Über die gemeinsame Entscheidung von Ärzten und Patienten hinsichtlich der Therapie von Asthma bronchiale sowie neueste Richtlinien, die jährlich von der Global Initiative for Asthma (GINA) evaluiert werden, informierte der Lungenexperte Univ. Prof. Dr. Wolfgang Pohl bei einem Webinar der Österreichischen Lungenunion.

Der Generalsekretär der Österreichischen Lungenunion, Univ. Prof. Dr. Wolfgang Pohl, erläuterte zu Beginn seines Impulsvortrags, worauf es bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung, dem sogenannten Shared Decision Making, ankommt. Die gemeinsame Therapieentscheidung ermöglicht Patienten, gemeinsam mit ihrem Lungenfacharzt herauszufinden, welche Therapie am besten geeignet ist. Dieser Vorgang kann helfen zu verstehen, wie bestimmte Therapien funktionieren.

Gemeinsam die beste Lösung finden

„Patienten sollten sich überlegen, was sie wollen und brauchen, um mit der Asthma-Erkrankung eine gute Lebensqualität zu haben. Schließlich kann für jeden Patienten eine individuelle Therapie gefunden werden. Denn mittlerweile können wir Asthma hervorragend betreuen, behandeln und kontrollieren“, betonte Pohl. Im Gespräch sollten Menschen mit Asthma daher ihre Bedürfnisse, persönlichen Überzeugungen und Vorliegen mitteilen. So lässt sich sicherstellen, dass die passende Therapie zum Einsatz kommt. Werden bestimmte Therapien nicht vertragen oder schränkt der Tagesablauf den Therapieplan ein, kann gemeinsam eine Alternative gefunden werden, die sich dem Lebensstil und den individuellen Vorliegen besser anpasst.

Therapieerfolg und Lebensqualität verbessern

Mit der gemeinsamen Entscheidungsfindung lassen sich sowohl der Therapieerfolg als auch die Lebensqualität verbessern. Anhand folgender Fragen kann sichergestellt werden, dass Patienten einbezogen werden:

  1. Wie wirkt die Therapie?
  2. Welchen Nutzen hat die Therapie?
  3. Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?
  4. Was ist, wenn ich die Therapie nicht nehme?
  5. Welche Alternativen gibt es?

Personalisiertes Asthma-Management

„Die Substanzen müssen in die Atemwege gelangen, denn diese sind bei Asthma besonders betroffen. Das Ziel ist, das chronische Entzündungsbild zu kontrollieren“, so der Lungenexperte. Dabei muss sichergestellt sein, dass die Diagnose Asthma tatsächlich stimmt und um welches Asthma es sich handelt. Auch die Frage, ob und welche Begleiterkrankungen vorliegen, ist wesentlich für die Therapieentscheidung. Pohl führte als Beispiele Erkrankungen der oberen Atemwege, allergischen Schnupfen, Nasenpolypen, Reflux und häufige Infekte an. Hier muss entschieden werden, ob diese sofort behandelt werden oder noch ein Zuwarten möglich ist.

„Für die primäre Therapieeinstellung ist die Häufigkeit der Symptome ein elementarer Faktor. Dann kommt es darauf an, herauszufinden, ob Nebenwirkungen auftreten, die Therapie ausreicht und die Symptomkontrolle erfolgreich ist. Es kann manchmal auch ausreichen, die Dosis wieder zu reduzieren“, erklärte Pohl. „Besonders wichtig ist die richtige Inhalationstechnik“, betonte der Lungenfacharzt, der auch auf die Bedeutung nicht-medikamentöser Therapien in Form von regelmäßiger Bewegung, Atemtraining und Rehabilitation einging.

Asthma-Betroffene müssen Pohl zufolge immer wieder einen Lungenfunktionstest durchführen lassen und zu ihren Symptomen befragt werden. Es muss zudem evaluiert werden, ob sie sich zufriedenstellend behandelt fühlen. Ob die Gefahr von gehäuften akuten Phasen der Verschlechterung (Exazerbationen) vorliegt, lässt sich auch anhand eines Fragebogens zur Asthmakontrolle herausfinden.

