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Experten im Talk: Die spezifische Immuntherapie bei allergischer Rhinitis

Prim. Dr. Peter Ostertag, Abteilungsleiter Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Bezirkskrankenhaus Kufstein informiert umfassend über alles zum Thema allergische Rhinitis und spezifische Immuntherapie.

Was ist eine (allergische) Rhinitis?

Eine Rhinitis ist eine Entzündung der Nase – also ein Schnupfen. Eine allergische Rhinitis ist ein allergischer Schnupfen. Eine Allergie ist schwieriger zu erklären – die momentan gültige Definition sagt: „Eine Allergie ist eine spezifische Änderung der Immunitätslage im Sinne einer krankmachenden Überempfindlichkeit.“

Eine spezifische Änderung der Immunitätslage bedeutet, dass, wenn Sie z.B.mit Ihrem Freund über die Wiese gehen, wenn er eine Gräserallergie hat, plötzlich seine Nase fängt an zu laufen, er niest die ganze Zeit, er hat vielleicht auch gerötete Bindehäute, die ihn noch furchtbar jucken. Wenn er auch ein allergisches Asthma hat, bekommt er auch plötzlich schlechter Luft. Das heißt, er hat eine Überempfindlichkeit. Sie reagieren nicht auf die Gräserpollen, er aber schon ,und für ihn ist es tatsächlich krankmachend, er wird wirklich krank. In diesem Fall bedeutet die „spezifische Änderung“: er reagiert nur spezifisch auf die Gräser und nicht auf Baumpollen.

Die „Änderung der Immunitätslage“ bedeutet, dass eine Allergie nichts anderes ist als eine Erkrankung unseres Immunsystems. Unser Immunsystem gehört zur körpereigenen Abwehr, mit dessen Hilfe Fremdsubstanzen abgewehrt werden. Das Besondere am Immunsystem ist, dass es nicht alles „platt“ macht, sondern es sucht sich einzelne Gruppen wie z.B. die Gräser raus und kämpft gegen diese. Also es ist eine ganz gerichtete, wiederum spezifische Abwehr. Und dieses Abwehrsystem ist im Rahmen einer Allergie erkrankt.

Prim. Dr. Peter Ostertag, Abteilungsleiter Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Bezirkskrankenhaus Kufstein
Wann sollte man den Arzt aufsuchen?

Ein Patient sollte den Arzt immer aufsuchen, wenn er ernsthafte Beschwerden hat und sich Sorgen macht. Das gilt für viele Erkrankungen genauso für den Verdacht auf eine Allergie – denn dahinter stecken ja Beschwerden, die ich so nicht akzeptieren möchte.

Welche Untersuchungen werden gemacht?

Zuerst sollten Sie dem Arzt in möglichst freier Form schildern, was Sie zu ihm geführt hat. Der Arzt kann Ihnen dann auch ganz spezielle Fragen stellen und wird sie körperlich untersuchen, verschiedene Test machen. Dann geht es schon wirklich in die Abklärung einer Allergie, typischerweise mit einem Hauttest (Pricktest). Dabei werden am Unterarm verschiedene Allergie-auslösende Stoffe (Allergene) in Tropfenform auf den Unterarm getropft. Und dann wird mit einer Lanzette die Haut ein bisschen angehoben. Dann bringt man diese Flüssigkeit unter die Haut – das ist nicht schmerzhaft, die Tests kann man auch mit Kindern machen. Wenn Sie tatsächlich eine Allergie haben sollten, dann reagiert die Haut, indem sie rötet oder Quaddeln, also kleine Ausbuchtungen bildet.

Als nächstes kommt dann die Blutabnahme, um im Blut verschiedene Stoffe nachzuweisen, die beweisend sind für eine Allergie. Eventuell kommt zum Schluss noch ein sogenannter Provokationstest. Der Arzt setzt Sie mit dem für Sie auslösenden Allergen in Kontakt, tropft z.B. ein hochgereinigtes Allergen in die Nase und schaut, wie sie tatsächlich darauf reagieren. Das ist auch für Patienten mitunter sehr eindrucksvoll, wenn sie sehen, dass sie tatsächlich auf das reagieren.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten der Therapie. Als erstes kann man das Allergen vermeiden (Allergenkarenz). Habe ich keinen Kontakt mit dem Allergen, werde ich keine Beschwerden mehr bekommen. Das kann mitunter sehr aufwendig sein, z.B. bei ganzjährigen Allergenen wie der Hausstaubmilbe. In diesem Fall versucht man ein Klima zu schaffen, das für die Hausstaubmilbe und deren Vermehrung möglichst ungünstig ist. Hausstaubmilben mögen es warm und feucht und ernähren sich von den menschlichen Hautschuppen – vor allem im Bett. Hier heißt es, das Bett häufiger waschen, ein kühles trockenes Raumklima schaffen oder milbendichte Bezüge, sogenannte „Encasings“, verwenden.

