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Nicht jede Reaktion auf einen Insektenstich muss allergisch bedingt sein. Um eine lebensbedrohliche Situation zu vermeiden, ist es besonders wichtig, erste Warnzeichen und Symptome einer Anaphylaxie zu erkennen.
Bei einem Insektenstich gilt es darauf zu achten, wie sich die allergische Reaktion verhält. Um lebensbedrohliche Situationen zu vermeiden, ist es ganz wichtig, erste Warnzeichen einer Anaphylaxie zu erkennen. Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Gunter Sturm von der MedUni Graz erklärt, woran man einen anaphylaktischen Schock rechtzeitig erkennen kann.
Ein allergischer Schock, auch anaphylaktischer Schock genannt, beginnt mit Juckreiz auf Hand- und Fußflächen, Hautausschlägen, Quaddeln und geschwollenen Augenlidern. Dann können Übelkeit, Erbrechen, Atemnot oder Herzrasen auftreten. Letztlich kann es zu heftigen Reaktionen wie Kreislaufbeschwerden, Bewusstlosigkeit oder sogar zum Tod kommen.
Tritt eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich auf, gilt es, trotz allem Ruhe zu bewahren und sich nicht zu Panikhandlungen hinreißen zu lassen. Die wichtigste Erstmaßnahme ist, die weitere Zufuhr von Gift zu verhindern, indem man den Stachel entfern. Dazu braucht man ruhige Hände. Durch vorsichtiges Kratzen – kein Ziehen oder Zusammenpressen! – kann der Insektenstachel am einfachsten entfernt werden. So gelangt zumindest kein weiteres Gift in den Kreislauf. Zudem empfiehlt es sich, zur Minderung von auftretenden Kreislaufproblemen die Schocklage einzunehmen – also die Beine hochzulagern.
Um die Gefahr für einen allergischen Schock zu minimieren, gibt Univ. Doz.Dr. Karin Hoffmann-Sommergruber hilfreiche Tipps zur Allergenvermeidung bei Nahrungsmittel-, Medikamenten-, Pollen- und Insektengiftallergie.
Je nachdem, ob es sich um eine Nahrungsmittel-, Medikamenten-, Pollen- oder Insektengiftallergie handelt, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich, um den Kontakt mit dem Allergen zu vermeiden. Univ. Doz. Dr. Karin Hoffmann-Sommergruber von der MedUni Wien erklärt, worauf Betroffene achten sollten.
Allergenvermeidung bei Nahrungsmittelallergien
Die Kennzeichnungspflicht für mögliche Allergene bei verpackten Lebensmitteln und mittlerweile auch in Restaurant-Speisekarten stellt eine große Erleichterung für Menschen mit Nahrungsmittelallergien dar. Denn gerade bei Nahrungsmittelallergien ist die Vermeidung der einfachste und sicherste Weg, um eine schwere allergische Reaktion zu verhindern.
