Die (verzögerte) Druckurtikaria führt nach Druckbelastung (konstanter, senkrecht einwirkender Druck) mit vier bis acht Stunden Verzögerung zur Ausbildung tiefliegender, oft schmerzhafter Schwellungen, die zwischen 8 und 48 Stunden bestehen bleiben können.

Auslöser & Symptome

Als Ursache einer chronischen spontanen Urtikaria (Nesselsucht), bei der Quaddeln/Angioödeme täglich, wöchentlich oder seltener auftreten können, wurden u. a. chronische Infektionen oder entzündliche Prozesse (wie z. B. Helicobacter pylori), nicht allergische Hypersensitivitätsreaktionen auf Lebensmittel, Nahrungsmittelzusätze und Medikamente (Pseudoallergien) sowie Autoreaktivität einschließlich Autoimmunität (bedingt durch Autoantikörper) beschrieben.

Das heißt, das Immunsystem des Körpers stellt Abwehrantikörper (Immunglobuline) gegen körpereigene Eiweiße her. Diese werden von den Abwehrantikörpern gerade so angegriffen, als würde es sich hierbei um gefährliche Eindringlinge wie z.B. Bakterien handeln. Der Körper bekämpft sich sozusagen selbst. Deshalb nennt man solche Abwehrantikörper gegen „sich selbst“ auch Autoantikörper.

Klinisch kann eine Druckurtikaria mit Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und leichter Temperaturerhöhung einhergehen. Als isolierte Form tritt die Druckurtikaria mit einem Anteil von <1% aller Urtikariaformen nur selten auf. Meist ist sie mit einer chronischen Urtikaria assoziiert und zeigt oftmals einen langjährigen Verlauf. Bevorzugt betroffen sind Körperstellen mit Druckbelastung wie Handflächen, Fußsohlen, Schultern und Rücken. Männer sind doppelt so häufig wie Frauen betroffen. Der Altersgipfel liegt bei 30 Jahren. Die Dauer bis zur Spontanremission beträgt sechs bis neun Jahre. Die Diagnostik umfasst in erster Linie den Drucktest, der sofort und mit sechs Stunden Verzögerung abgelesen wird.

Diagnose & Therapie

Die Suche nach dem Auslöser (oder den Auslösern) ist oft eine Detektivarbeit. Die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache muss das Ziel der Behandlung der chronischen Urtikaria sein. So sollte bei einer Infekt-Urtikaria der Infekt beseitigt werden und bei einer Intoleranz-Urtikaria sollten die auslösenden Stoffe vermieden werden. Ist ein solcher Therapieansatz nicht möglich oder nicht erfolgreich, kommt eine symptomatische Behandlung zum Einsatz.

Das pragmatische Vorgehen ist daher, ein Symptom-Tagebuch zu führen und genau zu beobachten: Wo treten die Quaddeln/Angioödeme auf? Zu welcher Tageszeit? Bei bestimmten Tätigkeiten, etwa beim Duschen oder bei Spaziergängen im Winter? Gibt es einen Zusammenhang mit Berufszeiten und Freizeit oder mit bestimmten Nahrungsmitteln, Aktivitäten, Hobbies oder Erkrankungen?
Werden Lebensmittel oder Lebensmittelzusatzstoffe als Auslöser vermutet, kann eine zwei- bis dreiwöchige Eliminationsdiät hilfreich sein. Es wird beispielsweise mit Leitungswasser, Schwarztee, Zwieback begonnen, dann mit Kartoffel und Reis ergänzt usw.: Verschwinden die Erscheinungen in dieser Zeit, können nach und nach neue Lebensmittel eingeführt werden, bis man auf jene stößt, die einen Urtikariaschub auslösen.

Therapeutisch empfiehlt sich die Verteilung des Gewichts auf eine größere Fläche, um so den Druck zu reduzieren. Kanten sollten daher vermieden werden. Auch kann durch besondere Schuheinlagen Patienten mit Beschwerden an den Fußsohlen geholfen werden. Hochdosierte Antihistaminika können die Symptome bessern.