Dem Immunsystem kommt eine wichtige Rolle im Sinne der Prävention, also der Vorbeugung der Tumorentstehung, zu. Die Immunonkologie nutzt das körpereigene Potenzial, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Potenzielle Nebenwirkungen sind in ihrer klinischen Ausprägung mannigfaltig, bei rechtzeitiger Behandlung allerdings in der Regel vollständig rückbildungsfähig.
Experte: Prim. Dr. Markus Rauter (Klinikum Klagenfurt)
Bei der Chemotherapie kommen zellwachstumshemmende Medikamente zum Einsatz. Diese wirken in erster Linie gegen schnell wachsende Zellen und damit vor allem gegen Krebszellen. Eine Chemotherapie kann vor und nach einer Operation angewendet werden, abhängig vom Stadium der Erkrankung.
Es gibt verschiedene Arten von Lungenkrebs, denn Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs. Die Unterscheidung ist wichtig, da die Behandlung davon abhängig ist. Es wird zwischen einem kleinzelligen und einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom unterschieden. Weitere Faktoren für die Behandlung sind der Allgemeinzustand der Patient:innen und wie ausgedehnt der Lungenkrebs bereits ist.
Experte: Prim. Clin. Ass. Prof. Dr. Peter Errhalt (Universitätsklinikum Krems)
Das Rauchfrei Telefon bietet eine besondere Hilfestellung: Im Rahmen der Online-Kampagne „November Rauchfrei“ werden Nikotinabhängige motiviert, einen Rauchstopp zu wagen.
Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour von der Klinik Floridsdorf in Wien erklärte am Tag der Selbsthilfe 2021, wie sich die Lunge stärken und schützen lässt. Der Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie an der Klinik Floridsdorf sowie Leiter der Karl-Landsteiner-Institute für Lungenforschung und Pneumologische Onkologie verdeutlichte, dass neben einer genetischen Veranlagung Faktoren wie vor allem Rauchen, aber auch Allergene, eine Schadstoffbelastung (etwa am Arbeitsplatz) sowie häufig auftretende Infekte der Atemwege im Kindes- und Jugendalter dazu beitragen, dass jemand keine gesunde Lunge hat.
Gleich zu Beginn seines Vortrags wies Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour darauf hin, dass für es für die Hauptfaktoren Rauchen und Allergene eine gute Lösung gebe: „Nämlich Allergien behandeln und vermeiden und natürlich auch erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen.“ Wichtig sei zudem, Kinder und Jugendliche auf keinem Fall Passivrauch auszusetzen.
Ob jemand eine gesunde oder nicht gesunde Lunge hat, zeige sich Valipour zufolge anhand klassischer Beschwerden wie Atemnot, Leistungseinschränkung, chronischem Husten und vermehrter Schleimbildung (Auswurf). Eine Kurzatmigkeit könne bei vielen Lungenerkrankungen oft erst im fortgeschrittenen Stadium oder bei maximaler Belastung auftreten.
Untersuchung der Funktionstüchtigkeit und Schutz der Lunge
Ob eine Lunge gesund ist oder nicht, lasse sich durch eine reguläre ärztliche Untersuchung mit Abhören der Lunge (Auskultation), eine Lungenfunktionsprüfung mit Geräten (Spirometrie) und mittels bildgebender Verfahren wie Lungenröntgen oder Computertomografie feststellen.
„Rauchen ist nach wie vor der größte Feind der Lunge“, betonte der Pulmologe. Somit lasse sich die Lunge zufolge am besten schützen, indem Menschen erst gar nicht mit dem Rauchen anfangen. Bei Raucher*innen sei ein Rauchstopp angezeigt, aber auch Impfungen gegen COVID-19, Grippe (Influenza) und Pneumokokken können zum Schutz der Lunge beitragen. Ein elementarer Aspekt sei darüber hinaus das körperliche Training. „Wir wissen heute, dass regelmäßige körperliche Aktivität, das Trainieren der Atemmuskulatur, das Trainieren der gesamtkörperlichen Muskulatur, einen wesentlichen Bestandteil hat, wie gut natürlich die Lunge (…) ihre Funktion wahrnehmen kann. Was wir vermeiden sollten, ist Couch Potatoes zu werden“, appellierte Valipour.