Als nächste Therapieform gibt es die medikamentöse Therapieform (symptomatische Therapie). Sie bekommen Medikamente gegen die Allergie. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Medikamente nicht zu einer Heilung führen. Sie werden Ihre Allergie immer behalten. Diese Medikamente unterdrücken nur Ihre Beschwerden wie Nasenlaufen oder Niesattacken. Setzen Sie jedoch das Medikament ab, dann kommen diese Beschwerden ganz genauso wieder zurück. Außerdem beeinflussen Medikamente nicht den spontanen Verlauf Ihrer Erkrankung. Das heißt, Sie haben eine gute Chance im Laufe Ihrer Erkrankung innerhalb von Jahren zunehmend gegen mehr Stoffe allergisch zu werden oder neben dem allergischen Schnupfen auch ein allergisches Asthma zu entwickeln.

Als dritte Therapieform gibt es die spezifische Immuntherapie (Specific Immuntherapy, SIT), auch bekannt unter den Namen Spritzentherapie, Impftherapie oder Hyposensibilisierung. Es ist eine Therapieform, in der Sie das krankheitsauslösende Allergen in regelmäßigen Abständen und in gereinigter Form erhalten. Die Dosierung wird dabei über mehrere Jahre gesteigert. Man kann damit tatsächlich Ihre Beschwerden gut oder sogar besser als mit jedem Medikament behandeln und zusätzlich auch in den Krankheitsverlauf eingreifen. Das heißt, die Immuntherapie kann die Allergie tatsächlich zum Abklingen bringen und eventuell sogar heilen.

Wie funktioniert die spezifische Immuntherapie?

Grundsätzlich gibt es eine Phase der Dosissteigerung und der Dosiserhaltung. In der Zeit der Dosissteigerung bekommen Sie das krankheitsauslösende Allergen, wie z.B. die Gräser, in steigender Dosierung relativ bald hintereinander. In der Phase der Erhaltungsdosis haben Sie eine relativ hohe Dosis erreicht, und Sie erhalten dann das Allergen in dieser Dosierung anhaltend über drei Jahre.

Je nach Präparat und Hersteller gibt es unterschiedliche Zeiträume. Es gibt Präparate, da muss man sich sieben Mal vom Arzt Spritzen geben lassen, um diese hohe Erhaltungsdosis zu erreichen. Bei anderen sind es 16 Wochen. Bei Tabletten und Tropfen, die man zuhause einnimmt, ist es ein wenig anders. Es gibt zwar auch die Phase der Dosissteigerung und der -erhaltung. Bei manchen Tabletten gibt es aber nur eine Dosis, also eine Tablette täglich. Sie beginnen praktisch gleich mit der Erhaltungsdosis.

Wie lange dauert eine spezifische Immuntherapie (AIT)?

Jede Hyposensibilisierung sollte drei Jahre durchgeführt werden, das ist wirklich wichtig. Es kommt darauf an, wie viel Sie von dieser Hyposensibilisierung tatsächlich bekommen. Das ist natürlich nach drei Jahren viel mehr, als wenn Sie nach einem halben Jahr wieder aufhören. Es ist ganz wichtig, wenn man sich für diese Therapieform entscheidet, die wirklich Durchhaltevermögen fordert, dass man es auch drei Jahre lang macht.

Vor- und Nachteile der subkutanen oder sublingualen Therapie?