Das Hauptproblem sind heutzutage eher die sogenannten versteckten Allergene, die in nicht deklarierungspflichtigen Produkten enthalten sind. „Die sind dort, wo wir sie nicht erwarten,“ zeigt Dr. Hoffmann-Sommergruber auf. „Zum Beispiel sind bestimmte Zusatzstoffe in Kosmetika. Die Weizenseife macht Weizenallergikern z.B. Probleme.“ Die Expertin empfiehlt daher, sich von einem allergologisch geschulten Diätberater eine Liste geben zu lassen, wo die Allergene vorkommen können. Dieser erarbeitet gemeinsam mit den Betroffenen speziell zugeschnittene Diätempfehlungen – basierend auf deren Diagnose. „Dazu kommt, dass, wenn zu viele Nahrungsmittel vermieden werden sollten, dass es auch vielleicht notwendig ist, die Nahrungsaufnahme um gewisse Vitamine und Spurenelemente zu ergänzen, um nicht in eine Mangelernährung hineinzukommen“, weiß Dr. Hoffmann-Sommergruber. „Außerdem soll das Essen weiterhin auch Freude machen. Ein guter Diätberater konzentriert sich nicht nur auf die Vermeidung, sondern bietet auch andere Möglichkeiten und Alternativen, damit das Essen weiterhin Spaß macht.“
Ein weiter Punkt, der für die Diätberatung spricht, sind Kreuzreaktionen. „Da gibt es schon ein sehr gute molekülbasierte Diagnose, die das Spektrum einengt. Da ist der geschulte Allergologe notwendig, um diese Diagnose zu stellen und daraus dann den Diätplan mit den Patienten und einer Diätberatung zu erstellen,“ so Dr. Hoffmann-Sommergruber. „Denn es ist ja nicht die Milch an sich, die Allergien hervorruft, sondern spezielle Eiweißkörper, die in manchem anderen Lebensmittel wieder auftauchen. Die versteckten Allergene, das sind auch Spuren von Nüssen, die in der Produktion z.B. von Schokoladeprodukten hineinrutschen können, und nicht deklariert sind, können Probleme machen.“
Da es sich bei einer Allergie um eine immunologische Reaktion handelt, ist die Stärke der Reaktion nicht immer dosisabhängig. Manche Risikopatienten – wie Erdnuss- oder Nussallergiker – reagieren schon auf geringste Spuren. „Das sind Hochrisikopatienten, die eine dementsprechende Schulung brauchen – im Gegensatz zu der Mehrheit, die milde Reaktionen haben“, verdeutlicht Dr. Hoffmann-Sommergruber. „Der Diätberater erklärt, wie man die Produktbezeichnungen aufschlüsselt und lesen soll. Er gib Tipps, was in welchen Lebensmitteln vorhanden ist, weil wir ja auf Grund des modernen Lebensstils auch mit viel fertig verpackten Nahrungsmitteln zu tun haben.“
Allergenvermeidung Medikamentenallergie
Wenn eine Allergie auf ein bestimmtes Medikament diagnostiziert wurde, ist strengste Vermeidung notwendig. Betroffene sollten immer einen Allergiepass mitführen, um diese Medikamente nicht verabreicht zu bekommen, sollte einmal ein ernster Notfall eintreten. Bei Kindern von Medikamentenallergikern rät Dr. Hoffmann-Sommergruber, dennoch nicht prinzipiell das Medikament zu vermeiden, sondern zuerst zu probieren, ob das Kind es verträgt. Erst wenn ein Kind tatsächlich eine allergische Reaktion zeigt, sollte die Medikamentenallergie ärztlich abgeklärt werden.
Allergenvermeidung Pollenallergie
Pollenallergikern rät Dr. Hoffmann-Sommergruber, sich den Pollenkalender zu Hilfe zu nehmen und dementsprechend einen Urlaub oder Outdoor-Aktivitäten zu planen. Das Raumlüften sollte sich in der Pollenzeit auf die Früh und am Abend beschränken, da Pollen tagsüber durch die Sonnenbestrahlung mehr in der Luft sind.
Allergenvermeidung Insektengiftallergie
Ein Insektengift zu vermeiden, ist deutlich schwieriger als bei anderen Allergien. Aber auch da hat Dr. Hoffmann-Sommergruber gute Tipps auf Lager: „Wie bei den Pollen gibt es auch da bestimmte Jahreszeiten, wo Insekten vermehrt auftreten“, weiß die Expertin. „In dieser Zeit sollten Insektengiftallergiker besonders aufpassen.“ Beim Spaziergang über die Wiese rät sie, Schuhe und langen Hosen zu tragen. Die gefährlichsten Situationen sind aber das Essen im Freien. Dr. Hoffmann-Sommergruber: „Es sollte alles abgedeckt werden, damit die Insekten nicht angelockt werden. Nicht aus Dosen, die unverschlossen herumstehen, einen Schluck nehmen – das sind die gefährlichsten Situationen, weil das Insekt schon in der Dose drinnen sein könnte.“
Assoc.-Prof. Dr. Gunter Sturm beschreibt die typischen Warnzeichen und den besten Umgang mit einem anaphylaktischen Schock.
