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Sozial-rechtliche Absicherung bei geminderter Arbeitsfähigkeit

Familie aus Hoilz unter einem mit orangem Stift gemaltem Schirm. Credit: Canva

Über Absicherungsmöglichkeiten für Menschen, die im Berufsleben nicht mehr die volle Leistung erbringen können, informierte Mag. Krisztina Juhasc von der Arbeiterkammer Wien bei einem Webinar der Österreichischen Lungenunion.

Pflichtversicherung: Wann bin ich versichert?

Unabhängig, ob Voll- oder Teilzeit gearbeitet wird, werden ab der Geringfügigkeitsgrenze von monatlich EUR 485,85 bis zur Höchstbeitragsgrundlage von monatlich EUR 5.670,00 Sozialversicherungsbeiträge vom Bruttoeinkommen einbezahlt. Sobald ein Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze erzielt wird, besteht eine Vollversicherung in der Unfall-, Kranken-, Pensions-, sowie Arbeitslosenversicherung. Für die Invaliditätspension und grundsätzlich alle Pensionsanträge ist der Pensionsversicherungsträger (PVA, SVS, BVAEB) zuständig, bei dem in den letzten 15 Jahren vor dem Stichtag die meisten Versicherungsmonate erworben wurden.

Krankengeld

Das Krankengeld hat eine Erwerbsersatzfunktion. Anspruch haben erwerbstätige Pflichtversicherte nach ASVG wie Arbeitnehmer und Angestellte, Selbstversicherte bei geringfügiger Beschäftigung und Arbeitslosengeldbezieher. Kein Anspruch besteht für Pensionisten und mitversicherte Personen wie beispielsweise Angehörige sowie Bezieher von Kinderbetreuungsgeld.

Krankengeld gebührtab dem vierten Tag bis zur Dauer von 26 Wochen. Bestand innerhalb der letzten 12 Monate vor Eintritt des Versicherungsfalls mindestens sechs Monate eine Krankenversicherung, verlängert sich der Anspruch auf bis zu 52 Wochen, die Höchstdauer des Krankengeldanspruchs kann auf bis zu 78 Wochen erhöht werden.

Die Höhe des Krankengeldes wird durch die Bemessungsgrundlage (Bruttoentgelt) und die Dauer der Arbeitsunfähigkeit bestimmt. Vom vierten bis 42. Tag der Arbeitsunfähigkeit beträgt das Krankengeld 50 Prozent, ab dem 43. Tag 60 Prozent der Bemessungsgrundlage. Bei einem Anspruch auf Sonderzahlungen erhöht sich das Krankengeld um 17 Prozent.

Formel: 50% / 60% des (letzten Bruttogehalts : 30 x 1,17) = tägliches Krankengeld

In gewissen Situationen kann das Krankengeld ruhen.

Sonderkrankengeld

Voraussetzung für den Bezug von Sonderkrankengeld ist ein aufrechtes Dienstverhältnis. Es besteht kein Anspruch auf Entgelt, bei halbem Entgeltanspruch gebührt das Sonderkrankengeld zur Hälfte. Bei Erreichen der Höchstbezugsdauer von Krankengeld (52 Wochen) kommt es zu einer sogenannten Aussteuerung. Wurde ein Antrag auf Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension mit Bescheid abgelehnt, kann beim Arbeits- und Sozialgericht eine Klage eingebracht werden. Für die Zeit zwischen Gerichtsentscheidung und Aussteuerung kann Sonderkrankengeld beantragt werden.

Geminderte Arbeitsfähigkeit: Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension

Für Arbeiter kommt eine Invaliditätspension, für Angestellte eine Berufsunfähigkeitspension und für Selbständige eine Erwerbsunfähigkeitspension in Frage. Um die Leistung beziehen zu können, muss bei der Pensionsversicherungsanstalt ein Antrag auf Feststellungsantrag bzw. Leistung gestellt werden. Voraussetzung ist, dass die Erkrankung voraussichtlich länger als sechs Monate andauert bzw. der Krankengeldbezug endet.