Sie können sich zwischen der Spritzenform (subkutan – unter die Haut), die beim Arzt verabreicht wird, oder den Tabletten bzw. Tropfen, die man sich selbst unter die Zunge legen kann (sublingual), entscheiden. Bei der Spritzenform klingt es vielleicht zuerst als Nachteil, dass Sie zum Arzt gehen müssen. Der Vorteil ist, in der Erhaltungsphase müssen Sie nur ein Mal im Monat zum Arzt und haben dann eine Ruhe. Bei den Tropfen oder Tabletten müssen Sie jeden Tag daran denken.

Wenn Sie sich für Tropfen oder Tabletten entschieden haben und vergessen haben, diese einmal oder im Urlaub einzunehmen – das sollte zwar nicht passieren, aber in der Regel kann man dan ganz normal – wie man mit der Therapie schon angefangen hat, wieder beginnen. Wenn man z.B. die Therapieform mit einer Tablette pro Tag hat, und diese vergessen hat, dann nimmt man einfach am nächsten wieder eine Tablette (also nur eine, keine für den vergessenen Tag dazu nehmen). Bei Tabletten, wo man aufdosieren muss, einfach nach dem gleichen Schema weitermachen, wie es in der Anleitung steht. Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich an den verschreibenden Arzt. Auf alle Fälle hören Sie deshalb bitte nicht auf mit der Therapie!

Mit welchen Kosten ist die spezifische Immuntherapie verbunden?

Es entstehen für den Patienten keine keine Kosten. Die Krankenkassen übernehmen diese Therapieform, was die nachgewiesene Wirkung der Therapie schon verdeutlicht.

Experten im Talk: Mythen bei Allergien

OÄ Dr. Cornelia Gattringer, Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Universität Innsbruck, klärt über Mythen rund um Allergien und rund um die spezifische Immuntherapie auf.

„Hornissenstiche sind gefährlicher“

Es ist tatsächlich so, dass die Stiche von Hornissen schmerzhafter sind als die Stiche von Bienen oder Wespen. Das liegt aber nicht daran, dass das Gift allergischer oder allergener ist, sondern daran, dass das Hornissengift mehr von der Substanz beinhaltet, die die Schmerzen verursachen.

“Stiche im Kopf- und Halsbereich sind ein Risikofaktor für schwere Reaktionen”

Das stimmt nicht. Die Stichstelle ist kein Marker dafür, ob eine allergische Reaktion entsteht oder nicht. Was man aber schon sagen kann, ist, dass Stiche im Kopf- und Halsbereich – bedingt durch die normale lokale Reaktion, die auftritt – durch die Rötung oder Schwellung oft zu unangenehmen Situationen führen kann. Wenn zum Beispiel eine Wespe in die Zunge sticht, kann es durch die Zungenschwellung natürlich zu Schluckbeschwerden und im schlimmsten Fall auch zu Atemnot kommen. Das ist aber keine Allergie, und es besteht keine Notwendigkeit dafür, eine Hyposensibilisierung zu machen.

“Eine Insektengiftallergie lässt sich durch einen Bluttest oder Hauttest nachweisen”

Das ist es mir wichtig zu sagen, das gilt für jede Allergie: Ein Hauttest oder ein Bluttest allein ist nicht ausreichend für eine korrekte Diagnose. Es braucht auch klinische Symptome wie Ausschlag oder Luftnot. Erst dann kann in Zusammenschau mit einem positiven Haut- oder Bluttest eine Allergie bestätigt werden.

“Ich bin zu alt für eine Hyposensibilisierung”

Da hat sich das Blatt gewandelt. Früher hat man tatsächlich ab einem gewissen Alter die spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung, Allergieimpfung genannt, nur beschränkt eingesetzt. Heute weiß man, dass auch Patienten im fortgeschrittenen Alter hyposensibilisiert werden können. Das ist vor allem bei einer Insektengiftallergie wichtig. Wir wissen auch, dass mit dem Alter das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Zudem sind diese ein Risikomarker für schwere allergische Symptome. Das heißt, Patienten mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und einer nachgewiesenen Insektengiftallergie sollen auch im fortgeschrittenen Alter hyposensibilisiert werden.

OÄ Dr. Cornelia Gattringer, Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Universität Innsbruck

“Blutdrucksenkende Medikamente wie Betablocker und ACE-Hemmer sind bei der spezifischen Immuntherapie kontraindiziert”

Hier ist es ähnlich. Früher war man der Meinung Betablocker und ACE-Hemmer müssen im Rahmen einer spezifischen Immuntherapie abgesetzt oder umgestellt werden. Heute weiß man, dass das nicht notwendig ist.