Der anaphylaktische (allergische) Schock kann sich unterschiedlich auswirken und wird somit in vier Schweregrade unterteilt. Assoc.-Prof. Dr. Gunter Sturm von der MedUni Graz erklärt im Gespräch mit Vera Russwurm die typischen Warnzeichen eines anaphylaktischen Schocks und den besten Umgang damit.
„Die ganz typischen Anzeichen sind Juckreiz in den Handflächen und Fußsohlen. Dann kommt dazu Unwohlsein, Hitzegefühl und Schüttelfrost“, beschreibt Dr. Gunter Sturm die ersten Anzeichen eines allergischen Schocks. „Das sind Symptome, die zwar lästig sind, aber nicht sehr gefährlich sind und üblicherweise auch später auftreten. Ganz wichtig ist, dass die Hautsymptome nicht immer bei den schweren Reaktionen auftreten. Wenn jedoch wirklich eine sehr schwere Reaktion auftritt, dann kommt auch Schwäche, Neigung zum Kollaps dazu. Das alles kann sehr schnell gehen – innerhalb von zwei, drei, vier Minuten kann der Schock sich bis zur Bewusstlosigkeit auswirken.“
Allergische Reaktionen verändern sich im Laufe des Lebens. Bei Kindern und Erwachsenen gibt es deutlich unterschiedliche Ursachen. Bei Kindern sind drei Hauptauslöser verantwortlich: Auslöser Nr. 1 sind vor allem in den ersten Lebensjahren gewisse Nahrungsmittel. Erst dann kommen Medikamente als Hauptauslöser Nr. 2 – und schließlich Insekten als Hauptauslöser Nr. 3 dazu. Bei Erwachsenen sind Insekten wie Bienen, Wespen, Hornissen die Hauptauslöser einer schweren Anaphylaxie.
Die vier Schweregrade einer Anaphylaxie
Grad I – leichte allergische Reaktion Hautrötungen, Quaddeln, Kribblen im Mund sowie an Hand- und Fjußflächen, Kopfhaut oder Genitalien
Grad II – ausgeprägte allergische Reaktion Schock mit niedrigem Blutdruck, Verkrampfung der Bronchialmuskulator mit bedrohlichen Atembeschwerden, Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit
Grad III – bedrohlich allergische Reaktion Schock mit niedrigem Blutdruck, Verkrampfungen der Bronchialmusikulatur mit bedrohlichen Atembeschwerden, Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit
GradIV – Organversagen Atem- und Kreislaufstillstand (Herzstillstand)
Wichtig! Bei den ersten Warnzeichen, dass es zu einer schweren allergischen Reaktion kommt, schnell handeln und Adrenalin-Pen sofort einsetzen! Danach gleich den Notarzt rufen, weil die Wirkung von Adrenalis nicht unbegrenzt anhält.
Das Notfallset
Ein Notfallset besteht aus zwei unterschiedlichen Allergietabletten und dem Injektionsgerät (Adrenalin-Pen). Wichtig ist zu wissen, dass die Tabletten bei einer schweren Reaktion nicht helfen. „Man sollte mit dem Pen nicht zu viel Zeit verschwenden, weil die Tabletten auf Hautsymptome wirken, aber nicht auf schwere Symptome,“ warnt Prof. Sturm. „Grundvoraussetzungen sind, dass der Pen stets mitgeführt wird und die betroffene Person bzw. ihr Umfeld weiß, wie man den Pen einsetzt. Denn das Problem ist: Viele haben ihn nie mit oder kennen sich mit ihm nicht aus.“
Allergien können bereits in den ersten Lebensjahren auftreten – vor allem, wenn es familiäre Vorbelastungen gibt. Da auch Kindern nicht vor einem schweren allergischen Schock gefeit sind, ist eine gezielte ärztliche Diagnose auf einzelne Komponenten wichtig, um jedes Risiko zu minimieren und Sicherheitsmaßnahmen vorzunehmen. Dr. Rudolf Schmitzberger ist Kinderarzt in Wien. Er erklärt, wie eine Anaphylaxie abgeklärt wird.