Leistungsarten

  • Die unbefristete Pension wird gewährt, wenn angenommen wird, dass die Berufsunfähigkeit bzw. Invalidität auf Dauer bestehen wird und Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation nicht zweckmäßig oder nicht zumutbar sind. Eine bereits zuerkannte Pension kann bei verbessertem Gesundheitszustand entzogen werden.
  • Die befristete Pension wird für vor 1964 geborenen Personen für maximal zwei Jahre gewährt, sofern eine berufliche Rehabilitation nicht zweckmäßig und zumutbar ist. Besteht danach weit Berufsunfähigkeit bzw. Invalidität, kann die Pension nach Antragstellung weiter zuerkannt werden.
  • Die Rehabilitation vor Pension gilt für ab 1964 geborene Personen und umfasst medizinische bzw. berufliche Rehabilitation, Rehabilitationsgeld, Case Management und gegebenenfalls Umschulungsgeld.

Achtung: Für jede Pensionsart müssen verschiedene Anspruchsvoraussetzungen erfüllt werden.

Service

Die vorliegenden Informationen spiegeln den Stand zum Zeitpunkt des Webinars wider. Bei Fragen zur Kranken-, Pensions- oder Unfallversicherung wenden Sie sich bitte telefonisch unter 01/501 65 DW 1204 oder unter der E-Mail-Adresse sv@akwien.at an die Sozialversicherungsexperten der Arbeiterkammer Wien.

Jour fixe der Österreichischen Lungenunion, 27. Juni 2022

Mit dem Pollenwarndienst bestens informiert

Rund eine Million Österreicher leiden unter einer Pollenallergie. Für Allergiker wird jede Pollensaison eine echte Strapaze. Juckende Augen, Atembeschwerden, Niesanfälle und eine rinnende Nase sind die häufigsten Symptome. Das Service des Österreichischen Pollenwarndienstes hilft Ihnen durch präzise Information die Beeinträchtigungen zu minimieren. Der Österreichische Pollenwarndienst … Weiterlesen …

Studie: Eisenmangel und Allergien – gezielte Mikroernährung lindert Symptome

Gezielte ernährungstechnische Maßnahmen können die Symptomlast bei allergischen Reaktionen verringern. Eine neue Studie belegt nun, dass ein Mikronährstoffmangel Entzündungen fördern und das Immunsystem besonders empfindlich gegenüber allergenen Stoffen machen kann. Allen voran signalisiert zum Beispiel Eisenmangel den Abwehrzellen Gefahr und führt zu einer erhöhten, übertriebenen … Weiterlesen …

Klinische Studien brauchen Patient:innen als Partner

Klinische Studien sind wichtig, um neue Medikamente zu erforschen. Durch die Teilnahme arbeiten Patienten aktiv an neuen Therapiemöglichkeiten mit – als Partner der Medizin und Forschung! Dafür haben sie Zugang zu den neuesten, noch nicht am Markt befindlichen Medikamenten. Österreichs führende Mediziner bitten Patienten im Video um ihre Hilfe und erklären, warum es Sinn macht, an klinischen Studien teilzunehmen.

OA Dr. Klaus Hackner, Lungenfacharzt Krems
OÄ Dr. Christine Bangert, Hautärztin, Wien
OA Dr. Maximilian Hochmair, Lungenfacharzt, Wien
OA Dr. Georg Pall, Onkologe, Innsbruck
Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Lungenfacharzt, Wien
Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Lungenfacharzt, Wien

Der Gedanke an klinische Studien kann verwirrend oder sogar abschreckend sein. Viele Patienten haben Angst, dass mit ihnen experimentiert wird oder die Sicherheit der Therapie nicht gegeben ist. Leider besteht eine große Unkenntnis darüber, was bei klinischen Studien wirklich passiert und wozu diese notwendig sind. Deshalb hat die Österreichische Lungenunion dieses Information-Video über klinische Studien zusammengestellt.