“Eine Therapie gegen eine Allergie verstärkt die Symptome einer anderen Allergie”

Das ist zum Glück nicht so. Wir wissen, dass durch eine spezifische Immuntherapie eine Neusensibiliserung auf andere Allergien verhindert werden kann. Das heißt, eine zusätzliche Allergie kann verhindert werden. Zum Beispiel kann bei einem Patienten, der auf Birkenpollen allergisch ist, verhindert werden, dass er irgendwann zusätzlich auf Gräserpollen allergisch reagiert. Oder zum Beispiel ein Patient, der ebenfalls allergisch ist auf Birkenpollen mit einer Kreuzreaktion auf Lebensmittel – da kann verhindert werden, dass sich die Kreuzreaktion auf andere Lebensmittel ausweitet.

”Medikamente gegen Heuschnupfen machen müde”

Das war früher tatsächlich der Fall. Die alten Antihistaminika, wie man sie nennt, haben müde gemacht. Das geht so weit, dass sie heutzutage sogar als schlafunterstützende Medikamente eingesetzt werden. Die neuen Antihistaminika machen nicht mehr oder in einem sehr geringen Ausmaß müde.

”Der Klimawandel macht es schlimmer”

Ja, das stimmt. Durch den Klimawandel blühen die Bäume und Gräser länger und früher, das heißt, die Blütezeit ist insgesamt verlängert, und es sind viel mehr Pollen in der Luft. Noch dazu weiß man, dass durch die Luftverschmutzung, den Feinstaub und die Stickoxide die Pollen aggressiver werden und leichter Allergien verursachen.

Experten im Talk: Allergien bei Kindern

Der Wiener Kinderfacharzt MR Dr. Rudolf Schmitzberger spricht über Allergien bei Kindern. Er erklärt, wie sich diese frühzeitig erkennen lassen, welche Risiken gegeben sind und welche die beste Behandlung für Kinder darstellt.

Welche Allergien können schon im Kindesalter auftreten?

Im Kindesalter gibt es eine Reihe von allergischen Erkrankungen. Wir müssen annehmen, dass fast 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen irgendwann mit Allergieproblemen konfrontiert sind. Je nach Alter ist es unterschiedlich: Im Kleinkindesalter überwiegen die Allergien gegenüber Nahrungsmittel – hier überwiegt Kuhmilch, Hühnereiweiß und Weizen, aber im zunehmenden Maße auch gegen Erdnuss. Dann folgen die sogenannten inhalativen Allergien.

Was ist eine Kreuzallergie?

Eine Kreuzallergie bedeutet, dass der Körper auf verwandte Inhaltsstoffe reagiert. Ein gutes Beispiel dafür ist, wenn Birkenpollenallergiker auch auf die verwandte Substanz reagieren, wenn sie einen Apfel essen. Das nennt man eine Kreuzreaktion. Das kann völlig harmlos sein und ist in der Regel gut beherrschbar. Es kann aber auch zu Problemen führen, wenn es wirklich eine relevante, wir sprechen da auch von einer „genuinen“ Allergie ist, wie z.B. bei einer Erdnussallergie. Hier kann es wirklich zu lebensbedrohlichen Situationen kommen. Hier müssen Eltern, Kinder und Umgebung geschult werden. In diesem Fall bedarf es auch einer entsprechenden Notfallapotheke mit einer Adrenalinspritze, die gegebenenfalls von den betreuenden Personen oder auch vom Kind selbst verabreicht werden kann.

Was sind die Risikofaktoren, Allergien oder Asthma zu bekommen?

Werte Eltern, es ist ganz wichtig, dass Sie rechtzeitig bei Ihren Kindern und auch bei sich selbst an die Möglichkeit einer Allergie denken. Ein chronischer Schnupfen, chronische Bauchschmerzen, bei einem Kleinkind eine Gedeihstörung oder erst recht, wenn bereits Atemswegssymptome mit Husten oder Pfeifen bestehen, sollten Sie frühzeitig an die Möglichkeit einer Allergie denken – besonders, wenn in der Familie bereits ein gewisses Risiko durch Vorliegen von allergischen Erkrankungen besteht.