Bei Vorliegen von Anaphylaxie-Risikofaktoren, nach einem erstmaligen Wespenstich gekoppelt mit einer massiven Reaktion und bei Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Erste Anlaufstelle ist meist der Kinder- bzw. Hausarzt. Die genaue Abklärung bzw. die Diagnose einer Anaphylaxie erfolgt aber immer beim allergologisch geschulten Facharzt.
„Begonnen wird, so wie bei den meisten Erkrankungen, mit der Erhebung der Krankengeschichte. Bestätigt sich der Verdacht auf eine Allergie, weil es z.B. in der Kernfamilie bei den Eltern, Großeltern oder Geschwistern ärztlich nachgewiesene Allergien gibt, kann mit der gezielten Diagnostik einer Allergie begonnen werden,“ erklärt Dr. Schmitzberger die ersten Schritte.
Welche Art des Allergietests gemacht wird, hängt vom vermuteten Allergen sowie dem Alter des Kindes ab.
Gezielte Diagnostik bis einzelnen Allergenkomponenten
Wie bei Erwachsenen wurde auch bei Kindern der Hauttest, oder auch Pricktest genannt, eingesetzt. Bei diesem wird eine standardisierte Allergenlösung auf den Unterarm oder Rücken getropft. Die betroffene Hautstelle wird dann mit einer dünnen Lanzette geritzt. Für Kinder hat sich in den letzten Jahren jedoch der Bluttest mehr durchgesetzt. Für sie nicht nur weitaus angenehmer ist der Bluttest darüber hinaus auch noch genauer. „Die Labordiagnostik ist wesentlich aussagekräftiger“, erörtert Dr. Schmitzberger. „Es muss eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, bei der dann Antikörper auf das entsprechend vermutete Allergen nachgewiesen werden können.“
Gezielte Diagnostik ermöglicht Risikoeinschätzung
Je genauer die Krankheitsgeschichte im Vorfeld erhoben werden konnte, umso besser kann das Allergenspektrum eingegrenzt werden. Zusätzlich kann dann die Labordiagnostik noch so spezifiziert werden, so dass nicht nur das Gesamtallergen, sondern auch einzelne Komponenten getestet werden können. „Denn wenn wir von dem schlimmsten Fall ausgehen müssen – dem allergischen Schock – müssen wir das Risiko einschätzen können. Daher ist die Austestung dieser speziellen Allergenkomponenten sinnvoll,“ so Dr. Schmitzberger. „Dann weiß ich z.B., ob eine Erdnussallergie nur eine relativ harmlose Mitreaktion einer Birkenpollenallergie ist, oder ob es sich um eine eigenständige klinisch relevante Allergie handelt. Denn bei einer Erdnussallergie muss ich damit rechnen, dass es zu schweren allergischen Reaktionen kommen kann – bis hin zum allergischen Schock. Es ist zwar selten, aber doch kann es zu ganz schweren Reaktionen kommen – sogar dann, wenn das Kind nur mit Spuren von dem Allergen in Berührung kommt oder es einatmet.“
Das Notfallset für Kinder beinhaltet:
Kortison Je nach Alter in verschiedenen Verabreichungsformen als Zäpfchen, Tablette oder Saft
Allergietablette bzw. -tropfen
Atemwegserweiterndes Medikament Je nach Alter des Kindes mit Vorschaltkammer zur sicheren Verabreichung.