Letztlich sind klinische Studien ein sicheres Mittel für Mediziner, um neue Medikamente zu erforschen. Alle verfügbaren Medikamente haben klinische Studien durchlaufen, um zu beweisen, dass sie sicher und wirksam sind. „Klinische Studien sind in der Medizin notwendig, um zu beweisen, dass eine neue Substanz besser ist als Placebo oder die bisherigen Medikamente“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Lungenfacharzt, Wien. „Viele Menschen fürchten sich vor klinischen Studien, aber heutzutage sind diese wirklich sicher“, erklärt auch OÄ Dr. Christine Bangert, Hautärztin, Wien: „Die Patienten werden engmaschig betreut.“

Jede klinische Studie hat vier Hauptphasen:

In Phase 1 testen Forscher die Sicherheit der neuen Therapie bei gesunden Menschen. Dabei werden regelmäßig medizinische Untersuchungen durchgeführt und alle Nebenwirkungen notiert. In der 2. Phase werden verschiedene wirksame Dosierungen untersucht und wiederum etwaige Nebenwirkungen abgefragt und beobachtet. Phase 3 umfasst eine größere Gruppe von Patienten, um ein klareres Bild davon zu erhalten, wie wirksam das neue Medikament im Vergleich zu den derzeit verfügbaren ist. Phase 4 erfolgt schließlich nach der Zulassung eines Medikaments und hilft, den Nutzen und die möglichen Risiken über einen längeren Zeitraum zu untersuchen.

Welcher Nutzen besteht für Teilnehmer?

 „Für mich als Person bringt die Teilnahme an einer Studie den Vorteil, Zugang zu neuen Medikamenten zu erhalten, bevor diese öffentlich verfügbar sind“, so Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Lungenfacharzt, Wien. Zudem erhalten Patienten durch die erforderliche regelmäßige Kontrolle und die laufenden medizinische Tests genaueste Informationen über den eigenen Gesundheitszustand.

OA Dr. Georg Pall, Onkologe, Innsbruck: „Klinische Studien sind eine große Chance für die Medizin und den Fortschritt, aber auch eine große Chance für den Patienten. Denn man erhält neue Medikamente zu einem Zeitpunkt, zu dem diese Therapien regulär noch gar nicht verfügbar sind.“ Ohne die Teilnahme von Patienten kann die Sicherheit und Wirksamkeit von neuen Medikamenten nicht geprüft werden. Die neuesten Medikamente können nur zu Verfügung gestellt werden, wenn Patienten an Studien teilnehmen. Das Feedback der Patienten ist wichtig und hat auch einen großen Einfluss auf das Ergebnis der Studie.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Lungenfacharzt, Wien: „Die moderne Medizin wäre ohne die klinische Forschung gar nicht vorstellbar. Die Teilnahme an klinischen Studien ermöglicht Patienten den Zugang zu innovativen Behandlungskonzepten – noch lange bevor diese allgemein verfügbar sind. Darüber hinaus gewährleistet eine Partizipation an Studien eine hochqualitative medizinische Betreuung an Expertenzentren.“

Bitte um Mithilfe

„Bei vielen Erkrankungen gibt es leider nach wie vor für Patienten und Ärzte keine ausreichend wirksamen oder sicheren Behandlungsmöglichkeiten“, so OA Dr. Gregor Holzer, Dermatologe, Wien: „In klinischen Studien werden oft im Vergleich zu bestehenden Therapien wirksamere Therapien geprüft. Hier hat man als Patient nicht nur die Möglichkeit, eine modernere und bessere Therapie zu bekommen. Man ist auch durch die Kontrollen und die enge Anbindung an ein Studienzentrum mit seiner Erkrankung oft besser betreut als reguläre Patienten. Ohne Teilnahme an einer klinischen Studie ist medizinischer Fortschritt nicht möglich.“

OA Dr. Klaus Hackner, Lungenfacharzt, Krems, bittet im Videostatement Patienten um Hilfe: „Machen Sie mit bei klinischen Studien und helfen Sie uns, Therapie und Behandlungsmöglichkeiten weiter zu verbessern! Sie sind dabei keine Versuchskaninchen, sondern haben die Möglichkeit, an der Wirksamkeit und Verträglichkeit von neuen Medikamenten mitzuwirken.“

OA Dr. Maximilian Hochmair, Lungenfacharzt, Wien: „Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, ob die Möglichkeit einer klinischen Studie besteht. An unserem Lungenkrebszentrum haben wir rund 20 Studien laufen. Ein neues Medikament davon könnte vielleicht Ihnen perfekt helfen.“

Download Folder „Klinische Studien“ (3,1 MB)

Wir danken folgenden Sponsoren für die Unterstützung der Aktion „Klinische Studien und die Rolle der Patienten und Patientinnen“:

AbbVie, ALK, AstraZeneca, Bencard, BMS, Janssen, Novartis, Roche, Takeda