Therapeutisches Vorgehen zielt in erster Linie darauf ab, Auslöser oder Verstärker von Asthmaanfällen in den Griff zu bekommen, dem Anfall bewusst entgegenzuwirken.

Entspannungsverfahren wie z.B. das Autogene Training bieten eine Möglichkeit dazu. Autogenes Training (AT):

das AT ist eine Entspannungsmethode und wird auch als psychotherapeutisches Heilverfahren angewendet. Es ist ein autosuggestives, konzentratives Übungsverfahren. Durch die konzentrative Selbstversenkung entsteht die Möglichkeit, ohne Fremdbeeinflussung einen Zustand tiefer Entspannung zu erreichen. Die ”organismische Umschaltung” (d.h. der Übergang von einer aktivitätsgerichteten zu einer der Erholung dienenden Reaktionslage führt zu einer Ich – Stärkung).

Die Methode dieses Trainings liegt darin, sich mit Hilfe der konzentrativen Selbtversenkung in einen Zustand tiefer Entspannung zu versetzen, wodurch es einem gelingt, einen gewissen Abstand zu seinen Problemen zu gewinnen, ruhiger und gelassener zu werden, Nervosität abzubauen, sich selbst besser zu erfahren und Angstzuständen entgegenzuwirken. Im Anschluss an die Grundübungen können bestimmte, speziell der Erkrankung angepasste Vorsatzformeln gesetzt werden.

Ein zentrales psychosoziales Problem des Asthmapatienten ist die erhöhte Angstbereitschaft. Angst generalisiert, d.h. die Angst steigert sich, Patienten sehen immer mehr Situationen als angstauslösend (im Sinne einer Konditionierung). Angst heilt nicht von selber, im Gegenteil – sie wird immer stärker, es kommt zu einem Teufelskreis: Angst -> Asthmaanfall -> Erwartungsangst -> Zunahme der Angstbereitschaft –> körperliche Anspannung -> Angst,…..

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sind folgende Schwerpunkte zu setzen:

SCHWERPUNKTE IN DER PSYCHOTHERAPEUTISCHEN BETREUUNG

  • Schulung der Selbstwahrnehmung
    Erkennen von Angstquellen, Wahrnehmung des eigenen Umgangs mit der Krankheit; als Patient/in sollte man sich folgende Fragen zur Selbstüberprüfung stellen: ”Welche Situationen sind es, die mich bedrücken?”, ”Wie spüre ich mich?”, ”Welche körperlichen Anzeichen spüre ich bei unangenehmen Situationen?”, ”Was löst körperliche Missempfindung bei mir aus – welche Gedanken, welche Gefühle, welche inneren Selbstverbalisationen oder Selbstgespräche?”
  • Stressbewältigung und Angstabbau

    Entspannungsverfahren (siehe Autogenes Training), zusätzlich Reflexion der eigenen Reaktionsweisen bei belastenden Situationen und Aufbau der Situation angemessener Reaktionen; oft führen schon angstbesetzte kognitive Vorstellungen zu pulmonalen Funktions-beeinträchtigungen.

    Generell ist eine starke Panik- und Furchtneigung bei Patienten mit Atemwegserkrankungen zu beobachten. Werden Zeichen eines veränderten Atemrhythmus wahrgenommen, reagieren Patienten mit Panikreaktionen.

    Wesentlich ist auch, Angst einerseits als normales und notwendiges Gefühl anzusehen, aber zu erkennen, dass Angstreaktionen sehr oft überschießend sind, in ihrer Intensität nicht der Situation angepasst.

    Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen haben als Folge der Krankheit und der Erwartungsangst ein höheres Anspannungsniveau als Gesunde. Das führt dazu, dass schon ein kleiner Auslöser zu einem Überschreiten der Angstschwelle führt, was möglicherweise zur Atemnot führt.
  • Reflexion des eigenen Bewältigungsrepertoires
    Bewältigung bedeutet, bereits bestehende oder erwartete Belastungen durch die Krankheit aufzufangen, auszugleichen oder zu verarbeiten. Kognitive Verarbeitung bedeutet, an seinen Gedanken, an der Einstellung etwas zu verändern. Emotionale Verarbeitung beinhaltet direkten Ausdruck von Emotionen, was entlastend wirkt. Unter handlungsbezogener Verarbeitung versteht man Suche nach krankheitsbezogener Information, aktives Planen von Maßnahmen, genaue Medikamenteneinnahme, etc.

    Als Patient sind folgende Fragen zu stellen: ”In welchen Situationen reagiere ich – verärgert, traurig, aufgeregt,…?”, ”Wie reagiere ich bei belastenden Situationen – mit Rückzug, Verzweiflung, Gelassenheit, aktiver Suche,…..?”

    Ungeeignete Bewältigungsformen führen zur ”psychischen Überlagerung” der Grundkrankheit, das subjektive Krankheitsgefühl verschlechtert sich, auch bei Verbesserung der medizinischen Befunde.
  • Veränderung von psychischen Vermittlungsprozessen

    Aufdecken von irrationalen, selbstschädigenden Gedankenketten, die die Stresssituation nur noch verstärken, wie z.B.: ”Diese Situation halte ich nicht mehr aus, ich bin zu schwach, habe Angst, bin völlig hilflos, habe keine Möglichkeit, Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen,…”

    Eine Situation an sich ist nicht immer so schrecklich, es sind die inneren Selbstgespräche, die die Situation zu einer angstauslösenden oder scheinbar unbewältigbaren machen.
  • Selbstsicherheitstraining
    Das Gefühl, keine Kontrolle über seine Erkrankung zu haben, macht unsicher. Die Unsicherheit überträgt sich sehr oft auf soziale Situationen und führt zu sozialem Rückzug, zu Resignation. Ebenso lassen sich Verhaltensdefizite bei aggressiven Auseinandersetzungen mit anderen Personen beobachten – ob sie Auslöser oder Folge der Grundkrankheit sind, lässt sich nicht wirklich feststellen.

Durch Selbstsicherheitstraining, Einüben bestimmter sozialer Handlungsweisen, Erproben ”neuen” Verhaltens lassen sich psychische Leidenszustände in Folge der Erkrankung hintanhalten. (Beispiele selbstsicherer, sozial kompetenten Verhaltens wären z.B.: Nein – Sagen Können, Schwächen eingestehen, Gespräche beginnen, Gefühle offen zeigen, etc.)