Expertinnen und Experten empfehlen eine Impfung gegen COVID-19. Dies gilt auch für Menschen mit Lungenkrebs sowie für jene mit schwerem Asthma, von denen einige mit monoklonalen Antikörpern (Biologika) behandelt werden.

OA Dr. Maximilian Hochmair, Leiter des Arbeitskreises Pneumologische Onkologie der (ÖGP) und Leiter der onkologischen Tagesambulanz / Tagesklinik der Abt. f. Innere Medizin und Pneumologie der Klinik Floridsdorf (c) wildbild
OA Dr. Maximilian Hochmair, Leiter des Arbeitskreises Pneumologische Onkologie der (ÖGP) und Leiter der onkologischen Tagesambulanz / Tagesklinik der Abt. f. Innere Medizin und Pneumologie der Klinik Floridsdorf (c) wildbild

Dass Lungenkrebs und COVID-19 „ein hochgefährliches Paar“ sind, geht aus den ersten Daten der multizentrischen Beobachtungsstudie TERAVOLT hervor. Bisher ausgewertete Studiendaten hätten laut OA Dr. Maximilian Hochmair, dem Leiter der onkologischen Tagesambulanz/Tagesklinik an der Klinik Floridsdorf, gezeigt, dass dass rund ein Drittel der Lungenkrebspatientinnen und -patienten, die zusätzlich an COVID-19 erkrankt waren, verstarben. Ein Drittel der Patientinnen und Patienten mit Lungenkrebs sei wieder genesen, und ein weiteres Drittel habe eine stationäre Behandlung benötigt. Die Studie berücksichtigte Daten von 200 Personen mit Lungenkrebs aus Italien, Spanien, Frankreich der Schweiz, den Niederlanden, den USA, Großbritannien und China.

„Auch wenn ein Teil dieser Daten aus Ländern mit ganz anderen Gesundheitsstrukturen als bei uns stammt und die Mortalität in unserem Gesundheitssystem sicher nicht so hoch ist, ist dennoch klar, dass Lungenkrebspatientinnen und -patienten im Hinblick auf die COVID-19-Erkrankung zu einer absoluten Hochrisikogruppe gehören“, erklärt Hochmair.

Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie empfiehlt die COVID-19-Impfung in Zusammenschau der derzeit verfügbaren Daten speziell für Menschen mit Lungenkrebs. Weder eine spezielle Krebserkrankung noch eine spezifische Krebstherapie stelle den Expertinnen und Experten zufolge derzeit eine klare Kontraindikation gegen die Schutzimpfung dar. Allerdings müssen bei allen Patientinnen und Patienten individuelle Entscheidungsfaktoren berücksichtigt werden. „Abhängig vom jeweiligen Immunstatus sollte die Impfung mit dem behandelnden Pneumologen abgestimmt werden“, lautet die Empfehlung.

Biologika-Therapie und COVID-19-Impfungen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts und das Nationale Impfgremium Österreichs empfehlen derzeit eine Impfung gegen COVID-19. Diese Empfehlung gilt auch für Patientinnen und Patienten mit schwerem Asthma, von denen einige mit monoklonalen Antikörpern (Biologika) behandelt werden. Monoklonale Antikörper sind eine hoch effektive und nebenwirkungsarme Behandlungsmöglichkeit zur Therapie des schweren Asthma bronchiale. Häufig wird die Frage gestellt, ob es Interaktionen zwischen einer Antikörpertherapie und einer Impfung geben könnte.

Die asthmatische Entzündungsreaktion ist nicht maßgeblich an der antiviralen Immunantwort beteiligt. Auch spielen die Zielstrukturen (T2-Zytokine bzw Zytokinrezeptoren) der Biologika keine Rolle bei der Entwicklung T-Zell spezifischer oder humoraler Immunreaktionen im Rahmen von Impfantworten.

In randomisierten Studien wurde der Effekt einer gleichzeitigen Verabreichung von Biologika (u.a. Benralizumab oder Dupilumab) und einem Impfstoff (u.a. gegen Influenza, Tetanus, Meningokokken) bei Patienten und Patientinnen mit Asthma oder atopischer Dermatitis untersucht. Es konnte dabei kein Einfluss auf die humorale Immunantwort (Antikörper-Bildung) auf die Vakzine durch die Biologika-Therapie beobachtet werden. Zusätzlich konnten in der Gruppe, die sowohl den Impfstoff als auch die Biologika-Therapie erhielten, keine unbekannten Nebenwirkungen festgestellt werden. Diese Daten decken sich auch mit der klinischen Erfahrung und Registerdaten.

Bei den in Deutschland und Österreich derzeit bzw. bald erhältlichen COVID-19-Impfstoffen handelt es sich um mRNA oder Adenovektor-basierte Impfstoffe. Beide sind im Körper nicht vermehrungsfähig und können keine COVID-19 Erkrankung hervorrufen. Obwohl eine gleichzeitige Therapie mit einem dieser Impfstoffe und einem Biologikum nicht direkt untersucht wurde, ist eine Wechselwirkung daher sehr unwahrscheinlich.

Generell gilt, für alle Impfstoffe bei gleichzeitiger Biologika-Therapie Risiko und Nutzen abzuwägen. Die Fachvertreter der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie empfehlen daher, auch solche Patienten mit (schwerem) Asthma gegen SARS-CoV-2 zu impfen, die derzeit mit Biologika behandelt werden oder eine solche Therapie beginnen. Die gute Asthmakontrolle ist auch hier als Therapieziel und Grundlage für eine möglichst nebenwirkungsarme Impfung anzusetzen.

Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

Weitere Informationen

Marina Chiara Garassino, Jennifer G Whisenant, Li-Ching Huang, Annalisa Trama, Valter Torri, Francesco Agustoni et al.: COVID-19 in patients with thoracic malignancies (TERAVOLT): first results of an international, registry-based, cohort study: Lancet Oncology, Published: June 12, 2020, DOI: https://doi.org/10.1016/S1470-2045(20)30314-4

Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (PDF)

Quelle: Empfehlung des Arbeitskreises „Pneumologische Onkologie“ der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie unter der Leitung von Dr. Maximilian Hochmair, Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.