anamnese und einen Lungenfunktionstest, sowie gegebenenfalls ein Röntgenbild der Lunge schnell festgestellt werden. “Manchmal macht es Sinn, eine Computertomografie durchzuführen, um festzustellen, ob ein Lungenemphysem vorliegt. Im Allgemeinen können Lungenfachärzte jedoch durch eine Lungenfunktionsuntersuchung eine Funktionsstörung bei COPD feststellen, da die Lunge typischerweise länger benötigt, um sich zu entleeren.”

Diagnose Lungenfibrose

Bei Verdacht auf idiopathische Lungenfibrose (IPF) werden Untersuchungen und Blutuntersuchungen durchgeführt, um zugrunde liegende Erkrankungen auszuschließen, die dem fibrotischen Prozess zugrunde liegen, wie etwa rheumatische Erkrankungen. Dazu kommt eine gründliche Anamnese. “Wir fragen nach Beruf, Hobbys, Kontakt zu Haustieren, möglichen Schadstoffexpositionen, welche Medikamente eingenommen wurden und ob es Aufenthalte auf der Intensivstation gab, usw.”, erläuterte Mathis Hochrainer den Hintergrund. “All das kann zu Veränderungen in der Lunge führen.”

Die Diagnose der Lungenfibrose wird in der Regel in spezialisierten Krankenhäusern gestellt und erfordert in der Regel eine zusätzliche Computertomographie sowie gegebenenfalls eine Lungenbiopsie. Wenn alle Befunde vorliegen, wird in einer multidisziplinären Fallkonferenz die Situation besprochen und gegebenenfalls die Diagnose gestellt. “Interstitielle Lungenerkrankungen sind nicht eine einzelne Erkrankung, sondern eine Vielzahl von Erkrankungen. Daher sind sie nicht leicht zu differenzieren. Dies führt dazu, dass Lungenfibrose in der Regel erst spät erkannt wird”, erklärte Mathis Hochrainer. “Dies hat zur Folge, dass Patienten mit Lungenfibrose bei der Diagnose in der Regel älter sind (über 65 Jahre) als Menschen mit COPD (ab 40). Das ist ein Problem, da eine frühe Therapie den Verlust an Lungenvolumen länger verlangsamen kann.”

Therapie der COPD

Bei der COPD besteht das Zentrum der Therapie nicht aus Medikamenten in Pillenform, die von den Betroffenen eingenommen werden. Die Behandlung erfolgt über spezielle Inhalatoren. Bei diesen inhalativen Medikamenten zur Bronchodilatation und Entzündungshemmung gibt es drei Wirkstoffklassen: – Langwirksame Muskarinrezeptorantagonisten (LAMA) – Betarezeptoragonisten (LABA) und – Inhalative Kortikosteroide (ICS = Kortison) Je nach Schweregrad der COPD und bestimmten Blutwerten werden eine bis drei dieser Wirkstoffklassen ausgewählt und kombiniert. Dann stehen für all diese Optionen ein oder zwei Inhalatoren zur Verfügung.

Therapie der idiopathischen Lungenfibrose (IPF)

Die idiopathische Lungenfibrose stellt die häufigste Form der Lungenfibrose dar (idiopathisch bedeutet, dass die Ursachen unbekannt sind). Gegen das Fortschreiten dieser Erkrankung gibt es derzeit zwei Medikamente, die sich als sehr wirksam erwiesen haben. Mathis Hochrainer erklärte: “Studien haben gezeigt, dass diese Medikamente Exazerbationen (akute Verschlechterungen) reduzieren und lebensverlängernd wirken. Wir wissen heute, dass diese medikamentöse Therapie idealerweise so früh wie möglich nach der Diagnose beginnen sollte. Beide Medikamente können das Fortschreiten der IPF verlangsamen und die Abnahme der Lungenfunktion stoppen, jedoch nicht die Erkrankung vollständig stoppen.”

Zukunftsaussichten

Sowohl für COPD als auch für Lungenfibrose stehen bereits gute Therapieoptionen zur Verfügung, und es wird weiterhin intensiv geforscht. Mathis Hochrainer ist zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren noch mehr Therapieoptionen zur Verfügung stehen werden. Das Krankenhaus Nord bietet in Zusammenarbeit mit dem Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und Pneumologische Onkologie Patienten die Möglichkeit, an Studien teilzunehmen. “Wir beteiligen uns an einer klinischen Studie, die sich in der Phase 3 befindet und kurz vor der Zulassung steht. Es handelt sich um ein Medikament, das bisher nicht auf dem Markt ist. Es hat vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich der Verlangsamung des weiteren Verlusts der Lungenfunktion gezeigt. Daher besteht die Hoffnung, dass in den kommenden Jahren viele weitere Behandlungsmöglichkeiten verfügbar sein werden.”

Infos zur Studienteilnahme: klinik-floridsdorf.gesundheitsverbund.at
www.karl-landsteiner.at/institute-lungenforschung_pneumologische_onkologie.html