Beim Jour fixe der Österreichischen Lungenunion am 17. März 2021 sprach der neue Generalsekretär, Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Pohl von der Klinik Hietzing, über die Covid-19-Impfung bei Menschen mit Lungenerkrankungen und beantwortete Fragen der Teilnehmenden.

Die SARS-CoV-2-Impfung ist Univ. Prof. Dr. Pohl zufolge der einzige Weg, „der uns aus der Pandemie heraushelfen kann.“ Man wisse von anderen Infektionsereignissen, dass die Impfung kurzfristig aus einer potentiell tödlichen Situation herausgeholfen habe. Entsprechende Beispiele ließen sich seit Jahrzehnten verfolgen. In den letzten Monaten habe man gelernt, dass COVID-19 sehr divergierend verlaufen kann. Daten aus Israel hätten gezeigt, dass die Virusweitergabe durch die Impfung und somit auch die Transmission auf andere Menschen gehemmt sei.

Wolfgang Pohl
„Ich kann beruhigen: Jene Impfstoffe, die wir zur Verfügung haben, sind optimal.“ Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Generalsekretär der Österreichischen Lungenunion
Schutzdauer der Impfung

Die Impfung soll Pohl zufolge bewirken, dass es gar nicht zu einer Erkrankung bzw. zu schweren Schäden kommt. Neben der Messung der Antikörper seien vor allem die Immunzellen mit einem teils lang anhaltendem Gedächtnis von Bedeutung, da diese Maßnahmen zum Schutz vor einer Erkrankung setzen können. Aus ersten Studien sei bekannt, dass die Wirkung zumindest über Monate anhalte. Die Notwendigkeit einer Nachimpfung hänge vom Nachweis der zellulären Aktivität der Antikörper und der Interaktion neuer Mutationen ab, so Pohl. Man werde anhand des Verlaufs sehen, ob eine neue Impfung notwendig sei.

„Ich bin sehr optimistisch, da sich die Impfstoff-Entwickler darauf eingestellt haben, durch kleine Veränderungen an den Oberflächen der Spike-Proteine neue Substanzen zu entwickeln“, erklärte der Pneumologe.

Nebenwirkungen

Am häufigsten nachzuweisende Nebenwirkungen einer Impfung wie beispielsweise Rötungen oder Schmerz an der Einstichstelle seien Pohl zufolge lokal bedingt. Es könne auch zu Gelenkschmerzen und Fieberschüben kommen. Insgesamt übersteige die Häufigkeit schwerwiegender Nebenwirkungen wie Embolien und Thrombosen nicht die Zahl solcher Ereignisse, die in der Bevölkerung generell auftreten. Die Häufigkeit von Thromboembolien sei bei der Impfung mit der Vakzine von Astra Zeneca nicht höher gewesen als bei jener von BioNtech/Pfizer und bewege sich im Promille-Bereich. Darüber hinaus seien Thromboembolien bei mit einem der beiden Vakzinen geimpften Personen nicht häufiger vorgekommen als bei der nicht geimpften Bevölkerung.

„Wenn wir die Impfung aufgrund der Unklarheit von Nebenwirkungen aussetzen, haben wir viel mehr Tote zu beklagen als wenn wir weiterimpfen. Es gab ein klares Signal der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA), dem zufolge der Astra Zeneca-Impfstoff sicher sei. Es sei auch nicht mit gehäuften Nebenwirkungen in Form von Thromboembolien zu rechnen“, betonte Pohl. Trotzdem müsse man dem Ganzen nachgehen – dies sei sowohl das Bestreben der EMA als auch des Herstellers.

„Je besser eine Lungenerkrankung therapeutisch eingestellt ist und je konsequenter eine Therapie eingenommen wird, umso besser kommen Betroffene durch die Corona-Pandemie.“

Thromboseprophylaxe

Auf die Frage eines Jour fixe-Teilnehmers, ob die Einnahme von Acetylsalicylsäure zur Verhinderung einer Thrombose anzuraten sei, antwortete der Generalsekretär der Lungenunion mit einem klaren Nein.

Abwarten und später impfen lassen?

Eine weitere Frage bezog sich auf verfügbare und künftig zugelassene Impfstoffe: „Soll man besser zuwarten oder lieber den Impfstoff nehmen, den man bekommt?“ Da sich die zugelassenen Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Astra Zeneca, Moderna sowie Johnson & Johnson im Wesentlichen kaum voneinander unterscheiden würden, empfahl Pohl, eine mögliche Impfung nicht abzulehnen. Pohl hielt fest, dass es bei fast allen Lungenerkrankungen eine Indikation zum Impfen gebe. Bei immunsupprimierten Personen könne es allerdings zu einer abgeschwächten Wirkung der Impfung kommen.

Starke Nebenwirkung oder anaphylaktischer Schock?

Ob es sich bei einer starken Überreaktion auf eine Impfung tatsächlich „nur“ um eine Überreaktion oder gar eine Anaphylaxie handle, beantwortete Pohl mit folgenden Worten: „Kann eine geimpfte Person nicht mehr unterscheiden, ob es sich um eine Impfnebenwirkung oder eine anaphylaktische Reaktion handelt, liegt letztere vor. Denn dann befindet sie sich in einer Intensivbetreuung.“ Werde eine weitere Therapie mit einem Antihistaminikum oder Kortison nötig, unter der sich die zuvor geimpfte Personn erholt, handle es sich um eine Überreaktion. „Das wäre eine ganz einfache Differenzierung, wobei es hier auch noch Feinheiten gibt. Bei der anaphylaktischen Reaktion ist es durchaus so, dass auch Atemwege betroffen sein können und hier eine kurzfristige Beobachtung notwendig ist“ erklärte der Lungenspezialist.

Eine Überreaktion könne sehr rasch auftreten, sei aber auch innerhalb weniger Minuten behebbar. „Wenn eine Überreaktion auftritt, dann ist das in den ersten 15 Minuten“, so Pohl, der Patienten mit einer Allergie, die bereits in der Vergangenheit eine Impfreaktion gezeigt haben, empfiehlt, zumindest 30 Minuten nach einer Impfung vor Ort zu bleiben. Sei in der Vergangenheit eine anaphylaktische Reaktion auf eine Impfung aufgetreten, könnten sich Betroffene vor einer Impfung auf eine Überempfindlichkeit gegenüber Polyethylenglycol untersuchen lassen.

Jour fixe am 21. April 2021 um 18:00 Uhr: Allergie & Asthma

Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergieambulatoriums, spricht beim Jour fixe über Allergien mit und ohne Asthma. Fragen zum Thema können Sie wieder gerne vorab via E-Mail an office@lungenunion.at schicken oder direkt im Webinar (via Chat) stellen.

>> Jour fixe mit Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke

Atem-Webinar am 6. Mai 2021 um 18:00 Uhr

Im Rahmen der Online-Atemschulung mit Atemphysiotherapeutin Michaela Zechner, BSc, trainieren Sie das Inhalieren und können bei Atemübungen mitmachen. Am Ende des Webinars haben Sie Gelegenheit, der Vortragenden direkt Ihre persönlichen Fragen zu stellen.

>> Atemwebinar mit Atemphysiotherapeutin Michaela Zechner