Während sich der eine Betroffene selten mit leichten Beschwerden herumschlägt, wird ein anderer häufig und von sehr starker Atemnot geplagt. Wie viele unterschiedliche Arten von Asthma es gibt, ist noch nicht ganz klar. „Aber unser Wissen hat sich in den letzten Jahren so erweitert, dass wir ganz wesentliche Unterschiede nachweisen können“, erklärte Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Leiter der Abteilung für Atmungs- und Lungenerkrankungen im KH Hietzing, beim Tag der Lungengesundheit „Mehr Luft auf Leben“ im Wiener Rathaus.

Asthma ist eine heterogene Krankheit, bei der die Atemwege der Lunge entzündet und verengt sind, was zu Husten, Keuchen und Atemnot führt. Heterogen deshalb, weil Asthma in unterschiedliche Verlaufsformen eingeteilt werden kann. Zudem reagieren Patienten auch unterschiedlich auf Pollen, Tierhaare, Parfum oder Hausstaubmilben. Somit ist auch eine unterschiedliche Ausprägung von Symptomen, Entzündungsreaktionen, aber auch auf das Ansprechen der Therapie nachzuweisen. Klar ist, dass immer mehr Menschen, vor allem immer mehr Kinder, an Asthma leiden. Derzeit sind nach Schätzungen der WHO weltweit über 300 Millionen Menschen von Asthma betroffen. In Österreich leiden rund 5,8 Prozent der Bevölkerung an Asthma, ungefähr fünf Prozent davon an schwerem Asthma. Asthma ist damit eine der häufigsten chronischen Erkrankungen der Österreicher.

Auslöser von Asthma

Die genetischen Hintergründe der Erkrankung sind längst nicht alle geklärt. Adipositas und Stress können zur Entstehung von Asthma beitragen. Männer erkranken eher vor der Pubertät, Frauen danach. Einen überragenden Faktor stellen Allergien dar. Das Rauchen ist ebenso ein starker Risikofaktor. Auch die Ausprägungen von Asthma sind unterschiedlich. Während manche Patienten nur leichte Beschwerden haben, sind andere – vor allem schwere Asthmatiker – deutlich eingeschränkt durch Symptome wie Luftnot, Brustenge oder starkem Husten. Schweres Asthma tritt meist im Alter zwischen 35 und 50 Jahren auf, also bei einer Zielgruppe, die in Zeiten von Covid-19 ohnedies bereits besonders auf die Stärkung ihres Immunsystems achten muss.

Die verschiedenen Formen

Prof. Pohl: „Ganz wesentlich ist, dass wir in den letzten Jahren von T2-Asthma sprechen. Dabei haben wir zwei Asthmaformen, auf die wir uns konzentriert haben und das ist das allergische Asthma und das nicht-allergische Asthma.“
Daneben gibt es auch Asthma­formen, die mit diesen Asthma-Phänomenen überhaupt nichts zu tun haben. „Allerdings gibt es für diese Asthmaformen nicht sehr viele Therapiemöglichkeiten“, resümiert der Experte. Prof. Pohl: „Bei den genannten T2-Asthmaformen sind wir sehr gut ausgestattet in Bezug auf die Therapie. Da hilft meistens bei den milden und mittelgradigen Verlaufsformen ein niedrigdosiertes Kortison. Und bei den schweren Verlaufsformen gibt es sensationelle Substanzen, sogenannte Antikörper oder Biologicals. Diese Therapien werden aber immer personalisiert und ganz zielgerichtet eingesetzt.“ Deshalb ist eine Vorwegdiagnostik erforderlich, die nicht sehr aufwändig ist. In den meisten Fällen reicht eine Blutabnahme und eine Analyse vom Sputum oder eine Analyse der Entzündungsaktivität in den Atemwegen. Mur in den seltensten Fällen ist eine Gewebsentnahme aus den Bronchien (Bronchoskopie) notwendig. „Bei der Mehrzahl der Asthmapatienten lässt sich die Krankheit durch richtige Behandlung so sehr verbessern, dass ein beschwerdefreies Leben mit normaler Lebensqualität auch bei körperlicher Belastung möglich ist“, so der Experte.

Asthmapatienten gesucht

Für besonders schwere Asthmafälle gibt es eine neue Studie, die Prof. Pohl im Krankenhaus Hietzing durchführt. Die Klinik hat auch in den letzten Jahren an großen internationalen Studien teilgenommen. Prof. Pohl: „Da haben wir schon sehr viele neue Substanzen probieren und testen können. Wichtig sind für uns aber eigene Real-Life-Studien, also aus dem wirklichen Leben heraus. Hier können wir die Ergebnisse aus den Studien auch im Alltag belegen.“

Derzeit geht es darum, wie viele Patienten in Österreich überhaupt für eine spezialisierte Asthmatherapie in Frage kommen. Gesucht werden Asthmatiker, die nicht kontrolliert sind, die mit ihrer Therapieeinstellung nicht zufrieden sind, die trotz ihrer Therapieeinstellung weiterhin Beschwerden haben. Das sind vor allem Patienten, die Kortison schlucken. Prof. Pohl: „Denn diese Patienten haben häufig Verschlechterungen – sogenannte Exazerbationen – und bekommen deshalb eine Kortisontherapie. Das ist überhaupt nicht mehr notwendig. Neue Medikamente ersetzen diese Therapie und verbessern auch die Asthmakontrolle.“