Erster Behandlungsweg

„Das inhalative Kortison ist eine antientzündliche Substanz und muss von Anfang an verabreicht werden“, betonte Pohl. Denn bei Asthma handle es sich um eine chronische Entzündungserkrankung, wobei die Entzündung auch bei intermittierenden (Asthmasymptome an zwei Tagen pro Woche oder weniger) und milden Verlaufsformen vorhanden ist.

Der Vorteil von Inhalatoren, die zugleich inhalatives Kortison (ICS) und Formoterol enthalten, ist enorm, so Pohl, der zugleich darauf hinwies, dass dieses niedrig dosierte Kortison nicht gefährlich ist. „Sie können diese Dosierung ein Leben lang einnehmen, und sie wird Ihnen im Sinne von Nebenwirkungen keinen Schaden zufügen. Es kann Ihnen nur helfen“, versicherte der Asthma-Experte. Die Bronchien-erweiternde Substanz Formoterol hat den Vorteil, dass sie innerhalb von fünf Minuten wirkt und sich Asthma-Beschwerden somit rasch legen. Die Wirkung hält zudem für 12 Stunden an.

Stufenschema der Asthma-Behandlung (erster Behandlungsweg)

Tabelle: Richtlinien der der Global Initiative for Asthma (GINA) aus dem Jahr 2021

Somit würden diese Kombination in den Stufen 1 und 2 bei Bedarf sowie in allen Stufen als Notfallmedikation eingesetzt. In der Stufe 3 kommt niedrig dosiertes ICS-Formoterol als Dauertherapie zum Einsatz, während in der Stufe 4 auf eine Dauertherapie mit mittel dosiertem ICS-Formoterol gesetzt wird. In der Stufe 5 enthält der Inhalator neben hoch dosiertem ICS-Formoterol auch ein lang wirksames Anticholinergikum (LAMA) zur Bronchienerweiterung. „Reicht diese Medikation nicht aus, müssen wir auf eine substanzielle Medikation übergehen. Dabei werden Patienten mit Antikörpern behandelt. Hier schießen wir Entzündungssignale ganz gezielt aus den Atemwegen heraus“, erklärte Pohl.

Asthma ist Pohl zufolge eine variable Erkrankung. Sie kann mit einer sehr guten Anfangsbehandlung so eingestellt werden, dass Patienten nach einer Zeit von rund drei Monaten, in der sie stabil sind, die Medikation reduzieren und etwa von der Stufe 4 auf die Stufe 3 hinuntersteigen können.

Zweiter Behandlungsweg

Bei der Betreuung einer Asthma-Erkrankung muss immer eine inhalative Kortison-Therapie dabei sein. Während beim ersten Behandlungsweg ein Inhalator sämtliche benötigten Substanzen enthält, kommen beim zweiten Behandlungsweg zwei Inhalatoren zum Einsatz.

Stufenschema der Asthma-Behandlung (zweiter Behandlungsweg)

Tabelle: Richtlinien der der Global Initiative for Asthma (GINA) aus dem Jahr 2021

„Ein kurz wirksames Beta 2-Mimetikum (blauer Inhalator) wird in der Stufe 1 als Bedarfstherapie um ein niedrig dosiertes, inhalatives Kortison ergänzt. In allen Stufen eignet sich ergänzend ein Beta 2-Mimetikum als Notfallsmedikation. In der Stufe 2 kommt ein niedrig dosiertes, inhalatives Kortison als Dauertherapie zum Einsatz. In der Stufe 3 wird ein inhalatives Kortison mit einem lang wirksamen Beta 2-Mimetikum kombiniert, das über einen Zeitraum von 24 Stunden wirkt. In der Stufe 4 wird die Kortison-Dosis erhöht, und in der Stufe 5 wird – ähnlich wie beim ersten Behandlungsweg – eine inhalative Tripe-Therapie und im Bedarfsfall auch eine Antikörpertherapie angeboten“, erklärte Pohl.

Weitere antientzündliche Therapieoptionen wie beispielsweise die hervorragend wirksame Immuntherapie (Desensibilisierung) sind in der Tabelle zu sehen.

Weitere Informationen

www.ginasthma.org
www.asthmacontroltest.com

Jour fixe der Österreichischen Lungenunion, 21. April 2022