Allergien und Asthma sind vererbbar. Wenn ein Elternteil oder sogar beide Eltern nachgewiesene Allergiker oder Asthmatiker sind, ist die Bereitschaft vom Immunsystems des Kindes wesentlich mehr vorgeprägt, dass es selber Allergien oder Asthma entwickelt. Das ist auch ein wichtiger Faktor, den man bei der Entscheidung, ob eine Immuntherapie in Frage kommt oder nicht, einbeziehen soll. Bezüglich Risikofaktoren ist es mir ein besonderes Anliegen, einen Risikofaktor aus der großen Gruppe der Umweltfaktoren zu vermeiden – nämlich das Passivrauchen. Es gibt Untersuchungen, die klar dokumentieren, dass die Kinder, die dem Passivrauch ausgesetzt sind, ein wesentlich höheres Risiko haben, später eine Allergie oder sogar Asthma zu entwickeln.

MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Kinderfacharzt in Wien

Warum sollte ein Heuschnupfen ärztlich abgeklärt werden?

Der Heuschnupfen kann sich dramatisch von einem banalen Schnupfen zu einem späteren allergischen Asthma entwickeln. Das ist dann der sogenannte „allergische Marsch“, den es zu verhindern gilt. Viele Kinder haben vorher Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Hautprobleme, es kommt der allergische Schnupfen dazu und später Asthma. Diese Entwicklung gilt es frühzeitig zu erkennen und durch eine entsprechende Therapie zu unterbinden.

Ab welchem Alter sollten Kinder auf Allergien getestet werden?

Es ist mir ein besonderes Anliegen, dass sehr rechtzeitig an einen Allergietest gedacht wird. Viele Kinder leiden sehr, sehr lange unter einem chronischen Schnupfen. Und es wird oft falsch als Kindergarteninfekte verstanden, was natürlich manchmal überlappend ist in der kalten Jahreszeit. Aber meine Botschaft: Bitte denken Sie rechtzeitig an eine Allergie und lassen Sie rechtzeitig eine Allergietestung durchführen!

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Kinder?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Therapie. Das eine ist ist einmal eine Allergenkarenz, d.h. die Vermeidung der auslösenden Ursache. Das ist bei Nahrungsmitteln teilweise möglich, bei inhalativen Allergenen – wie Gräserpollen- oder Baumpollen-Allergie – ist es schon etwas schwieriger. Bei der Haustaubmilbenallergie ist es möglich, durch eine staubreduzierte Umgebung und durch Verwendung von eigenen Bettüberzügen, den sogenannten „Encasings“, eine Linderung herbeizuführen.

Aber eines muss man sich bewusst sein: Die einzige Ursachen-bekämpfende Therapie ist die sogenannte allergenspezifische Immuntherapie. Eine Allergie ist ja eigentlich ein Fehlalarm des Körpers. Das heißt, der Körper reagiert auf völlig irrelevante Dinge wie Pollen oder Hausstaubmilben und schüttet im Körper Abwehrkräfte aus, u.a. Antihistamine, die dann zu einer überschießenden Reaktion in den Atemwegen und auch Schleimhäuten (Nase und Augen) und in späterer Folge in den tiefen Atemwegen führen.

Es ist verlockend, nur eine symptomatische Therapie durchzuführen mit abschwellenden Augen- und Nasentropfen, Allergietabletten, die Symptome zu kaschieren. Aber man muss auch wissen, dass diese auch manchmal mit Nebenreaktionen verbunden ist. Die Augentropfen kratzen, die Nasentropfen werden von den Kindern als unangenehm empfunden, die Allergietabletten bzw. -sirup können etwas müde machen – also das ist bestenfalls eine Therapie-unterstützende Möglichkeit, aber man sollte mit seinem behandelten Arzt rechtzeitig eine Immuntherapie besprechen.

Gibt es komplementärmedizinische Methoden, die für Kinder mit Allergien empfehlenswert sind?