Erhalt der Leistungsfähigkeit – Training und gesunde Ernährung
Ganz entscheidend für den Erhalt der Leistungsfähigkeit und einer guten Lungenkapazität seien rehabilitative und sportliche Maßnahmen wie Kraft-, Ausdauer- und Atemmuskeltraining, wobei Valipour auf die besondere Bedeutung von Atemübungen hinwies, die sich auf vielfältige Weise durchführen ließen – etwa mittels Yoga oder Ergometertraining. Menschen, die nicht in ein Fitnesscenter gehen möchten, rät der Lungenexperte, in die Natur zu gehen und beispielsweise anhand von YouTube-Videos zu trainieren. Aber auch mit speziellen atemvertiefenden Übungen unter Anleitung von Atemphysiotherapeut*innen lasse sich die gesamte Lungenkapazität ausschöpfen. Durch regelmäßig ausgeübte, herzschonende, konkrete Atemübungen sinke zudem der Puls und es würden weniger Stresshormone im Körper ausgeschüttet, „weil eben die Lunge so ganz entscheidend ist und dazu beiträgt, wie viel Stress wir überhaupt bewältigen können“ so Valipour.
Der tägliche Verzehr von frischem Obst und Gemüse sowie generell eine gesunde Ernährung helfe, die Lunge zu unterstützen und zu stärken, weiß der Lungenfachmann. „Denn am Ende des Tages geht es auch hier um Vitamine, um Antioxidantien, um Abbau von Schadstoffen. Und es ist immer die Kombination von vitaminreicher Ernährung und körperlichem Training. All das führt dazu, dass man gesünder und länger gesund bleibt, resümierte Valipour.
Prävention und Schutz
Um zu verhindern, dass es zu einem Lungenschaden kommt, empfiehlt der Lungenfacharzt die frühzeitige Behandlung von Infekten sowie die rechtzeitige und konsequente Behandlung von Begleiterkrankungen. Darüber hinaus sollen verschriebene Lungenmedikamente regelmäßig verwendet werden.
Quelle: Vortrag Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Tag der Selbsthilfe, 26. September 2021, Rathaus Wien
Nach rund eineinhalb Jahren Corona-Pandemie ist es dank weltweiter Anstrengungen in bisher nicht gekannter Geschwindigkeit gelungen, Impfstoffe gegen COVID-19 zu entwickeln und in großer Menge zu produzieren. Aber auch bei der Behandlung von COVID-19-Patienten wurden große Fortschritte erzielt. Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht gab bei der 45. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie einen Überblick über den aktuellen Stand der medikamentösen Therapien von COVID-19.
Informationskampagne der Österreichischen Lungenunion anlässlich des Welt-Lungen-Tages mit vier Online-Terminen zu den Themen Impfung, Bewegung, Rauchstopp und saubere Luft.
Univ.-Prof. Dr. Marco Idzko, Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie am AKH Wien, beschäftigt sich vor allem mit Asthma bronchiale und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD. Beim Tag der Selbsthilfe am 26. September 2021 gab er einen Überblick über die Diagnose und Therapie der häufigsten Atemwegserkrankungen.
Luftnot: Leitsymptom bei Atemwegserkrankungen
Menschen mit Atemwegserkrankungen spüren Idzko zufolge meist eine Luftnot (Dyspnoe). Dabei handelt es sich um die subjektive Schwierigkeit bzw. die ungewohnte Last, normal bzw. unbewusst atmen zu können. Die Luftnot ist meist mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge verbunden.
Begleiterscheinungen, die mit einer Luftnot einhergehen, sind Husten, vermehrtes Sekret, akut einsetzende Atemnot bzw. Engegefühl sowie Atemgeräusche wie Giemen oder Knistern. Um einer Luftnot auf die Spur zu kommen, wird zu allererst eine Überprüfung der Lungenfunktion mit einem Bodyplethysmographie-Gerät durchgeführt. Dabei wird einerseits der Anteil der in der Lunge verbleibenden Luft und andererseits die maximale Kapazität der Lunge, die ausgeschöpft werden kann, gemessen. Mit dieser Methode kann eine Enge in den Atemwegen bzw. eine Erhöhung der Atemwegswiderstände festgestellt werden. Diese tritt etwa bei obstruktiven Ventilationsstörungen wie Asthma und COPD auf.
Bei Personen mit normalen Atemflüssen, bei denen die ganze Lunge aufgrund von Vernarbungen aber zu klein ist, liegt eine Volumenminderung vor. Hier spricht man von einer restriktiven Ventilationsstörung. Die eigentliche Funktion der Lunge ist der Gasaustausch. Bei der Überprüfung der Menge des Lungenvolumens wird auch erhoben, welcher Anteil des Lungenvolumens die Möglichkeit hat, Sauerstoff aufzunehmen.
