Da die Grippe, aber auch Lungenentzündungen zu ernsthaften Folgen führen können, müssen diese Erkrankungen rasch erkannt und behandelt werden – beziehungsweise am besten gleich vermieden werden. Dies gilt vor allem für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, da die Auswirkungen sich potenzieren, wenn eine zusätzliche schwere Infektionserkrankung mit der Grunderkrankung zusammentrifft. Nach österreichischem Impfplan werden daher vor allem Asthma- und COPD-Patienten die Pneumokokken- und die Influenza-Impfung dringend nahegelegt.

Der Unterschied zwischen einer Erkältung (grippaler Infekt) und einer Grippe (Influenza) liegt in erster Linie an den auslösenden Faktoren. Während die Erkältung viele, aber vor allem bakterielle Ursachen haben kann, ist eine „echte Grippe“ hingegen viral bedingt. In der Medizin werden die beiden Erkrankungen klar differenziert, jedoch für Laien ist der Unterschied meist nicht so eindeutig. Exazerbationen (Verschlechterung der Symptomatik mit Atemnot, Husten, Auswurf) haben oft einen bakteriellen oder viralen Ursprung. Influenzaviren sind nach den Rhinoviren sogar die zweithäufigsten Viren, die mit Exazerbationen in Verbindung gebracht werden – und jede Exazerbation erhöht das Risiko für eine weitere Exazerbation als auch für eine Infektion der unteren Atemwege. Eine Lungenentzündung wird in vielen Fällen durch Pneumokokken (Bakterien, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden) ausgelöst.

Immunschwäche erhöht Risiko

Vor allem immunschwächere Personen wie Kinder, chronisch kranke oder betagte Menschen haben eine erhöhtes Erkrankungsrisiko. In Österreich sind es eine Million Menschen, die in diese Risikogruppe fallen. Da eine Grippe oder eine Pneumokokken-Lungenentzündung jede für sich alleine schon eine schwere Erkrankung darstellt, die im Ernstfall tödlich verlaufen kann, stellt die Pneumokokken- und die Grippe­impfung insbesondere für COPD- und Asthma-Patienten eine wichtige Schutzmaßnahme dar. „Der Aufwand ist überschaubar. Nur wenige Impfungen sind notwendig, damit COPD- und Asthma-Patienten ihr Infektionsrisiko für diese zwei folgenschweren Erkrankungen erheblich senken könnten“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Georg-Christian Funk, Chef der Pneumologie im Wiener Wilhelminenspital. „Gleichzeitig würden sie einer möglichen Verschlechterung ihrer Lungenerkrankung entgegenwirken.“

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Die Auswirkungen sind besonders schlimm, wenn eine chronische Atemwegserkrankung und eine zusätzliche schwere Infektions­erkrankung zusammentreffen. „Und das ist leider häufig der Fall, da die Wahrscheinlichkeit, an einer Lungenentzündung zu erkranken, für COPD- und Asthma-Patienten besonders hoch ist“, so Doz. Dr. Funk. Bei COPD-Patienten steigt sie sogar bis auf das 20-Fache. „Je schlimmer die COPD, desto größer die Wahrscheinlichkeit, auch eine Lungenentzündung zu bekommen.“ Sowohl die Pneumokokken- als auch die Influenza-Impfung werden im österreichischen Impfplan und auch in internationalen Guidelines bis hin zur Weltgesundheitsorganisation für Personen mit chronischen Lungen­erkrankungen wie COPD empfohlen. „Bei beiden Impfungen ist die Durchimpfungsrate – selbst in dieser Risikogruppe – jedoch schlecht“, gibt Doz. Dr. Funk zu bedenken. „Wer nicht weiß, ob er sich impfen lassen soll, sollte dringend mit dem Arzt seines Vertrauens darüber sprechen. Aufgrund der diversen Zuschüsse sind auch die Kosten für die Impfwilligen schon deutlich niedriger geworden.“

Asthmatische Kinder besonders gefährdet

Beraten lassen sollten sich speziell Eltern von Kindern unter fünf Jahren, da einerseits Pneumokokken-Infektionen und andererseits Influenza für Kleinkinder risikoreich sein kann. Vor allem Kinder mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma haben im Vergleich zu Kindern mit anderen chronischen Erkrankungen sogar ein doppeltes Risiko, mit einer Influenza-Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen. Im Vergleich zu gesunden Kindern ist das Risiko sogar um das Fünffache erhöht. „Viele Eltern unterschätzen das“, betont Doz. Dr. Funk. „Leider ist die Influenza-Impfung, im Gegensatz zur Pneumokokken-Impfung, nicht im Kinder-Impfprogramm. Daher können wir Ärzte nur alle Eltern auffordern, hier Verantwortung zu übernehmen und ihre Kinder gegen Influenza impfen zu lassen. Besonders dann, wenn sie an chronischen Krankheiten wie Asthma leiden.“

Vor allem Kinder mit Asthma haben im Vergleich zu gesunden Kindern das fünffache Risiko, mit einer Influenza ins Spital zu müssen.

Erkältung oder Grippe?

Erkältungen treten häufiger auf, sind aber harmlos verglichen mit der „echten Grippe“, die tatsächlich auch lebensbedrohlich sein kann. Für Asthma- und COPD-Patienten ist es essentiell, rasch zu erkennen, ob es sich um eine Erkältung oder um eine Grippe-infektion handelt. Hier einige Erkennungsmerkmale:
Grippesymptome
• rasche Verschlechterung
• starke, bohrende Kopfschmerzen
• hohes Fieber
• starke Gelenk-/Muskelschmerzen
• trockener, schmerzhafter Husten
• starke Halsschmerzen, Schluck­beschwerden
• Kreislaufprobleme
• Erkältungssymptome
• Husten, Halsweh und Schnupfen
• langsame Verschlechterung
• eher leichte, dumpfe Kopfschmerzen
• niedriges Fieber
• geringe Gliederschmerzen
• Müdigkeit

5 Tipps bei Erkältungen aus der Volksmedizin

Schwitzen: Zudecken mit mehreren Decken, Tees, Suppen sowie wohltuende Erkältungsbäder mit Meersalz oder Salbei. Bei hohem Fieber sind allerdings Fußbäder besser.
Inhalationen: Heißes Wasser und ein paar Tropfen ätherisches Öl (z.B. Thymian, Eukalyptus oder Pfefferminze) in einen Behälter geben und mit einem Handtuch über dem Kopf ca. zehn Minuten den Dampf einatmen. Achtung – nur 100 % ätherische Öle, besser aus biologischem Anbau, verwenden.
Warmer Topfenwickel: Ein warmer Brustwickel wirkt entzündungshemmend und schleimlösend: Magertopfen im Wasserbad oder Ofen erwärmen und in der Mitte einer Stoffunterlage fingerdick verteilen. Entweder Seiten einschlagen oder mit einem anderen Tuch abdecken und Wickel anlegen.
Kopf hochlagern: Ausreichender und guter Schlaf wirkt regenerierend. Hochgelagert mit mehreren Pölstern fällt das Atmen leichter und der Schleim kann besser abrinnen.
Salzwasser: Mit Salzwasser gurgeln hilft, um Entzündungen im Halsbereich entgegenzuwirken. Das Gurgelwasser aus zwei bis drei Esslöffel Koch- oder Meersalz und einer Tasse lauwarmen Wasser herstellen. 3 x täglich gurgeln.