Notfall-Selbsthilfespritze (Pen) Eine Spritze mit einen selbst zu verabreichenden Adrenalin, die sich – bei ersten Anzeichen eines schweren allergischen Schocks – das Kind selbst oder eine betreuende Person verabreichen kann. Ab wann ein Kind selbstverantwortlich mit der Spritze umgehen kann, hängt davon ab wie gut das Kind über sein Krankheitsbild aufgeklärt ist. Möglich ist es nach Meinung von Dr. Schmitzberger ab Schulalter.
„Ich möchte die Eltern und Patienten motivieren, Warnsignale ernst zu nehmen“, betont Dr. Schmitzberger. „Wenn sie merken, dass es in Richtung einer schweren allergischen Reaktion geht, sollten sie nicht zögern, diese wirklich wichtige Adrenalin-Selbsthilfespritze zu verabreichen. Es kann nichts passieren, auch wenn sie einmal zu voreilig verabreicht wurde.“
Die häufigsten Auslöser einer Anaphylaxie sind Kuhmilch, Hühnereiweiß, Erdnüsse und Baumnüsse, Nüsse, Samen, Fisch, Meeresfrüchte und Insektenstiche. Univ.-Doz.Dr. Karin Hoffmann-Sommergruberspricht über Veranlagungen und richtiges Vorgehen und die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern sowie Nahrungsmittelintoleranzen und -allergien.
Dass Menschen allergisch auf gewisse Nahrungsmittel reagieren sei vorwiegend genetisch bedingt, erklärt Univ.-Doz.in Dr.in Karin Hoffmann-Sommergruber von der MedUni Wien auf die Frage von Vera Russwurm, warum manche Menschen allergisch reagieren und manche nicht. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind von allergischen Eltern oder Großeltern im Laufe des Lebens eine Allergie entwickelt, ist ziemlich hoch.
Dennoch raten Experten heutzutage nicht mehr zur Vermeidung von bestimmten Nahrungsmitteln bei Kleinkindern. Es ist besser, sie mit allem – auch mit den Lebensmitteln, auf die beispielweise die Eltern allergisch sind – zu konfrontieren. „Vor allem bei Nahrungsmittel im ersten Lebensjahr gilt heutzutage die Empfehlung: Nahrungsmittel schrittweise ausprobieren. So lernt das Immunsystem des Kindes, dass diese Nahrungsmittel, die für uns ja gut und wichtig sind, zu tolerieren,“ erklärt die Expertin.
Bei Erwachsenen gilt nach wie vor – je nach Schweregrad der Allergie – die Devise Vermeidung. „Vor allem nach einem allergischen Schock ist strikte Vermeidung die beste Vorsichtsmaßnahme. Außerdem sollte dann auch die betroffene Person immer ein Notfallset mit sich mitführen“, rät die Expertin.
Verschiedene Schweregrade der allergischen Reaktion
Eine allergische Reaktion kann nur lokal im Mund und Rachenraum auftreten. Sie kann sich aber auch sehr schnell zu einem Asthmaanfall ausweiten oder zu einem generellen Kreislaufversagen, was in manchen Fällen auch zum Tod führen kann. Dr. Hoffmann-Sommergruber: „Das Problem ist, dass der allergische Schock in den ersten 15 Minuten auftritt. Es ist eine Sofortreaktion.“ Daher sollte man diese Patienten, wenn es schon einmal Anzeichen für eine schwere Reaktion wie z.B. einem Asthmaanfall gegeben hat, noch einmal genau diagnostizieren, schulen und mit diesem Notfallset ausstatten.
Assoc.-Prof. Dr. Gunter Sturm erklärt, wie eine schwere allergische Reaktion abgeklärt wird und sich schlussendlich möglichst vermeidenlässt.