Es gibt unterstützende Methoden der Therapie von Allergien, die unterschiedliche Qualitäten aufweisen. Sie sind bestenfalls als unterstützende Therapien möglich und ersetzen nicht eine wirkliche ursachenspezifische Therapie – das ist und bleibt alleine die allergenspezifische Immuntherapie. Es ist sinnvoll, eine Allergenreduktion durchzuführen, begleitend dazu eine entsprechende medikamentöse Therapie. Aber die wichtigste der Säulen ist die allergenspezifische Immuntherapie. Alle anderen Therapieoptionen sind bestenfalls Ergänzungen.

Ab wann ist eine spezifische Immuntherapie für Kinder sinnvoll?

Eine Immuntherapie ist bei Kindern im sehr frühen Alter, ca. ab dem fünften Lebensjahr, möglich. Wichtig ist, dass wir das Kind ausreichend miteinbeziehen. Und es muss gewährleistet sein, dass die Therapie auch entsprechend lange durchgeführt wird. Es macht keinen Sinn, eine Immuntherapie zu beginnen und nach einigen Monaten wieder abzubrechen, weil sie entweder vergessen oder vom Kind nicht toleriert wird. Bedenken Sie bitte: Eine Immuntherapie dauert in der Regel drei Jahre. Aber dann hat man auch die wirkliche Zuversicht, dass 70 bis 80 Prozent bereits im ersten Therapiejahr sehr positiv reagieren und vor allem dieser allergische Marsch verhindert wird. Das oberste Ziel ist, die Entstehung von Asthma bronchiale zu verhindern. Die Immuntherapie ist gut, sicher, und wirkungsvoll. Wichtig ist die Wahl des richtigen Allergieproduktes. Bitte besprechen Sie das mit Ihrem Allergiespezialisten.

Welche Therapieform ist für Kinder besser – Spritzen, Tropfen oder Tabletten?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die man mit den Kindern natürlich absprechen muss. Es gibt die sublinguale Therapie in Form von Tropfen und Tabletten und die subkutane Spritzenform. Es wird vielfach im Vorhinein angenommen, dass die Kinder Spritzenangst haben. Das kann ich aus der Praxis so nicht bestätigen. Für manche Kindern und Eltern ist es wirklich einfacher, wöchentlich und dann später monatlich zum Arzt zu kommen, wo die Allergiespritze durchgeführt wird, als dass sie jeden Tag ihre Allergietablette oder -tropfen zuhause einnehmen müssen.

Man muss nämlich auch wissen, dass vor allem die Allergietablette in der Anfangsperiode für die Kinder unter Umständen etwas Unangenehmes darstellt, weil sie ein unangenehmes Gefühl im Mund und Rachen verursacht. Auch das muss man besprechen. In der Regel wird es so gehandhabt, dass die ersten paar Einnahmen auch in der Arztpraxis durchgeführt werden, um das Kind so daran zu gewöhnen. Eventuell werden in dieser Phase auch vorbeugend Allergie-reduzierende Tabletten eingenommen. Manche empfehlen sogar Gurgeln mit einem Allergiesirup. Die Allergietablette muss man sich gut überlegen. Sie ist hochwirksam, aber man muss sich auch vergewissern, dass die kleinen Patienten das auch entsprechend mittragen.

Experten im Talk: Allergisches Asthma

Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke vom Floridsdorfer Allergiezentrum informiert über das allergische Asthma – wie man es erkennt, diagnostiziert und mit der spezifischen Immuntherapie behandeln kann.

Woran erkenne ich, ob ich eine Allergie oder auch ein allergisches Asthma habe?

Wenn Sie eine Pollenallergie haben, dann werden Sie jedes Jahr ungefähr zur selben Zeit typische Beschwerden haben, wie z.B. Heuschnupfen juckende Augen oder wenn Sie Asthmatiker sind, dass Sie eine Verschlechterung ihrer respiratorischen Situation haben, d.h. Sie erleben mehr Atemnot in einer spezifischen Zeit.

Welche Diagnoseverfahren oder Test gibt es?

Die Diagnostik für das Asthma bronchiale besteht darin, dass man einen Lungenfunktionstest macht. Die Diagnostik der Allergie besteht aus der Krankengeschichte des Patienten (Anamnese), aus der Hauttestung und der Bluttestung auf spezifische Allergene.

Was ist eine spezifische Immuntherapie?

Eine Immuntherapie ist eine Desensibilisierungsbehandlung, bei der durch die Gabe des Allergens das Immunsystem des Patienten dazu gebracht wird, dass es deutlich weniger gegen das Allergen reagiert und der Patient damit deutlich weniger Beschwerden hat.

