Österreichs Lungenfachärzte waren sich bei der 46. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie in Salzburg Ende September beim Thema Impfungen einig: Sie sind ein wichtiges Instrument zur Lungengesundheit.

Die 46. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), die vom 29. September bis 1. Oktober in Salzburg stattfand, stand unter dem Motto „Prävention in der Pneumologie“. Dabei spielte auch das Thema Impfungen eine wesentliche Rolle. Die Lunge ist als „Umweltorgan“ in ständigem Austausch mit dem Außen und dadurch schädigenden Umweltfaktoren wie Krankheitskeimen besonders ausgesetzt. Ist die Lunge erkrankt, kann dies für jedes Organsystem gravierende Folgen haben – eine gesunde Lunge ist ein wichtiger Faktor für Gesamtkonstitution und Lebenserwartung. Umso wichtiger ist es, die Lungengesundheit durch bestimmte Impfungen zu schützen. Welche Impfungen gerade im Herbst für wen zu empfehlen sind, wurde am Kongress im „Update Impfungen“ diskutiert.

Impfungen – eine Erfolgsgeschichte

„Die Geschichte der Impfungen ist durch viele kleine und große Erfolge gekennzeichnet. Denken wir nur an die Ausrottung der Pocken oder der Kinderlähmung in Österreich durch entsprechende Impfungen. Auch die Zahl an Hepatitis B-Erkrankungen nahmen durch weit verbreitete Impfungen deutlich ab. Und man muss gar nicht so weit zurückgehen, um weitere Erfolgsgeschichten zu finden: Denken wir nur z. B. an die bereits rückläufigen Zahlen von Gebärmutterhalskrebs durch die Impfung gegen HPV oder die seit zwei Jahren emotional diskutierte Impfung gegen SARS CoV 2“, so OA Dr. Michael Meilinger vom ÖGP-Arbeitskreis „Infektiologie und Tuberkulose“.

Die COVID-Impfung – Grundimmunisierung und Auffrischungen

„Die Impfung gegen SARS CoV 2 bietet eine exzellente Wirksamkeit, was den Schutz vor schwer verlaufenden Infektionen betrifft“, betonte Meilinger, Oberarzt an der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie im Klinikum Floridsdorf in Wien.

Die Impfung gegen SARS CoV 2 geht aktuell in die nächste Runde. So gab es vor wenigen Wochen den Aufruf des nationalen Impfgremiums zum 4. Stich für alle ab dem 12. Lebensjahr. So werden nun die ersten 3 Impfungen gegen SARS COV2 als Grundimmunisierung verstanden, die 4. Impfung somit als erste Auffrischungsimpfung.

Außerdem finden derzeit variantenangepasste Impfstoffe Einzug in das Corona Impfportfolio. Meilinger: „So sind nun bzw. demnächst auch Impfstoffe verfügbar, die einen besseren Schutz gegen die Omikron Varianten BA.1 bzw. BA.4 und BA.5 bieten. Gegen schwere Verläufe schützt aber auch eine Auffrischung mit den bisher verwendeten Corona Impfstoffen.“

So hat die Auffrischung aus Sicht des nationalen Impfgremiums obersten Stellenwert, unabhängig davon, ob mit den schon länger verfügbaren Impfstoffen oder den erwähnten Omikron-angepassten geimpft wird. Bevorzugt eingesetzt werden sollten jedenfalls bivalente mRNA Impfstoffe. Menschen, die bereits grundimmunisiert sind und zusätzlich in den letzten Monaten eine Corona-Infektion durchgemacht haben, können mit dieser Auffrischungsimpfung aber zuwarten, da wohl erst sechs Monate nach durchgemachter Infektion eine Boosterwirkung durch die neuerliche Impfung zu erwarten ist, so der ÖGP-Experte.

