Der Welt-COPD-Tag wird in diesem Jahr zum 20. Mal begangen. Am 17. November 2021 wird auf das Thema „Gesunde Lunge – nie wichtiger als jetzt“ hingewiesen. Denn vor allem angesichts der weltweiten COVID-19-Pandemie kommt der Lungengesundheit und somit der COPD als weltweit dritthäufigster Todesursache eine besondere Bedeutung zu.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist unter dem Synonym Raucherhusten bekannt – schließlich rauchen mehr als 80 Prozent der Betroffenen oder haben geraucht. Am Welt-COPD-Tag, der dieses Jahr auf den 17. November fällt, wird das Bewusstsein für COPD geschärft und Aufmerksamkeit für Betroffene geschaffen. Obwohl in Österreich zwischen 400.000 und 800.000 Menschen mit COPD leben und die Erkrankung weltweit die dritthäufigste Todesursache darstellt, ist sie in Österreich lediglich vier von zehn Personen bekannt. Das hat eine aktuelle Meinungsumfrage ergeben, die im Rahmen eines Pressegesprächs am 11. November 2021 in Wien präsentiert wurde. Expert*innen fordern anlässlich des Welt-COPD-Tages, den Nichtraucherschutz zu forcieren und dabei das Hauptaugenmerk auf junge Menschen zu legen.

COPD: Dritthäufigste Todesursache weltweit

Das Thema des von der Globalen Initiative für chronische Lungenkrankheiten (GOLD) initiierten Welt-COPD-Tages 2021 lautet „Gesunde Lunge – noch nie wichtiger“. Im heurigen Jahr wird das Ziel verfolgt, die weiterbestehende Belastung durch COPD trotz der anhaltenden globalen COVID-Pandemie hervorzuheben. Denn auch angesichts von COVID bleibt COPD weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Somit gab es noch nie einen besseren Zeitpunkt, den Fokus auf die Lungengesundheit zu legen.

Für eine gesunde Lunge sorgen

Die COPD ist eine vermeidbare und behandelbare Krankheit, die Atemnot, chronische Auswurfproduktion und Husten verursacht. Vor allem die Exposition gegenüber Tabakrauch und anderen eingeatmeten giftigen Partikeln und Gasen sind die Hauptrisikofaktoren. Neuere Untersuchungen ergaben, dass auch ein suboptimales Lungenwachstum vor und nach der Geburt das Risiko, im späteren Leben eine COPD zu entwickeln, erhöhen. Um die Lunge gesund zu halten, sollten Zigaretten, Luftverschmutzung und berufliche Belastungen vermieden werden. Wichtig sind auch eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, gegebenenfalls auch eine Lungenrehabilitation. Darüber hinaus können wichtige Impfungen, die Einhaltung von Arztterminen und die korrekte Einnahme von Medikamenten dazu beitragen, dass die Lunge gesund bleibt.

Nur vier von zehn Menschen kennen COPD

Eine österreichweite durchgeführte, repräsentative Markforschung von SPECTRA hat die Bekanntheit der COPD in der Bevölkerung erhoben. Dabei trat zutage, dass vier von zehn Teilnehmenden mit dem Begriff COPD oder chronisch obstruktive Lungenerkrankung nichts anzufangen wissen. Unter 15- bis 30-Jährigen sind es sogar 70 Prozent, die COPD nicht kennen, während die Krankheit immerhin 63 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 71 Prozent der Personen ab 50 Jahren ein Begriff ist. Die unterschiedliche Bekanntheit in den verschiedenen Altersgruppen lässt sich laut Mag. Romana Forster-Gartlehner vom SPECTRA Marktforschungsinstitut auf die steigende Betroffenheit mit zunehmendem Alter zurückführen.

Nichtraucherschutz forcieren

Gundula Koblmiller, MSc., Vorstandsmitglied der Österreichischen Lungenunion, erklärte beim Pressegespräch, dass der Bevölkerung „in einem Land mit einer starken Raucherkultur“ vor Augen geführt werden müsse, dass vor allem das Rauchen für die Entwicklung einer COPD verantwortlich sei. „Rauchen erst gar nicht anzufangen ist die beste Prävention!“, so Koblmiller.

Bewusstseinsschaffung für COPD

Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Leiter des Karl-Landsteiner-Instituts für Lungenforschung und Pneumologische Onkologie an der Klinik Floridsdorf, fordert, dass in der Gesundheitspolitik dem Thema COPD mehr Bedeutung und Gewicht beigemessen werden sollte. Ließe sich COPD mit Rauchen bzw. mit den Folgen des Rauchens in Verbindung bringen, könnte man das COPD-Risiko beträchtlich verringern, ist der Lungenfacharzt überzeugt.

Gundula Koblmiller fordert einen niederschwelligeren Zugang zur Rauch-Entwöhnung: „Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Hierzu sollten sich die die Sozialversicherungen und Versorgungseinrichtungen bundesweit schnell durchringen.“ Die Folgen jahrelangen Rauchens würden sich nämlich erst zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr zeigen, klassische Symptome wie chronischer Husten und Atemnot würden oft jahrelang ignoriert. So komme es dazu, dass die Diagnose erst sehr spät oder gar nicht gestellt werdee.

Die COPD-Diagnose wird Valipour zufolge mithilfe eines Lungenfunktionstests gestellt. Damit aber mehr Betroffene überhaupt diesen Test machen, sei es wichtig, auch hierfür Bewusstsein für die Erkrankung zu schaffen. „Nach der Diagnose kann eine Therapie das Fortschreiten der Erkrankung – abhängig vom Schweregrad – verlangsamen und die Beschwerden lindern“, so Valipour. Neben Raucherentwöhnung und Bewegung setzen Experten auf die Therapie mit Medikamenten sowie einen Aufenthalt in einem pneumologischen Reha-Zentrum. Doch Koblmiller zufolge würden COPD-Erkrankte und Long-COVID-Betroffene mittlerweile um die Reha-Plätze konkurrieren. Während COVID-19 den meisten Menschen mittlerweile gezeigt habe, dass Atemnot lebensgefährlich sein kann, geschehe dies bei COPD zu „leise“ und „unauffällig“, konstatierte Koblmiller.

Quelle: Pressegespräch der Plattform HOME CARE PROVIDER anlässlich des Welt-COPD-Tages 2021 am 11. November 2021