Ist eine spezifische Immuntherapie bei allergischem Asthma sinnvoll?

Eine Immuntherapie ist bei allergischem Asthma durchaus sinnvoll, weil sie die Beschwerden des Patienten verbessert, den Medikamentenbedarf reduziert und auch den Verlauf des Asthmas verbessert.

Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Floridsdorfer Allergiezentrum

Ab welchem Alter kann mit der Immuntherapie begonnen werden?

Man kann mit der Immuntherapie schon ab dem fünften Lebensjahr beginnen.

Wie lange dauert eine Immuntherapie?

Eine Immuntherapie dauert an sich drei Jahre – das wirkt im ersten Moment sehr lange. Aber wenn man die subkutane Version wählt, also mit Spritzen, dann sind es am Anfang über sieben bis acht Wochen wöchentliche Injektionen und dann monatlich. Da ist der Zeitaufwand bei den Monatsgaben nicht so hoch. Bei der sublingualen Immuntherapie mit Tropfen oder Tabletten ist der Zeitaufwand eine Minute pro Tag.

Gibt es einen geeigneten oder ungeeigneten Zeitpunkt für den Therapiebeginn?

Die Immuntherapie gegen Pollenallergene wird normalerweise nach der Pollensaison durchgeführt. Bei Dauerallergenen, also ganzjährigen Allergenen wie bei der Hausstaubmilbe, kann man jederzeit beginnen. Sollte der Patient Infekte haben, so muss man die Immuntherapie vorübergehend stoppen. Auch bei der subkutanen Therapie macht man einen sogenannten Impfabstand zu anderen Schutzimpfungen wie Influenza-, Tetanus- oder Corona-Impfungen. Da wird normalerweise eine Woche Abstand zur Immuntherapie gehalten. Das ist aber weder in der Aufdosierungsphase noch in der Erhaltungsphase ein großes Problem, weil man zwischendurch durchaus impfen kann.

Haben die Spritzen, Tropfen oder Tabletten die gleiche Wirkung?

Letztendlich ist es bei den Spritzen und den Tropfen eine individuelle Entscheidung. Die Spritzen sind den Tropfen vorzuziehen, da die Spritzen meistens mehr Wirkstoffe enthalten. Die Tabletten sind praktisch gleichwertig zu den Spritzen – auch hier ist es eher Geschmackssache bzw. auch eine Verträglichkeitssache. Denn wenn jemand öfters eine offene Mundschleimhaut oder eine Zahnfleischentzündung hat, dann würde ich keine Tabletten raten, weil die schlechter vertragen werden würden.

CAT – mehr Erkenntnis über Beschwerden im Alltag

Menschen, die von einer COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) betroffen sind, haben oft Beschwerden im Alltag zu bewältigen. Der COPD Assessment Test (CAT) ist ein gutes Hilfsmittel, mögliche Zusammenhänge mit dem Krankheitsverlauf zu erkennen. Zudem gibt er auch dem Arzt Aufschluss, ob die jeweilige Therapie optimal … Weiterlesen …

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Geschafft! Eberhard Jordan hat bei der "myCOPD-Challenge 2021" erfolgreich den Millennium Tower erklommen. Im Bild v.l.n.r.: Martin Gütlbauer, Eberhard Jordan, Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour und Dr. Milos Petrovic, Copyright: Christoph Hopf

Menschen mit der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD bestiegen am 17. November 2021, dem Welt-COPD-Tag, den Wiener Millennium Tower und die Innsbrucker Bergiselschanze. Mit ihrer Teilname an der „myCOPD-Challenge 2021“ möchten sie zeigen, was alles trotz und mit teils schwerer COPD möglich ist.

Gesunde Lunge – nie wichtiger als jetzt

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Der Welt-COPD-Tag wird in diesem Jahr zum 20. Mal begangen. Am 17. November 2021 wird auf das Thema „Gesunde Lunge – nie wichtiger als jetzt“ hingewiesen. Denn vor allem angesichts der weltweiten COVID-19-Pandemie kommt der Lungengesundheit und somit der COPD als weltweit dritthäufigster Todesursache eine besondere Bedeutung zu.