Grippe-Impfung – gerade heuer wichtig

Neben einer Komplettierung bzw. Auffrischung der Corona-Impfung, ist auch heuer wieder die saisonale Impfung gegen Influenza empfohlen. Meilinger: „Da die Influenza in den letzten beiden Jahren vor allem aufgrund von Maskentragen und verminderten sozialen Kontakten deutlich weniger in der Bevölkerung zirkulierte als in den Jahren vor der Corona-Pandemie, ist von einer mittlerweile nachlassenden natürlichen Immunität in der Bevölkerung auszugehen, wodurch die Impfung einen umso höheren Stellenwert hat.“

Seit wenigen Jahren sind in Österreich stärker wirksame Impfstoffe gegen Influenza verfügbar, welche entsprechend dem österreichischen Impfplan vor allem älteren Menschen, Immungeschwächten und chronisch Kranken empfohlen werden. Aber auch auf die Kinder dürfe nicht vergessen werden, so Meilinger: „Die Impfung gegen Influenza ist im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten. Und dies kommt nicht nur den Kindern zugute, deren Risiko für Erkrankung und schwere Verläufe reduziert wird. Kinder sind oft Treiber des Influenza-Infektgeschehens und für die Infektverbreitung hauptverantwortlich. Ältere, vulnerable Personen, welche für schwere Influenza-Verläufe noch deutlich anfälliger sind, stecken sich oft bei Kindern an. So können durch hohe Durchimpfungsraten unter Kindern auch ältere und stärker gefährdete Personen besser geschützt werden.“

Keuchhusten – Impfstatus checken

Weiters ist es durchaus sinnvoll, den Beginn der Grippesaison auch zum Anlass zu nehmen, den individuellen Impfstatus hinsichtlich weiterer respiratorisch übertragbarer Infektionen, welche das ganze Jahr über auftreten können, zu prüfen. So fielen vor der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Kontaktreduktion über Jahre weltweit steigende Fallzahlen von Pertussis (Keuchhusten) auf, welche u.a. auf fehlende Auffrischungsimpfungen bei Erwachsenen zurückzuführen sind. So sollen nach der Grundimmunisierung im Kindesalter Auffrischungsimpfungen gegen Pertussis alle zehn Jahre erfolgen. Da es ab dem 60. Lebensjahr im Rahmen der sogenannten Immunseneszenz zu einer nachlassenden Immunantwort auf Impfungen kommt, sind dann Auffrischungsimpfungen im 5-Jahres Intervall empfohlen. Meilinger: „Bei der Pertussis gilt es aber vor allem auch die ganz Kleinen zu schützen, da es bei Säuglingen immer wieder zu schweren Verläufen kommen kann. So sollten insbesondere Personen im Umfeld von Neugeborenen und Säuglingen bzw. Kleinkindern auf einen aufrechten Impfschutz achten.“ Außerdem wird Schwangeren im letzten Drittel der Schwangerschaft eine Impfung gegen Pertussis empfohlen, da schützende Antikörper über die Plazenta an den Fötus weitergegeben werden.

Gefährliche Pneumokokken – Lungenentzündungen vorbeugen

Und nicht nur die Pertussis-Zahlen sind vor Beginn der Corona-Pandemie gestiegen. Auch die Rate an Pneumokokken-Infektionen ist in Österreich bis 2020 gestiegen. Pneumokokken sind die häufigsten bakteriellen Erreger einer Lungenentzündung, so der Pneumologe und Intensivmediziner, können aber auch Infekte der oberen Atemwege, Mittelohrentzündungen, Meningitis (Hirnhautentzündung) oder eine lebensbedrohliche Sepsis (Blutvergiftung) verursachen. Hier sind vor allem Menschen ab dem 60. Lebensjahr stärker gefährdet, außerdem chronisch Herz- oder Lungenkranke, aber beispielsweise auch Diabetiker* und Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr.

Auch bei den Pneumokokken hat sich in den letzten Jahren viel getan in der Impfstoffentwicklung. So sind in Österreich heuer erstmalig breiter wirksame Konjugat-Impfstoffe verfügbar, welche sich nicht wie bisher gegen 13 unterschiedliche Serotypen von Pneumokokken richten, sondern gegen 15 bzw. 20. Somit ist man durch solch höhervalente Impfstoffe noch besser vor einer Pneumokokken-Infektion geschützt.

Abschließend betonte Meilinger: „Auch wenn es gerade in letzter Zeit oftmals emotionale Impfdebatten gibt – man sollte bedenken, dass Impfungen erwiesenermaßen zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen zählen, und geimpfte Personen seit Jahrzehnten dazu beitragen, unzählige Erkrankungen und Todesfälle zu verhindern.“