Die genaue Abklärung einer schweren allergische Reaktion erfolgt beim allergologisch geschulten Facharzt. Nach der detaillierten Diagnose werden die richtigen therapeutischen Schritte eingeleitet. Assoc.-Prof. Dr. Gunter Sturm von der MedUni Graz erklärt , welche Therapiemöglichkeiten bestehen, um eine schwere allergische Reaktion möglichst zu vermeiden.
Im Prinzip gibt zwei verschiedene Haupttestungen. Die Prick-Testung und den Intrakutantest. Bei der Pricktestung (englisch: prick test, prick bedeutet Stich) wird das Allergen auf die Haut getropft und die Haut ein bisschen angeritzt. So lässt sich erkennen, ob eine allergische Reaktion auftritt. Für spezielle Fragestellungen gibt es den Intrakutantest. Dabei wird das Allergen in die Haut gespritzt, beispielsweise speziell bei einer Insektengiftallergie. Weiters gibt es die Möglichkeit, anhand von Blutbestimmungen spezielle Antikörper nachzuweisen.
Therapie
„Für die Nahrungsmittelallergie gibt es momentan nur die der Vermeidung der Allergene und die Mitnahme eines Notfallsets. Das ist natürlich nur eine symptomatische Therapie, d.h. man kann die Erkrankung nicht heilen. Es gibt zwar Studien, bei denen versucht wurde, Nahrungsmittelimmuntherapien durchzuführen, aber die sind momentan sehr von Nebenwirkungen behaftet und nicht zu empfehlen,“ erläutert Prof. Sturm. „Allerdings kann die häufigste Form der Allergie, nämlich die Insektengiftallergie, in Form einer speziellen Impfkur sehr gut behandelt bzw. geheilt werden. Die Impfkur ist zwar zeitaufwändig, sie dauert auch drei bis fünf Jahre. Allerdings hat man dann zu 95 Prozent einen kompletten Schutz. Diese Impfkur lässt sich auch bei Kindern ab fünf Jahren durchführen.“
Ablauf der Impfkur
Die Impfkur erfolgt anfänglich mittels wöchentlicher Injektionen über einen Zeitraum von elf bis fünfzehn Wochen. „Dann ist man auf der Höchstdosis und bereits auch schon geschützt. In weiterer Folge führt wird die Impfkur alle vier bis sechs Wochen weiter fortgeführt, um den Schutz zu erhalten. Im Vergleich ist die Heilung bei Pollenallergikern nicht so oft gegeben und individuell ziemlich unterschiedlich. „Bei manchen wirkt sie sehr gut. Und diese Personen haben kaum mehr Symptome. Bei manchen wirkt es weniger gut. Wichtig ist aber: Man kann mit dieser Therapie die Wahrscheinlichkeit eines späteren Asthmas verhindern sowie auch, dass neue Allergien dazukommen. Es sind zwei wesentliche Aspekte, die man mitbedenken muss und die den Aufwand durchaus rechtfertigen.“
Bestandteil des Notfalls-Sets: • Adrenalin-Pen • Antihistaminikum (Tablette, Saft) • Kortison (Tablette, Zäpfchen) • bei Asthma: Beta-2-Mimetikum (Inhalator)
Hinweis: Allergieauslöser können nicht hundertprozentig vermieden werden! Nehmen Sie Ihr Notfallset immer mit und halten Sie es griffbereit. Weiters emfpiehlt es sich, auch den Anaphylaxie-Pass immer bei sich zu haben!
OA Dr. Huttegger empfiehlt, dass Betroffene und ihr gesamtes Umfeld in der Lage sein sollen, Symptome eines allergischen Schocks zu erkennen und rasch zu handeln.
Manche Menschen sind auf Wespenstiche oder bestimmte Nahrungsmittel allergisch. Im Extremfall kommt es zum allergischen (anaphylaktischen) Schock. Dabei können innerhalb weniger Minuten ein Kreislaufversagen und sogar der Tod eintreten. OA Dr. Isidor Huttegger von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Salzburg hat viele solcher Fälle behandelt. Er weiß um die Wichtigkeit, dass nicht nur die betroffene Person, sondern – vor allem bei Kindern und pflegebedürftigen Personen – das gesamte Umfeld mit einem allergischen Schock umgehen können muss.