Diffusionsstörungen
Die Umverteilung von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen den Lungenbläschen und dem Blut wird als Diffusion bezeichnet. Bei manchen Formen der COPD tritt ein Lungenemphysem auf. Dabei kommt es zur Zerstörung der Lungenbläschen (Alveolen) und somit einer Einschränkung des Gasaustauschs.
Bei der Lungenfibrose findet einem entzündlicher, fibrotischen Umbau statt, bei dem Gewebe zwischen den Kapillaren gewissermaßen vernarbt. Auch hier kommt es – wie beim Lungenemphysem – zu einem Verlust von Diffusionsfläche.
Bei der obstruktiven Ventilationsstörung Asthma bronchiale handelt es sich um eine Erkrankung mit unterschiedlichen Formen, die für gewöhnlich durch eine chronische Atemwegsentzündung charakterisiert sind. Die Entzündung in den Atemwegen ist für Asthma-Symptome wie beispielsweise pfeifende Atmung, akut einsetzende Kurzatmigkeit und Atemwegsenge verantwortlich, wobei die Symptome in ihrer Ausprägung von Tag zu Tag unterschiedlich sind, aber auch vom Ort und der Jahreszeit abhängen.
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zählt ebenso zu den obstruktiven Ventilationsstörungen und umfasst eine Symptomatik und funktionelle Einschränkung der Lunge mit täglichen Beschwerden wie chronischem Husten, gesteigerter Produktion von Auswurf (Sputum), langsam voranschreitender Atemnot und Enge der Atemwege (Atemwegsobstruktion). COPD stellt zudem eine Multisystemerkrankung dar und kann mit Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom oder Adipositas einhergehen. Es kann aber auch zu Knochenschwund, Muskelverlust, Angst oder Depressionen kommen.
Asthma-Therapie
Asthma bronchiale wird in erster Linie mit antientzündlichen Therapien (inhalativen Glucocorticoiden) behandelt, die am besten gleich mit Bronchien-erweiterndem Formoterol (langwirksames, inhalatives Spasmolytikum) kombiniert werden. Später kommt eine weitere Atemwegserweiterung mittels langwirksamer Muskarinantagonisten zum Einsatz. Für Menschen mit schwerem Asthma stehen sogenannte Biologika in Form von Spritzen-Therapien zur Verfügung.
Genauso wichtig wie Medikamente sind nicht-medikamentöse Therapien wie Schulungen zum Medikamentengebrauch (Inhalationsschulungen), denn 80 Prozent der Menschen mit Asthma inhalieren falsch. Auch das Verhalten im Akutanfall sowie die Überwachung der Symptome sollen geschult werden. Eine besondere Bedeutung kommt dem Meiden von Auslösern wie Medikamenten, Stress und Nikotinprodukten sowie der Infektprävention zu. Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen beinhalten eine Allergenkarenz mittels Meiden von Haustieren, eine Milbensanierung oder einen Haus- bzw. Berufswechsel. Auch Physiotherapie und Sport sowie eine Rehabilitation und Gewichtsreduktion sind anzuraten. Bei Allergien gegen Pollen oder Hausstaubmilben kann auch eine spezifische Immuntherapie zur Asthma-Kontrolle beitragen.
COPD-Therapie
Bei der Behandlung der COPD kommen initiale medikamentösen Therapie, follow up-Therapien und nicht-medikamentöse Therapien zur Anwendung. Dabei spielen auch Faktoren wie Impfungen, Ernährung und Rauchentwöhnung eine Rolle. Weiters wird auf Sauerstoff-Langzeittherapien und nicht-invasive Beatmung zurückgegriffen.
Die übliche COPD-Therapie besteht aus Medikamenten zur Erweiterung der Atemwege (Bronchodilatatoren). Bei einigen Typen der COPD, bei denen eine ähnliche Entzündungsreaktion vorliegt wie bei Asthma, werden inhalative Glucocorticoide eingesetzt. Später gibt es versuche, in die Entzündung einzugreifen, beispielsweise mit Roflumilast.
Quelle: Vortrag Univ.-Prof. Dr. Marco Idzko vom AKH Wien, Tag der Selbsthilfe, 26. September 2021, Rathaus Wien
Rund eineinhalb Jahre „Corona-Pandemie“ liegen hinter uns und haben das Leben weltweit verändert. Die Pandemie ist nach wie vor das alles bestimmende Thema. Auf der Jahrestagung der österreichischen Lungenfachärzte in Wien wurden die neuesten Forschungserkenntnisse zu COVID-19 und Kindern vorgestellt: Wie gefährlich kann COVID-19 für … Weiterlesen …
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