Kassenärzte: Stornogebühr könnte für rechtzeitige Terminabsage sorgen

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Österreichweit sind viele Kassenstellen unbesetzt, besonders in der Allgemeinmedizin ist die Situation angespannt. Aber auch in vielen Fachgebieten fehlen Kassenärzt:innen. Umso frustrierender ist es, wenn Patient:innen ihre Arzttermine nicht absagen, aber auch nicht wahrnehmen und dabei anderen die Chance auf einen Termin vereiteln. Die Androhung einer Stornogebühr in solchen Fällen soll diesen Missstand nun beheben.

„Als Kassenarzt bemüht man sich, die beste Versorgung trotz Zeitmangels zu leisten“, sagte der Kassenarzt Dietmar Bayer, Psychiater und stellvertretender Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte der Österreichischen Ärztekammer im Rahmen einer Pressekonferenz. Umso frustrierender sei es, wenn Patient:innen ihre Arzttermine nicht absagen, sondern einfach nicht erscheinen. Dafür gebe es viele Gründe. Aber wenn die Ordination nicht darüber informiert werde, dann werde den Ärzt:innen die Möglichkeit genommen, sich der Situation anzupassen: „Wenn wir Bescheid wissen, dann können wir Patient:innen einschieben, es ist jenen Patient:innen gegenüber unfair, die diesen nicht wahrgenommenen Termin dringend benötigt hätten“, so Bayer.

Er habe daher vor einiger Zeit beschlossen, als Kassenarzt Stornogebühren einzufordern. Das sei nicht angenehm, aber eine Notwendigkeit, die bei den Patient:innen durchaus auf Verständnis stoße: „Wir wollen die Zeit, die ein Patient nicht in Anspruch nimmt, für andere Patienten verwenden können. Und dafür sind wir auch auf die Mithilfe der Patienten angewiesen“, betonte Bayer.

Trotz moderner Technologie werden Termine nicht eingehalten

Auch die Allgemeinmedizinerin und stellvertretende Bundeskurienobfrau der niedergelassenen Ärzte, Naghme Kamaleyan-Schmied, die eine Kassenpraxis in Wien-Floridsdorf führt, verrechne eine Gebühr bei Leerterminen. Trotz des Online-Services mit einer Erinnerungsfunktion sowie einfacher Stornierungsmöglichkeit des Termins käme es immer wieder vor, dass Patient:innen nicht erscheinen. Die Stornogebühr sei eine Möglichkeit, die Zahl der Leertermine zu reduzieren. „Wir hoffen, dass allein die Ankündigung der Stornogebühr schon zu Termintreue beitragen kann“, so Kamaleyan-Schmied.

Bei Vorliegen triftiger Gründen für das Fernbleiben bei einem vereinbarten Termin ließe Kamaleyan-Schmied selbstverständlich Kulanz walten. „Aber wenn dieses Verhalten immer wieder vorkommt und bestimmte Patient:innen immer wieder Termine vergessen, dann müssen sie für den Ausfall bezahlen“, verdeutlichte die Hausärztin. „Wir haben ein öffentliches, solidarisches Gesundheitssystem, das an sich eine gute Sache ist – aber die Ressource Arzt ist rar und man sollte diese auch soweit wertschätzen, dass man diese Ressource nicht verschwendet“, so die Allgemeinmedizinerin. Es gebe in der heutigen Gesellschaft allgemein die Tendenz, alles für selbstverständlich zu erachten und dabei zu vergessen, dass vieles eben nicht selbstverständlich sei – etwa eine gute Gesundheitsversorgung. Zudem gebe es die Erwartung, dass man alles zu jeder Zeit sofort bekomme. Kamaleyan-Schmied plädiert daher dafür, die Sinne zu schärfen: „Schon die Androhung einer Ausfallsgebühr erzielt bei den meisten eine Sensibilisierung“, ist sie überzeugt.

Pressekonferenz der Österreichischen Ärztekammer, Juni 2023