„Nahrungsmittelallergien bei Kindern nehmen stark zu. Wir sehen in den letzten 20, 30 Jahren, dass außerordentlich mehr Kinder schweren Nahrungsmittelallergien zu uns kommen,“ erklärt Dr. Isidor Huttegger im Interview mit Vera Russwurm seine Beobachtungen und gesteht, dass die Wissenschaft bezüglich der Ursachen noch etwas im Dunkeln tappt. Es gibt aber auch neue aufschlussreiche Erkenntnisse: „Wir sehen, dass diese Kinder fast alle auch ein schweres atopisches Ekzem oder Neurodermitis haben. Spekuliert wird daher derzeit, dass die Allergisierung auf Nahrungsmittel über die nicht intakte Haut erfolgt.“
Allergische Schockreaktionen erkennen
„Die Allergie ist im Prinzip dieselbe wie beim Heuschnupfen oder Asthma – nur ist sie potentiell lebensbedrohlich und sie betrifft mehrere Organe,“ erklärt Dr. Hutegger weiters. „Es kann innerhalb von wenigen Minuten nach einem Hautkontakt mit dem Allergen beginnen. Häufig ist es eine Hautrötung. Dann können rote, weiß erhabene, juckende Flecken entstehen, die sogenannten Quaddeln: Wie wenn man in die Brennnesseln gekommen ist. Nach der Hautreaktion kann es eine Schleimhautreaktion geben: Geschwollene, rote Augen, Lippenschwellung, Zungenschwellung, sodass die Atmung röchelnd wird. Dann kann eine Asthmasymptomatik mit einer pfeifenden Atmung entstehen. Es kann der Magen-Darm-Trakt betroffen sein, mit Erbrechen und Durchfall oder kolikartigen Bauchschmerzen. Die stärkste Symptomatik ist dann der Kreislaufzusammenbruch, so dass einem schwindelig wird, oder man gar bewusstlos wird und schlussendlich einen allergischen Schock hat.“
Vermeidung ist oberstes Gebot
„Es gibt zahlreiche veröffentlichte Fallserien, wo sogar auch Säuglinge, aber auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene tatsächlich an Nahrungsmittelallergien versterben,“ erklärt der Experte die traurige Tatsache. Insofern ist klar: Vermeidung ist bei Menschen mit allergischen Schockreaktionen das oberste Mittel der Wahl. Da aber Nahrungsmittelallergien nicht immer vermeidbar sind – weil man nicht immer weiß, was in den Mitteln drinnen ist – ist umfangreiches Wissen rund um das Thema für jeden Betroffenem und sein Umfeld wichtig. „Was man braucht – und da sind alle gemeint: Patienten, Eltern, Angehörige und sämtliches Betreuungspersonal in Kindergärten oder Schulen – ist eine außerordentlich gute Instruktion,“ verdeutlicht Dr. Hutegger. „Wir haben spezialisierte DiätologInnen, die ganz genau Bescheid wissen, in welchen Nahrungsmitteln Allergene üblicherweise drinnen sind. Sie schulen, wie man Etiketten liest und wie man mit „kann Spuren von …“ enthalten, umgeht und vieles mehr.“
Sicher durch den Alltag
Aufgrund des Feedbacks der geschulten Patienten, weiß Dr. Hutegger, dass sich die Menschen nach den Schulungen im Umgang mit Nahrungsmittelallergien im Alltag gestärkt fühlen. „Sie wissen, auf was sie zu achten haben: Instruktion der Vermeidung. Sie wissen, wie Symptome sind. Sie wissen, wie Medikamente einzusetzen sind und sie verlieren die Scheu, im Notfall Medikamente zu initiieren.“
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